Alexander-Technik beim “Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin”
Dirk Hausen (Lehrer für Alexander-Technik in Freiburg) hat mir folgenden kleinen Bericht vom „Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ zukommen lassen:
Vom 26.- 28. März dieses Jahres fand an der Hochschule für Musik Freiburg i. Br. ein „Internationaler Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ statt. Auf Einladung der Leitung des Freiburger Instituts für Musikermedizin hatte ich hierbei Gelegenheit, die G.L.A.T. (Gesellschaft der Lehrer/innen der F.M. Alexander-Technik) durch den Workshop „Alexander-Technik für Bläser“ zu vertreten.
Ein neunzigminütiger Workshop bedeutet auch bei anderen Veranstaltungen eine Herausforderung. Im Rahmen eines internationalen Kongresses, bei dem besonders qualifizierte Teilnehmer auch mit besonders großen Erwartungen aus der ganzen Welt anreisen, kann sich eine solche Herausforderung jedoch als durchaus steigerbar erweisen: Zum Beispiel stellte sich bereits in der Vorbereitung die grundlegende Frage, ob der Workshop auf Deutsch oder Englisch abzuhalten ist, oder mit wie vielen Teilnehmern welcher Berufsgruppe bzw. welchen Hintergrunds zu rechnen ist. Vor Ort ergab sich dann „spontan“, dass die 25 Teilnehmer meines Workshops zum einen alle deutschsprachig waren und dass vom Logopäden bis zu einem Prof. Dr. med. einer deutschen Universitätsklinik also auch die verschiedensten Berufsgruppen (vorwiegend jedoch aus dem medizinischen Bereich) vertreten waren.
Mein Plan sah vor, zunächst einen kurzen, einführenden Vortrag über die Technik zu halten. In einem zweiten Schritt sollte dann die „klassische“ Alexander-Arbeit an Tisch und Stuhl präsentiert werden. Ganz dem Ablauf einer regulären Unterrichtsstunde folgend, hätte sich hieran die thematisch vorgegebene Arbeit am Instrument angeschlossen. Es stellte sich jedoch gleich zu Beginn des Workshops heraus, dass keiner der Teilnehmer, trotz des expliziten Hinweises in der Kursbeschreibung, an das Mitbringen eines Instruments gedacht hatte. Ohne leugnen zu wollen, dass diese Feststellung mein Konzept um spontane Improvisation zu bereichern drohte, begann ich einfach.
Es stellte ich heraus, dass alle Teilnehmer vor allem eines waren: interessiert. Sie waren zutiefst interessiert daran, ihren Klienten bzw. Patienten eine umfassende und damit bestmögliche Behandlung zukommen lassen zu können. Der in der Alexander-Welt (auch durch Alexanders eigene Beschreibung seines Leidensweges) häufig formulierte Gedanke, dass Mediziner nur am Symptom orientiert seien, erwies sich daher, zumindest im Rahmen dieses Workshops, als korrekturbedürftig.
Nachdem ich die Teilnehmer zu Beginn darauf hingewiesen hatte, dass Fragen jederzeit gestellt werden könnten, wurde hiervon auch rege Gebrauch gemacht. Neben sehr spezifischen Fragen zu meiner Arbeit mit Musikern, vor allem zu meinen Erfahrungen mit Orchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, ging es auch darum, wie genau eine Stunde abläuft, was konkret ein Alexander-Lehrer mit seinen Händen tut, wie man die Technik selbst anwenden lernt bzw. wie viele Stunden dazu notwendig sind usw.
Das Ergebnis war ein anregender Workshop bei dem viel gelacht wurde (der Anblick von 25 gleichzeitig aufstehenden bzw. sich hinsetzenden Leuten oder das gemeinsame Praktizieren des „whispered Ah“ bot für alle Anwesenden genug Grund dazu), bei dem sich jedoch auch die grundlegenden Ideen und Zusammenhänge der Alexander-Technik verdeutlichen ließen. Die Alexander-Technik als Teil eines ungemein vielfältigen Angebots an hochinteressanten Vorträgen und Workshops im Rahmen dieses Kongresses vertreten zu dürfen, erlaubt mir den persönlichen Schluss, dass der potentielle Beitrag der Alexander-Technik in der Musikphysiologie und Musikermedizin herzlich willkommen ist.
Vielen Dank an Dirk Hausen, der mir diesen Bericht hat zukommen lassen.
Ich arbeite regelmässig mit Musikern und kann sagen, dass der (nicht nur potentielle) Beitrag den die Alexander-Technik leistet, wirklich einen Bedarf deckt. So haben schon 8 oder 10-jährige Kinder häufig Rückenschmerzen (nicht nur, aber auch beim Spielen ihres Instrumentes). Jugendliche und Erwachsene haben häufig chronische Schmerzen und Probleme entwickelt…
Wenn es mir im Unterricht gelingt, falsche Vorstellungen von “guter Haltung” oder davon wie die Spielbewegungen zustande kommen zu korrigieren, werden die Bewegungsabläufe fliessender und damit verschwinden oft als “Nebenwirkung” auch die Rückenprobleme.
Auch wenn es derzeit “in” ist auf der “sturen Schulmedizin” herumzuhacken, kann ich für meinen Teil sagen, dass die Ärzte und Physiotherapeuten mit denen ich bisher gesprochen habe, ALLE sehr interessiert an Methoden wie der Alexander-Technik waren. Das liegt vermutlich auch mit daran, dass ich meine Arbeit zu 100% als pädagogisch verstehe, also weit davon entfernt bin therapeutisch tätig zu sein.
Wie auch immer. Ich finde es jedenfalls schön, dass sich gegenseitiges Interesse auch auf so einem Kongress widerspiegelt.
Hallo Daniel!
Deinen Hinweis auf den pädagogischen Wert der Alexander-Arbeit finde ich äußerst wichtig! Damit ist die Alexander-Technik nämlich nicht nur nachhaltiger als die meisten anderen Methoden (für das Beheben bereits vorhandener Probleme), sondern kann für Musiker auch präventiv von imensem Wert sein. Herzliche Grüße aus Freiburg, Dirk
Ja genau, der Gedanke der Prävention: etwas NICHT reparieren zu wollen, sondern stattdessen zu fragen “Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Was kann ich hier lernen? Wie störe ich mich selbst?” usw
Um dann aber auch etwas wirklich zu verändern(!) Daran scheitert es nämlich meistens, dass man zwar Probleme weghaben will, aber es muss doch bitteschön möglich sein, das zu erreichen, OHNE dass ich mich verändere…
Grüsse zurück gen Freiburg,
Daniel