Die Anatomie der Ganzheit

gormanAm Wochenende war David Gorman bei mir in Savonlinna (Finnland) zu Gast und hat den dreitägigen Workshop The Anatomy Of Wholeness™ gegeben.

Vor einiger Zeit bin ich auf seine website gestossen und habe dort tonnenweise spannende Artikel gefunden und mir ebooks runtergeladen und geradezu verschlungen. Einen dieser Artikel habe ich dann sogar übersetzt.

Daraufhin wollte ich Gormans “LearningMethods” gerne live kennenlernen. Es wäre mir allerdings zu aufwendig gewesen dafür um die halbe Welt zu reisen und so habe ich ihn halt einfach hierher eingeladen.

Es war der Hammer!

Ich habe selten einen so guten Workshop erlebt. :-)

Ich habe unglaublich viel gelernt und was noch viel wichtiger ist: Ich habe massenhaft spannende Fragen, die ich erforschen will, Fragen, die mich wirklich brennend interessieren!!! :-)

Der ganze Workshop drehte sich im Grunde um folgende Frage:

Sind wir Lebewesen, deren Natur es ist ganz zu sein und als Ganzheit zu funktionieren? Sind wir perfekt konstruiert und können demnach auch perfekt funktionieren?

ODER

Sind wir nicht ganz, nicht ganzheitlich? Sind wir nicht perfekt konstruiert (was quasi zwangsläufig zu Problemen führen muss)?

Spannend, nicht wahr? Das ist eine sehr grundlegende Frage, die man nicht einfach mal so beantworten sollte, sondern sich wirklich sehr intensiv damit ausseinandersetzen, weil die Antwort sehr weitreichende Konsequenzen hat.

Sie bestimmt beispielsweise, wie wir bei Problemen jeglicher Art vorgehen:

Wenn wir annehmen, dass die erste Alternativen wahr ist, dann würde das z.B. bedeuten, dass, wenn Probleme auftreten, dieses perfekte, natürliche System in irgend einer Weise gestört wird. Möglicherweise sind wir selbst es, die das System stören und uns somit selbst im Wege stehen. Die Vorgehensweise würde dann wahrscheinlich sein, herauszufinden, WARUM und WIE wir uns stören und diese Ursache schliesslich beheben. Problem gelöst.

Wenn die zweite Alternative wahr ist, also dass unsere Struktur und unser Funktionieren nicht gut genug für die heutige zivilisierte Welt geeignet ist, dann hätte das z.B. bei Rückenproblemen andere Konsequenzen bei der Vorgehensweise. Dann müssten wir dem System in irgend einer Weise von aussen oder innen helfen, in jedem Fall dem nicht-perfekten System etwas hinzufügen, korrigieren, koordinieren o.ä.

Wie stehe ich dazu?

Ich habe in den letzen Jahren und auch letztes Wochenende viele Erfahrungen gemacht, die mich dahin gebracht haben die erste Alternative für wahr zu halten.

So dachte ich zumindest.

Denn wenn ich ehrlich bin, dann fällt mir auf, dass ich an vielen Stellen etwas nachhelfe, indem ich z.B. hier und da ein paar Muskeln loslasse, wenn ich merke dass ich da etwas angespannt bin.

Wenn ich WIRKLICH und vollständig überzeugt wäre, dass ich ganz bin, und die menschliche Konstruktion perfekt ist, dann würde ich meiner “Koordination” nicht helfen wollen, sondern darauf vertrauen, dass die angeborenen Koordinationsmechanismen in jedem Moment die bestmögliche Koordination hervorbringen.

Dann würde ich in micht etwa Folgendes fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass die verspannt sind? Wie konnte es dazu kommen, dass ich die Schulter überhaupt als isolierten Teil von mir wahrnehme, also nicht ganz bin? Was habe ich getan, gedacht, was war meine Intention, dass mein Körper mit übermässiger Spannung reagiert?

Das habe ich jetzt vor

Ich werde eine Reihe von Experimenten durchführen die mir nachvollziehbare Beweise bringen, ob Alternative 1 oder 2 wahr ist. Dazu habe ich mir folgendes überlegt: ich habe in meinem Alltag eine Reihe von Sitationen, in denen ich mich meistens unwohl fühle und etwas angespannt bin. Meistens tue ich etwas dagegen. Feinste Ausrichtung des Körpers dazu missbraucht, ein Symptom mit “gutem Gebrauch” zu überdecken ;-)

Das werde ich bleiben lassen und stattdessen erforschen,

  • welche Symptome genau ich wahrnehme
  • wie genau ich diese Situationen sehe, was meine Intentionen sind usw.

Dann werde ich die Sichtweisen hinterfragen um herauszufinden, ob darin irgend etwas ist, was meinen Körper veranlassen könnte aus dem Zustand von Gleichgewicht und Ganzheit herauszukommen und somit diese Symptome zu produzieren. Diese Punkte werde ich dann mit bestimmten Selbstcoachingtechniken verändern und dann…

…dann werde ich gar nichts tun! Und nach ein paar Tagen oder Wochen nachschauen, ob die Symptome weg sind oder weniger sind oder ob eigentlich alles beim alten geblieben ist.

Falls die Symptome weniger sind wäre das für mich ein hinreichender Beweis, dass mein System sich von selbst in diesen Situationen spitzenmässig koordinieren kann, wenn ich meine Einstellung verändere.

Falls die Symptome nicht weniger sind, gibt es drei Möglichkeiten:

  • ich habe nicht die Ursache gefunden die das Problem verursacht, sondern habe an irgendwelchen Nebensächlichkeiten gearbeitet
  • ich habe zwar die Ursache gefunden, sie aber nicht wirklich beseitigt
  • Alternative zwei ist wahr und der menschliche Organismus braucht noch ein paar hunderttausend Jahre Evolution ;-)

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So jetzt werde ich mich noch ein Stündchen in die traumhafte Natur hier um die Ecke begeben und über die vielen Fragen nachdenken, die der Workshop aufgeworfen hat.

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