Die Welt als Spiegel
Als ich damit begann, Kindern das Trompetespielen beizubringen machte ich gelegentlich eine interessante Beobachtung. Kinder reagieren sehr schnell und feinfühlig auf ihre Lehrer. Wenn ich also schlecht gelaunt unterrichten ging, waren an diesem Tag “aus irgendwelchen Gründen” fast alle Kinder mies drauf. Na das fehlte mir gerade noch! Als ob die sich gegen mich verschworen hätten. Nun ja, es dämmerte schon überdeutlich, dass ich der Verursacher dieser Verschwörung war…
Einige Jahre später dann hörte ich Cathy Madden in einem Workshop zum Thema “Gruppenunterricht” folgendes sagen:
“Who is the most important person in this room? -I am, of course.”
Zunächst fand ich das etwas merkwürdig bis arrogant, war ich doch der Ansicht, dass ein Lehrer für die Schüler da zu sein habe und somit die Schüler die wichtigsten Personen seien. Allerdings wurde schnell klar worum es ging:
- je besser ein Lehrer mit sich selbst umgeht, desto besser kann er auf die Schüler eingehen
- je besser es dem Lehrer geht, desto besser geht es den Schülern, desto leichter lernen sie
- je besser es dem Lehrer geht, desto inspirierender wird der Unterricht sein
- wenn ich also das Beste für meine Schüler will, muss ich zuerst dafür sorgen, dass ich in Topform bin
Auch das Gegenteil ist wahr: wenn ein Lehrer genervt oder gelangweilt ist, wird er entsprechende Schüler vorfinden. Das gilt natürlich nicht nur für Lehrer sondern auch für alle anderen Berufe/Situationen. Manchmal scheint es sogar, dass der Computer auf meine Launen reagiert und dann diverse kleinere Aussetzer zu haben scheint
Und jetzt habe ich in Rüdiger Dahlkes neuen Buch “Die Schicksalsgesetze” gelesen, dass die Welt ein Spiegel meines Inneren ist. Das ist an sich keine neue Erkenntnis, sowas liest man in vielen Ratgeberbüchern usw.
Wie er den Gedanken weiterführt ist allerdings sehr interessant. Er schreibt:
“Probleme entstehen, sobald wir den Spiegelcharakter der Welt verkennen und sie für objektiv und unabhängig von uns halten. [...] Wer morgens in den Spiegel schaut, würde allerdings kaum versuchen, sein griesgrämiges Gesicht im Ebenbild zu verschönern oder Mitesser dort auszudrücken. Kaum aber haben wir das Bad verlassen beginnen die Spiegelfechtereien.”
Geniale Metapher
