Alexander-Technik (7/8)
Prinzip 8: Sinneswahrnehmung
Ich behaupte, dass schlechte Gewohnheiten vor allem deswegen so schwer zu verändern sind, weil sie sich gut anfühlen, obwohl sie uns eigentlich im Weg stehen oder sogar Schaden.
Stimmen Sie dem zu?
- Ja
- Nein
Normalerweise gehen Menschen gewohnheitsmäßig auf eine bestimmte Art mit sich und ihrem Körper um. Gehören Sie auch dazu? Das würde mich nicht überraschen, denn ich kennen nicht viele Menschen, die in ihrem Alltag bei sich bleiben und bewusst Einfluss nehmen können. Die meisten sind zerstreut und mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihrer Arbeit, einem Gespräch oder sonstwo – aber nicht bei sich selbst.
Wenn diese Art mit sich umzugehen, was ich in Prinzip 2 als “Gebrauch” bezeichnet habe, gut ist, dann entstehen keine Probleme. Wenn man jedoch ein bischen in Krankheits-Statistiken liest, stellt man fest, dass über 90% der Menschen häufig Rückenschmerzen haben. Daraus schliesse ich, dass sie auch einen schlechten Gebrauch haben, und die Rückenschmerzen ein Symptom davon sind (ausser in den paar Prozent, in denen irgendwelchen anatomischen Probleme vorliegen)
Kurz gesagt: Wenn Sie mit sich schlecht umgehen, tut ihnen früher oder später der Rücken weh.
Was aber machen alle? Übungen. Stimmt doch, oder? Da werden Rückenmuskeln in Kraft und Ausdauer trainiert, es wird Beweglichkeit trainiert, Muskeln gedehnt usw.
Jetzt habe ich dazu eine Frage: Wenn es stimmt, dass der gewohnheitsmäßig schlechte Gebrauch, die Ursache für Rückenschmerzen ist, wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet dann, wenn Sie ihre Übungen machen, sie einen guten Gebrauch haben? Glauben Sie, dass Sie plötzlich besser mit sich umgehen, nur weil ihre Muskeln gut trainiert sind? Ich glaube das nicht.
Jeder versucht es richtig zu machen,
aber niemand hält inne, um zu überdenken,
ob die Vorstellung von “richtig” auch richtig ist.
(F.M.Alexander)
Auch Sie wollen ihre Übungen “richtig” machen. Wenn Sie aber etwas NEUES machen, dann kennen Sie das dazugehörige Gefühl nicht. Es fühlt sich wahrscheinlich irgendwie fremd oder sogar unangenehm und falsch an. Aber NIEMAND tut etwas, dass sich falsch anfühlt, wenn er etwas richtig machen will! Das leuchtet doch ein, oder?
You can’t do something you don’t know,
if you keep on doing what you do know.
(F.M.Alexander)
Alles klar? Ein guter Gebrauch bedeutet für Sie etwas NEUES. Sie bewerten ihren Gebrauch aber mit ihrem alten Gefühl. Dieses Gefühl aber hat sie bereits betrogen, sonst hätten Sie ja einen guten Gebrauch (und von den Menschen, die ich auf der Straße sehe, haben vielleich 0,1% einen guten Gebrauch). Sie brauchen einen neuen Maßstab, eine neue Referenz.
Darum geht es. Im Alexanderunterricht lernen Sie, ihren Verstand zu benutzen. Gefühl ist eine unglaublich wertvolle Sache, dann, und nur dann, wenn sie sich auch darauf verlassen können. Bis es soweit ist möchte ich ihnen noch den folgenden Satz zumuten, den F.M.Alexander mal einem seiner Schüler an den Kopf geknallt haben soll:
Du triffst keine Entscheidungen,
sondern du tust das, was sich für dich richtig anfühlt.
Nochmal: Sie können keine wirklichen Veränderungen erreichen, solange Sie sich allein auf ihr Gefühl verlassen!
[...] hatte Thema “Spüren” schon mal kurz angedeutet. Dr. Spitzbart verdeutlicht das Thema sehr anschaulich, indem er [...]