Alexander-Technik
Normalerweise wird Vererbung als der Faktor genannt, der unsere Möglichkeiten bestimmt und Umwelt als der Faktor, der das Ausmaß bestimmt, in dem wir sie verwirklichen. Im Modell der Alexander-Technik gibt es noch einen dritten Faktor, und die Alexander-Technik hilft ihnen diesen Faktor für Sie statt gegen Sie arbeiten zu lassen. Wollen Sie diesen Faktor kennen- und nutzen lernen? Wollen Sie ihr Potenzial voll ausschöpfen?
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Was ist Alexander-Technik?
Die Alexander-Technik untersucht die Beziehung zwischen Denken und Handeln. Sie geht der Frage nach, wie wir unser Denken disziplinieren können, damit sich die Vorteile der natürlichen Gegebenheiten unseres Organismus’ mit Hilfe bestimmter Prinzipien voll entfalten können.
Alexander-Technik wird unterrichtet und bedingt somit die aktive Teilnahme seitens des Schülers. Sie ist also keine Therapie, sondern eine Lernmethode. Die Vorgehensweise ist in ihren Grundzügen genau wie die wissenschaftlichen Methode:
- Aktivität ausführen
- Beobachten / Informationen sammeln
- einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
- eine Wahl treffen
- Aktivität auf neue Weise ausführen
Diese in der Theorie einfache Vorgehensweise ist der Schlüssel zu einer spannenden Entdeckungsreise tief in ihr Innerstes. Sie werden auf dieser Reise mit ihren tiefsten und hartnäckigsten Gewohnheiten und Glaubenssätzen konfrontiert werden, diese verändern können und werden so mehr und mehr zu dem Menschen, der Sie wirklich sind.
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Ich möchte Ihnen zunächst erzählen, nach welchen Prinzipien wir in der Alexander-Technik vorgehen, um das Ziel, die Entfaltung ihres Potentials, zu erreichen.
Was bedeutet das eigentlich, “ihr Potential entfalten”? Zur Verdeutlichung möchte ich ihnen kurz ein Modell vorstellen, dass ich bei Vera F. Birkenbihl gefunden habe:

Wir alle sind mit einem Potential “P” auf die Welt gekommen und hätten eigentlich zu einem “homo sapiens” werden können, wäre da nicht etwas dazwischen gekommen, was wir “Erziehung” nennen. Diese Erziehung hat uns “normal”=durchschnittlich gemacht. Das ist aus gutem Grund geschehen, denn ohne gesellschaftliche Spielregeln, kann das Zusammenleben nicht gut funktionieren.
Mit Hilfe der Alexander-Technik können Sie daran arbeiten, sich wieder zu entfalten um schließlich zu dem Menschen werden, der Sie sein könnten…
Prinzip 1: Ganzheitlichkeit
Ist Lesen ein rein geistiger Vorgang?
- Ja
- Nein
Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mit ein paar leicht nachvollziehbaren Gedanken aus den Bereichen Physik, Philosophie und Spiritualität beginnen. Sind sie einverstanden?
F.M.Alexander, der Begründer der Alexander-Technik hat behauptet, dass der Mensch ein Organismus ist, in dem alle geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse untrennbar miteinander verbunden sind. Wir sind ganzheitlich! Jede noch so kleine Veränderung eines Teils verändert das Gesamtsystem. Diese Behauptung wird durch aktuelle neurobiologische Forschungsergebnisse bestätigt
Warum wird dann überhaupt zwischen Körper und Geist unterschieden? Nun, wir haben gelernt die Welt so wahrzunehmen. Dazu ein Zitat von Carlos Castaneda:
“Jeder, der mit einem Kind in Kontakt kommt…, erklärt die Welt unaufhörlich, bis zu jenem Augenblick, da das Kind die Welt so wahrnehmen kann, wie sie ihm erklärt wurde… Von [nun] an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung der Welt und es erreicht… die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, all seine Wahrnehmungen so zu deuten, dass sie mit diesen Beschreibungen übereinstimmen und sie dadurch bestätigen.”
Körper und Geist zu trennen ist zum Zweck der Analyse sehr hilfreich. Um die Welt beschreiben zu können, müssen wir vereinfachte Modelle von ihr entwickeln. Finden Sie es auch so spannend wie ich, dass die Trennung von Körper und Geist in unserer Sprache so fest verankert ist, dass ich keine andere Möglichkeit habe als zu sagen: “Es gibt Körper und Geist (=Trennung) und die gehören übrigens zusammen.” Spannend, nicht wahr?
Zurück zur Eingangsfrage: “Lesen” ist also weder ein “rein geistiger” noch ein “rein körperlicher” Vorgang, genausowenig wie Sprechen, Tanzen, Klavier spielen, Emails schreiben, Fernseh schauen usw. Es ist IMMER der ganze Organismus, der als Einheit arbeitet.
- Wenn Sie dem widersprechen wollen, dann schreiben Sie einen Kommentar! Ich freue mich immer über fruchtbare Diskussionen.
- Wenn sie es nicht nur theoretisch verstehen wollen, sondern lernen wollen, wie sie die Alexander-Technik im täglichen Leben nutzen können, dann vereinbaren Sie eine Einzelstunde bei einem gutem Alexander-Technik-Lehrer!
Prinzip 2: Gebrauch – Funktion
In der Alexander-Technik unterscheiden wir zwischen Gebrauch und Funktion.
Ich habe einen kleinen Schraubenzieher, mit dem ich hin und wieder die Schrauben meiner Brille festziehe. Stellen Sie sich vor, ich würde ihn verwenden um ein Regal zusammenzubauen. Das kennt man ja, oder? Die Dinger passen nie so richtig zusammen und alles klemmt irgendwie. Mit meinem kleinen Schraubenzieher wäre das nicht nur unglaublich ineffektiv bzw. unmöglich, sondern wahrscheinlich würde ich den Schraubenzieher – und das Regal – auch noch kaputt machen.
Andererseits habe ich viele Möglichkeiten, wie ich die Schrauben meiner Brille festziehen kann. Ich kann das mit einem Kraftakt wie beim Bodybuilding tun, oder ich kann ganz fein arbeiten.
Daraus folgt, dass es sinnvoll ist
- den Verwendungszweck zu beachten und
- die Art der Verwendung passend zu wählen, wenn das Werkzeug optimal und auch langfristig funktionieren soll.
Genau diesen Zusammenhang zwischen Gebrauch und Funktion beachtet die Alexander-Technik.
Also wenn ich es für das Falsche gebrauche funktioniert es nicht gut und
wenn ich es falsch gebrauche funktioniert es auch nicht gut. Alles klar? ![]()
Ein klassisches Beispiel hierfür, in Bezug auf den Körpergebrauch, ist das Aufheben eines Gegenstandes vom Boden:
Es gibt viele verschiedene Arten, einen Gegenstand aufzuheben. Die Art die der Körperkonstruktion entspricht geht so: Hüft-, Knie- und Fußgelenke beugen um so nach unten und wieder zurück zu kommen. Das war’s. Diese Art die Beine zu gebrauchen ist die effektivste Art und deswegen funktioniert sie am besten. Wenn ich unten bin kann ich die kräftigen Beinmuskeln verwenden um etwas schweres aufzuheben, anstatt die verhältnismäßig feinen Rückenstrecker zu bemühen und einen Bandscheibenvorfall vorzuprogrammieren.
Diesen Teil der Aktivität „Gegenstand aufheben“ nenne ich den spezifischen Gebrauch in einer Tätigkeit.
Dem voran geht der allgemeine Gebrauch des Selbst. Was das ist?
Das ist das Spezialgebiet der Alexander-Technik.
Die Fragestellung lautet:
Wie ist meine allgemeine Koordination, und wie kann ich die bestmögliche finden?
Die Vorgehensweise in der Alexander-Technik ist es, die optimale Relation zwischen Kopf und Körper zu initiieren, damit das ganze System sich optimal koordinieren kann – genannt primary control. Das beinhaltet also Denken und Bewegung, ist also ganzheitlich. Eine so optimierte allgemeine Koordination hat einen positiven Einfluss auf alle anderen spezifischen Tätigkeiten.
Prinzip 3: Primary Control
Die Alexander-Technik liefert uns ein geniales Modell zur Steuerung unseres Gebrauchs:
die sog. „primary control“ – zu deutsch “primäre Steuerung”
Das Modell behauptet folgendes:
Die Balance des Kopfes im beweglichen Verhältnis zum Körper,
ist der Schlüssel zu Freiheit und Leichtigkeit jeder Bewegung.
“Interessant” finden Sie? Wollen Sie wissen, wozu das Modell nützlich sein soll? “Wieso gerade DIESES Modell? Lesen Sie weiter….
Wie schwer ist ihr Kopf? Was schätzen Sie?
- 2-5 kg
- 5-7 kg
- 7-10 kg
Wir können unseren Kopf, die oberste Masse so balancieren, dass
ENTWEDER die Gesamt-Koordination verbessert wird
ODER die Gesamt-Koordination schlechter wird.
Ihr Kopf wiegt fünf bis sieben Kilo!!! Nehmen sie mal einen fünf Kilo schweren Stein in die Hand und spüren Sie sein Gewicht. Können Sie spüren, welche enormen Kräfte da wirken, wenn sie fünf Kilo längere Zeit “halten” müssen?
Wenn Sie aufhören zu Halten indem Sie ihre großen Halsmuskeln loslassen, damit die automatischen Balancemechanismen des Kopfes ungestört arbeiten können, kann sich der ganze Restliche Körper untendrunter ebenfalls gut balancieren, weil das Fallen der obersten Masse “Kopf” durch die Knochen in den Boden geleitet werden kann. Notlösungen wie verspannte Muskeln, krummer Rücken, Hohlkreuz etc. sind dann schlicht nicht mehr nötig.
Wir wollen also (wieder) lernen die Balance unseres Kopfes in einer Weise zuzulassen, die die beste Koordination des gesamten Körpers hervorbringt.
Wir benutzen DIESES Modell, weil es biomechanisch logisch ist, weil es genial einfach ist und weil wir damit jederzeit unseren Gesamtzustand zuverlässig einschätzen lernen können.
Die praktische Umsetzung braucht allerdings etwas Zeit und professionelle Anleitung.
Wenn Sie möchten, können Sie gleich jetzt ausprobieren, wie es ihnen geht, wenn sie beim lesen dieses Textes ihren Hals so fest wie möglich anspannen, um dann wieder ganz loszulassen. Vergleichen Sie beide Zustände. Welcher ist angenehmer?
Prinzip 4: Indirektes Vorgehen – Prinzip 5: Ziele-Mittel
Frank Pierce Jones gibt in seinem Buch Freedom to Change: Development and Science of the Alexander Technique das folgende Beispiel der Affenfalle:
In einer Flasche ist eine Nuss, die der Affe haben will. Er greift hinein, nimmt die Nuss und … steckt fest. Er will (und kann) die Nuss nicht wieder loslassen und ist somit gefangen, weil seine Hand zusammen mit der Nuss nicht mehr durch den Flaschenhals passt.
Aufgabe: Welche anderen Möglichkeiten hätte der Affe gehabt? Bitte machen Sie eine Liste (jetzt).
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Haben Sie eine oder mehrere Lösungen gefunden? War ja nicht wirklich schwer, oder?
Was aber ist der Unterschied zwischen Ihrer Vorgehensweise und der Vorgehensweise des Affen? Sie haben, im Gegensatz zum Affen, ein indirektes Vorgehen gewählt. Das bedeutet, dass Sie die Situation analysiert haben, ihr Ziel definiert und dann ihre Intelligenz und Kreativität benutzt haben, um die bestmöglichen Mittel zufinden, wodurch Sie ihr Ziel erreichen können.
Eine indirekte Vorgehensweise hat gegenüber der direkten folgende Vorteile:
- Sie können aufgrund der Simulation in ihrem Kopf die Wirkungen ihres Handelns abschätzen.
- Ihnen ist bewusst was Sie warum, wie tun. Deshalb werden Sie erfolgreich sein.
- Die Klarheit in Ihrem Denken wird in eine klare, zielgerichtete Handlung münden.
- Sie können ihr Vorhaben deshalb wirkungsvoll in die Tat umsetzen.
- Sie haben eine größere Kontrolle, da Sie sich der Mittel bewusst sind.
- Sie haben – im Gegensatz zum automatischen, direkten Vorgehen – eine Wahlmöglichkeit.
- Die indirekte Vorgehensweise zeitsparender und effektiver.
Prinzip 6: Wahlfreiheit – Prinzip 7: Reiz-Reaktion
Eine wichtige Grundlage in der Alexander-Technik ist das sogenannte pro-aktive Denken.
re-aktiv: Reiz → Reaktion (automatisch)
pro-aktiv: Reiz → bewusste Wahl → Reaktion (bewusst gewählt)
Im Unterricht trainieren Sie die Fähigkeit jederzeit innezuhalten um bewusst zu wählen; um Entscheidungen zu treffen. Genau diese Fähigkeit ist das Fundament, auf dem Sie ein bewusst geführtes Leben aufbauen können. Und ich bin mir sicher, das ist genau das, was auch Sie wollen, sonst hätten Sie nicht bis hier gelesen. Na, habe ich recht?
Indem wir indirekt vorgehen, d.h. uns mit den Mitteln beschäftigen die uns zum Ziel führen, werden wir uns der Vielzahl der Möglichkeiten bewusst und können wählen:
- Eine Möglichkeit bedeutet gar keine Wahl;
- zwei Möglichkeiten nennt man ein Dilemma;
- erst ab drei Möglichkeiten haben wir eine echte Wahl.
Es gilt die Regel:
Die Flexibilität steigt proportional zur Anzahl der Möglichkeiten.
Haben Sie das kapiert? Wenn Sie kein Bewusstsein darüber haben, dass Sie immer wählen können UND auch tatsächlich immer wählen, dann sind Sie geistig und körperlich unflexibel. Sie sind festgelegt, zielfixiert! Auf körperlicher Ebene bedeutet das “Muskeln anspannen”.
Wenn Sie sich also mit dem Thema “Wahlfreiheit” beschäftigen, werden sie irgendwann spüren können, dass ein automatisches Vorgehen ein Zusammenziehen des Körpers bewirkt. D.h. Sie können einen guten Körpergebrauch nur dann haben, wenn Sie geistig offen sind und umgekehrt können Sie auch an Ihrem Körpergebrauch erkennen, ob Sie geistig offen sind für die Möglichkeiten, die Ihnen das Leben bietet. Ist das nicht praktisch?
Jetzt wo Sie von diesen Zusammenhang vielleicht zum ersten Mal gehört haben, können Sie diese Erkenntnis sofort nutzen und zwischen den Ebenen hin und herspringen, bis sie merken, dass es keinen Unterschied gibt. Ab diesem Punkt wird “Ganzheitlichkeit” nicht mehr nur Theorie mehr sein, sondern Ihre persönliche Wahrheit.
Prinzip 8: Sinneswahrnehmung
Ich behaupte, dass schlechte Gewohnheiten vor allem deswegen so schwer zu verändern sind, weil sie sich gut anfühlen, obwohl sie uns eigentlich im Weg stehen oder sogar Schaden.
Stimmen Sie dem zu?
- Ja
- Nein
Normalerweise gehen Menschen gewohnheitsmäßig auf eine bestimmte Art mit sich und ihrem Körper um. Gehören Sie auch dazu? Das würde mich nicht überraschen, denn ich kennen nicht viele Menschen, die in ihrem Alltag bei sich bleiben und bewusst Einfluss nehmen können. Die meisten sind zerstreut und mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihrer Arbeit, einem Gespräch oder sonstwo – aber nicht bei sich selbst.
Wenn diese Art mit sich umzugehen, was ich in Prinzip 2 als “Gebrauch” bezeichnet habe, gut ist, dann entstehen keine Probleme. Wenn man jedoch ein bischen in Krankheits-Statistiken liest, stellt man fest, dass über 90% der Menschen häufig Rückenschmerzen haben. Daraus schliesse ich, dass sie auch einen schlechten Gebrauch haben, und die Rückenschmerzen ein Symptom davon sind (ausser in den paar Prozent, in denen irgendwelchen anatomischen Probleme vorliegen)
Kurz gesagt: Wenn Sie mit sich schlecht umgehen, tut ihnen früher oder später der Rücken weh.
Was aber machen alle? Übungen. Stimmt doch, oder? Da werden Rückenmuskeln in Kraft und Ausdauer trainiert, es wird Beweglichkeit trainiert, Muskeln gedehnt usw.
Jetzt habe ich dazu eine Frage: Wenn es stimmt, dass der gewohnheitsmäßig schlechte Gebrauch, die Ursache für Rückenschmerzen ist, wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet dann, wenn Sie ihre Übungen machen, sie einen guten Gebrauch haben? Glauben Sie, dass Sie plötzlich besser mit sich umgehen, nur weil ihre Muskeln gut trainiert sind? Ich glaube das nicht.
Jeder versucht es richtig zu machen,
aber niemand hält inne, um zu überdenken,
ob die Vorstellung von “richtig” auch richtig ist.
(F.M.Alexander)
Auch Sie wollen ihre Übungen “richtig” machen. Wenn Sie aber etwas NEUES machen, dann kennen Sie das dazugehörige Gefühl nicht. Es fühlt sich wahrscheinlich irgendwie fremd oder sogar unangenehm und falsch an. Aber NIEMAND tut etwas, dass sich falsch anfühlt, wenn er etwas richtig machen will! Das leuchtet doch ein, oder?
You can’t do something you don’t know,
if you keep on doing what you do know.
(F.M.Alexander)
Alles klar? Ein guter Gebrauch bedeutet für Sie etwas NEUES. Sie bewerten ihren Gebrauch aber mit ihrem alten Gefühl. Dieses Gefühl aber hat sie bereits betrogen, sonst hätten Sie ja einen guten Gebrauch (und von den Menschen, die ich auf der Straße sehe, haben vielleich 0,1% einen guten Gebrauch). Sie brauchen einen neuen Maßstab, eine neue Referenz.
Darum geht es. Im Alexanderunterricht lernen Sie, ihren Verstand zu benutzen. Gefühl ist eine unglaublich wertvolle Sache, dann, und nur dann, wenn sie sich auch darauf verlassen können. Bis es soweit ist möchte ich ihnen noch den folgenden Satz zumuten, den F.M.Alexander mal einem seiner Schüler an den Kopf geknallt haben soll:
Du triffst keine Entscheidungen,
sondern du tust das, was sich für dich richtig anfühlt.
Nochmal: Sie können keine wirklichen Veränderungen erreichen, solange Sie sich allein auf ihr Gefühl verlassen!
Prinzip 9: Innehalten
Eines der wichtigsten Prinzipien nach denen wir im AT-Unterricht vorgehen heisst “Inhibition”. Wollen Sie wissen, was sich dahinter verbirgt? Also:
F.M.Alexander beschrieb es in seinem dritten Buch “The Use of the self” so:
“I had to make the experience of receiving a stimulus and refusing to do anything immediately in response.”
Was bedeutet das? Schauen wir uns zunächst folgendes Modell von Veränderung an:
- Denken
- Bewegung
- Veränderung
- Eindrücke/Einsichten
Also: das Gehirn sendet Signale an die Muskulatur und diese werden in Bewegung umgesetzt. Denken kommt also zeitlich VOR Bewegung. Bewegung bedeutet immer Veränderung. Daraus ergeben sich dann Feedback (Sinneseindrücke, Gefühle, usw) und Einsichten, Erkenntnisse.
Sie werden mir sicher zustimmen, dass es sinnvoll ist am ersten Glied der Kette anzusetzen um Veränderungen zu bewirken: dem Denken.
Erinnern Sie sich noch an die Vorgehensweise der Alexander-Technik? Damit Sie nicht zum Anfang scrollen müssen schreibe ich Sie nochmal hin:
- Aktivität ausführen
- Beobachten / Informationen sammeln
- einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
- eine Wahl treffen
- Aktivität auf neue Weise ausführen
Nun dieser Plan ist in der Theorie ganz logisch. Wenn Sie versuchen ihn in die Praxis umzusetzen, werden Sie in den meisten Fällen scheitern, weil die Gewohnheit stärker ist. Um dem Herr zu werden müssen Sie die Art ihres “Denkens” verändern. Hier hilft die mentale Disziplin um die es in diesem Abschnitt geht: Inhibition.
In dem Moment, wo Sie sich entschieden haben die Aktivität auf die neue Weise auszuführen, bauen Sie eine Unterbrechung ein. (vgl. pro-aktives Denken: Reiz → bewusste Wahl → Reaktion)
Die Entscheidung etwas zu tun (egal was es ist) bringt nämlich garantiert ihre gewohnte Art der Selbststeuerung hervor. Deswegen müssen Sie an dieser Stelle die Erfahrung machen einen Stimulus zu erhalten und sich weigern unmittelbar darauf zu reagieren. Um diese Erfahrung zu machen gibt es nichts was sie dafür tun können, im Gegenteil, das ist das berühmte “nicht tun”…
Mit diesem Unterbrecher läuft der Trigger, der normalerweise die gewohnte Art der Selbststeuerung hervorbringen würde, ins Leere und es entsteht Raum für eine neue Erfahrung. Wenn ihnen das gelingt, dann entsteht Spontanität, weil sie etwas wirklich NEUES tun können. Sie sind aus ihrer Gewohnheit ausgebrochen. Sie sind frei.
Es läuft alles darauf hinaus, eine besondere Reaktion auf einen gegebenen Reiz zu verhindern. [...] Es geht darum, dass der Schüler entscheidet, welchem tun er zustimmen, oder nicht zustimmen will.
(F.M.Alexander)
Zum Abschluss dieser Einführung in die Alexander-Technik möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass die Anwendung in der Praxis etwas ganz anderes ist, als nur darüber zu lesen. Der geniale Mathematiker Alfred Korzypsky hat gesagt: The map is not the territory. Klar, denn das lesen der Speisekarte ist schon was anderes, als das Essen dann später… Das ist wie mit dem verliebt sein, dass kann man nicht erklären, dass muss man selbst erleben. Oder versuchen Sie mal jemandem zu erklären, wie Fahrradfahren funktioniert. Der muss selbst fahren(!), um wirklich zu verstehen, um was es geht.

Stimmt, die Praxis fuehlt sich ganz anders an. Ich habe seit 6 Jahren Alexander Technik Uebungen gemacht, Yoga mit AT gemacht und lese erst seit ungefaehr zwei Jahren darueber (und finde es faszinierend!), seitdem ich selbst Yoga mit AT unterrichte mehr darueber.