Mut zum Lampenfieber
Heute möchte ich Ihnen in meiner Lampenfieber-Serie ein Buch vorstellen. Der bekannte Cellist und Pädagoge Prof. Gerhard Mantel hat ein saugutes Buch zum Thema Lampenfieber geschrieben. Das beste daran: es enthält keine dieser dämlichen Tricks, die nicht funktionieren. Es wird auch nicht versprochen, dass man nach der Lektüre des Buches nie wieder Lampenfieber haben wird.
Ganz im Gegenteil. Der Titel des Buches lautet nicht umsonst:
Mut zum Lampenfieber – Mentale Strategien für Musiker zur Bewältigung von Auftritts- und Prüfungsangst
.
Das 240 Seiten umfassende Werk ist in vier Teile gegliedert.
- Das Phänomen Lampenfieber
- Die langfristige Vorbereitung des Auftritts
- Vor dem Konzert
- Das Konzert
Das Buch ist voll von nützlichen Informationen und kommt ohne leeres Gelaber aus.
Systematisch werden von Mantel Sichtweisen in Frage gestellt. Ein Beispiel gefällig?
Eine Quelle des Lampenfiebers ist z.B. die Vorstellung, dass es eine feindliche Front zwischen Künstler und Publikum gibt, wobei dem Publikum die Rolle des (gnadenlos) “objektiven” Beurteilers zugewiesen wird. S.40
Diese Denkweise nimmt Mantel gründlich auseinander und entwirft das dienlichere (und auch realistischere) Modell eines Kommunikationsverhältnisses zwischen Künstler und Publikum. Die ganze Zeit über geht Mantel sehr einfühlsam vor, was ein weiteres Plus ist.
Mein Fazit: das beste Buch zum Thema Lampenfieber, das ich bisher gelesen habe!
Lampenfieber kann für mich zwei Wirkungen haben. Zum einen die positive: Es sorgt dafür, dass ich mich gründlich vorbereite, dass ich meine volle Konzentration beispielsweise auf meinen Vortrag lenke.
Negativ ist Lampenfieber dann, wenn es mich stark hemmt. Beispielsweise als Musiker. Wenn ich als ansonsten talentierter Trompeter unter starken Lampenfieber leide, dass ich dadurch zittrige Hände bekomme und keinen schönen Ton mehr spielen kann. Dann kann ich noch so talentiert sein, werde es wohl nie zum Solo-Trompeter schaffen.
Was auch immer der Grund für Lampenfieber ist. So lange es sich im “erträglichen” Rahmen abspielt, ist es sicher nicht negativ zu bewerten.
Hallo Burkard,
danke für deinen Kommentar.
Ich sehe das ganz anderes:
1. Wenn ich Lampenfieber brauche, um dafür motiviert zu sein mich gründlich vorzubereiten, dann sollte ich mir ein anderes Hobby/Beruf suchen! Denn dann gibt es offensichtlich nichts mehr, was mich an der Sache an sich reizt…
2. Solange ich mein Lampenfieber als “erträglich” ansehe, ist es definitiv negativ!!! Denn wie das Wort er-träg-lich schon sagt, muss ich da eine zusätzlich Last “tragen”.
Lampenfieber ist erst dann positiv, wenn ich es eigentlich gar nicht mehr Lampenfieber nennen will, sondern von “Begeisterung” o.ä. spreche.
Viele Grüsse, Daniel