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Bewertung
Heike Thormann hat auf in ihrem neuen blog einen Artikel mit dem Titel “Ich nehm das jetzt persönlich…” geschrieben. Darin eine Liste mit möglichen Gründen, warum jemand etwas persönlich nimmt, was doch eigentlich sachlich gemeint war. Zum letzten Punkt “Menschenbild” möchte ich hier ein paar Anmerkungen machen.
Thormann schreibt:
“Und haben Sie bedacht, dass manchmal auch Ihr Menschenbild mit bestimmt, ob Sie etwas persönlich nehmen? Das heißt, wenn Sie zum Beispiel ein eher negatives Menschenbild haben, werden Sie den anderen eher verdächtigen, Ihnen Übles zu wollen, als bei einem neutralen oder positiven Menschenbild.”
Ich litt ja viele Jahre lang unter heftigem Lampenfieber und eine entscheidende Wendung war, dass ich erkannte, dass es darum geht, dass ich bewertet werde. Damit stehe ich nicht alleine, denn bei vielen Studien wird “Angst vor Bewertung” als Hauptursache für Lampenfieber genannt.
Dann wurde mir mal die Frage gestellt: “Bewertest du eigentlich auch andere?”
Wow, das hat getroffen.
Damals ist mir klar geworden, dass ich als Zuhörer wirklich gnadenlos kritisch war. Die kleinste Unstimmigkeit und schon fand ich die ganze Aufführung so richtig schlecht. Als mir das klar geworden ist war somit auch der Weg vorgezeichnet, den ich zu gehen hätte, wollte ich meine eigene Auftrittsangst loswerden.
Denn nach meiner inneren Logik war es selbstverständlich, dass jeder einzelne meiner Zuhörer genau so kritisch sein musste wie ich. Es hat JAHRE gedauert, bis ich es geschafft habe, ein Konzert zu hören ohne zu bewerten und mich einfach mit der Musik mitgehen zu lassen. Hat es geholfen mein Lampenfieber loszuwerden? JA KLAR!
Nach meiner Beobachtung entstehen viele viele Probleme einfach aus einer groben Fehleinschätzung der Situation. Wenn ich glaube, dass da ein feindliches Publikum sitzt, wird mein Körper, wird mein ganzes Selbst darauf reagieren und entsprechende Symptome produzieren. Diesen Gedanken kann ich nutzen um in praktisch jedem Symptom eine Botschaft zu entdecken, dass da z.B. etwas mit meiner Einschätzung der Situation nicht ganz ok ist und das dann gezielt hinterfragen und so zu anderen Ergebnissen zu kommen.
Körper und Sprache
Ich habe einen spannenden Vortrag von Dr. Rüdiger Dahlke entdeckt mit dem Titel “Krankheit als Sprache der Seele”. In diesem zeigt Dahlke Zusammenhänge zwischen unserer Sprache und unserem Körper auf. Uns ist oft gar nicht bewusst wie “körperlich” unsere Sprache eigentlich ist. Wer denkt denn z.B. bei dem Wort hartnäckig an einen harten (verspannten) Nacken??
Fazit: sehr aufschlussreich. Unbedingt ansehen.
Hier ist schon mal Teil eins: Diesen Beitrag weiterlesen »
Mut zum Lampenfieber
Heute möchte ich Ihnen in meiner Lampenfieber-Serie ein Buch vorstellen. Der bekannte Cellist und Pädagoge Prof. Gerhard Mantel hat ein saugutes Buch zum Thema Lampenfieber geschrieben. Das beste daran: es enthält keine dieser dämlichen Tricks, die nicht funktionieren. Es wird auch nicht versprochen, dass man nach der Lektüre des Buches nie wieder Lampenfieber haben wird.
Ganz im Gegenteil. Der Titel des Buches lautet nicht umsonst:
Mut zum Lampenfieber – Mentale Strategien für Musiker zur Bewältigung von Auftritts- und Prüfungsangst
.
Das 240 Seiten umfassende Werk ist in vier Teile gegliedert.
- Das Phänomen Lampenfieber
- Die langfristige Vorbereitung des Auftritts
- Vor dem Konzert
- Das Konzert
Das Buch ist voll von nützlichen Informationen und kommt ohne leeres Gelaber aus.
Systematisch werden von Mantel Sichtweisen in Frage gestellt. Ein Beispiel gefällig?
Eine Quelle des Lampenfiebers ist z.B. die Vorstellung, dass es eine feindliche Front zwischen Künstler und Publikum gibt, wobei dem Publikum die Rolle des (gnadenlos) “objektiven” Beurteilers zugewiesen wird. S.40
Diese Denkweise nimmt Mantel gründlich auseinander und entwirft das dienlichere (und auch realistischere) Modell eines Kommunikationsverhältnisses zwischen Künstler und Publikum. Die ganze Zeit über geht Mantel sehr einfühlsam vor, was ein weiteres Plus ist.
Mein Fazit: das beste Buch zum Thema Lampenfieber, das ich bisher gelesen habe!
Wollen Sie mehr gute Gefühle?
Die Therapeuten Hans-Peter Zimmermann und Peter Kleylein unterhalten sich in diesem Video über das Thema “gute Gefühle”. Besonders spannend fand ich Kleyleins Pendel-Metapher:
Ein Pendel schlägt ja bekanntlich in zwei Richtungen aus. Nehmen wir an auf der einen Seite sind positive Gefühle und auf der anderen negative Gefühle. Wenn ich jetzt immer die negativen ausblende, dann wird auch der Auschlag auf der positiven Seite nur mickrig sein. Blöd, gell? Hier ist erst mal das Video: Diesen Beitrag weiterlesen »
Alexander-Technik für Sänger – Interview mit Daniel Süsstrunk
Daniel Süsstrunk ist Leiter des Alexander-Technik-Instituts in München. Er widmet sich ausserdem seit vielen Jahren intensiv der Kunst des Belcanto-Gesangs. Da ich ihn während meiner Ausbildung in Freiburg als phantastischen Alexander- und Gesangslehrer kennengelernt habe, und ich ausserdem die Kombination aus beidem sehr spannend finde, habe ich mit Ihm ein online-Interview geführt. Darin geht er auf einige Grundlagen für Sänger ein und hat ausserdem eine lange Liste mit Hörbeispielen auf youtube beigesteuert…
Bitte stellt dich meinen Lesern kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?
Ich wurde vor 50 Jahren in der Schweiz geboren und bin bei Basel aufgewachsen. Meine große Liebe gehört seit ich denken kann der klassischen Musik. So begann ich mit dem Violinstudium, in der Absicht, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen. Doch eine schwere Krankheit, die in früher Jugend auftrat, stellte sich in den Weg und lenkte mich in eine andere Richtung. Durch eine glückliche Begegnung lernte ich die Alexander-Technik kennen und meiner inneren Stimme folgend stürzte ich mich 1979 begeistert in die dreijährige Ausbildung in London. Nachdem sich mein Gesundheitszustand erheblich gebessert hatte, konnte ich das unterbrochene Musikstudium in Deutschland fortsetzen. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich nebenbei mit dem Unterrichten der Alexander-Technik. Das war eine spannende Zeit, da die Methode in Europa praktisch unbekannt war und ich einer der ersten anerkannten Lehrer Deutschlands war.
Seit 1986 lebe und arbeite ich in München. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag stets in der Verbindung von AT mit dem Musizieren. Ich fing an regelmäßig Gesangsstunden zu nehmen, ohne eine bestimmte Absicht zu verfolgen. Während 14 Jahren habe ich auch eine Ausbildung für AT Lehrer geleitet.
1995 lernte ich meinen Lehrer und Freund Johannes Romuald aus Wien kennen, der mir über all die Jahre die alte Tradition des Bel Canto, wie sie in Mailand gelehrt wurde, beibrachte. Seit vier Jahren gebe ich dieses Wissen an professionelle Sänger und an Bläser weiter.
Was ist “Belcanto”-Gesang und was fasziniert dich daran?
Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich in diesem Rahmen und überhaupt nur andeutungsweise beantworten kann.
Der Begriff Belcanto deutet auf jenen schönen Gesang hin, bei dem das Gewicht auf vollkommener Tongebung, Klangschönheit und Ausgeglichenheit der Stimme liegt. Dies sind aber nur die stimmlichen Mittel, um den stilistischen Anforderungen eines italienischen Gesangsstils gerecht zu werden. Meistens ist das frühe 19. Jahrhundert mit den Vertretern Rossini, Bellini und Donizetti damit gemeint. Die Ära des ursprünglichen Belcanto, welches der Epoche voraus ging, war die Zeit der Kastraten des 17. Und 18. Jhts. mit den Werken Vivaldis, Scarlattis und Händels. „Bei einem echten Belcantosänger geht es nicht nur um Geschmeidigkeit und Beweglichkeit, sondern es kommt ein Element von Phantasie dazu. Wenn man Fernando De Lucia hört, ist der erste Eindruck: wie poetisch. ……. Die Vorstellung des Sängers ist lebendig geworden, das sind nicht mehr nur Noten auf dem Papier.“ (John Steane)
In meiner täglichen Arbeit geht es in erster Linie um die Befreiung der Stimme und das Erlernen der grundlegenden Techniken des Belcanto Gesangs. Ich versuche sie im Folgenden zu beschreiben.
Eine ebenmäßige und freie Stimme zeichnet sich durch eine vollkommen ruhige Atemführung aus. Es sollte keine Luft (durch die Sprache) verloren gehen und der sparsame Verbrauch des Atems ermöglicht das Singen endlos langer Phrasen. Der Kehlkopf und die Stimme darf nicht unter Druck gesetzt und nach oben geschoben werden (also kein Stützen, wie es im deutschen genannt wird). Man lehnt die Stimme im Gegenteil an, d.h. lässt sie auf dem Atem schweben. Am Ende einer Phrase nimmt der Körper die verbrauchte Luft reflektorisch wieder ein, d.h. der gesamte Sing- oder Atemmechanismus bleibt bis zum Ende in derselben Spannung und beendet die Phrase durch ein Hineinschnellen der Luft.
Eine Qualität des ohne falschen Druck Singens ist die Flexibilität des Tones hörbar. Er hat einen klaren Beginn, also hat eine Art „Kopf“ und schwillt dann ab oder an (Messa di voce in der ursprünglichen Bedeutung). Er sollte schwebend klingen – was durch den gleichmäßig, sparsam ausströmenden Atem hervor gerufen wird – über ein großes Volumen (Vibration) verfügen und tragfähig sein. Das darf nicht mit Lautstärke verwechselt werden, denn diese Eigenschaft findet man auch in den leisesten Tönen. Belcanto singt man aus dem Piano heraus, aus dem feinen, dem eleganten, von dem es anschwillt ins volle und kräftige, um wieder zurück zu kehren ins zarte. Ein guter Sänger geht nur zeitweilig an seine obere Grenze, am Besten niemals ans Limit, um sich und der Stimme nicht zu schaden.
Bedingt durch den freien Atem und saubere Vokale, die von unten bis oben gleich bleiben, beginnt die Stimme am richtigen Platz zu „sitzen“. Sie entfaltet zunehmend ihre persönliche Klangfarbe und gewinnt an Geschmeidigkeit und Virtuosität. Die Fähigkeit mühelos von einer Note zur nächsten zu wechseln wird in Koloraturen, Trillern, Appoggiaturen und Verziehrungen trainiert.
Wer sich dafür interessiert, wie einige dieser Begriffe klingen, kann sich ein Gespräch mit Demonstrationen zwischen Sutherland, Pavarotti, Horn und Bonynge ansehen: How to sing Belcanto I and How to sing Belcanto II
Welche Sänger (bzw. CDs) kannst du als Hörbeispiele empfehlen um einen Eindruck davon zu bekommen?
Es gibt eine große Anzahl von Aufnahmen historischer Sänger, die auf CD wieder erhältlich sind und uns einen wenn auch eher blassen Einblick ihrer Kunst vermitteln. Dem ursprünglichen Belcanto (vor Caruso) kommen vielleicht Sänger wie Fernando De Lucia, Hermann Jadlowker und Leo Slezack am nächsten.
Die Tenöre John McCormack, Jussi Björling, George Thill, Iwan Koslowski, Léopold Simoneaux, Nicolai Gedda, und natürlich die Italiener Dino Borgioli, Tito Scipa, Giuseppe di Stefano, die Spanier Miguel Fleta und Antonio Cortis und der leider wenig bekannte Portugiese Tomaz Alcaide sind nur eine kleine Auswahl meiner Lieblingssänger.
Bei den Sopranen Selma Kurz, Toti dal Monte, Maria Galwany, Maria Ivogün, Rosa Ponselle, Claudia Muzio, Maria Caniglia, Maria Callas.
Ein deutscher Bariton, der in Mailand studierte und diese Schule in meisterlicher Weise wiedergibt ist Willi Domgraf-Fassbaender.
Bei den Sängern und Sängerinnen, die wir uns anhören und –sehen können habe ich einige gute links herausgesucht.
Rosa Ponselle
Habanera Carmen
Ernani (herrlicher sound)
Joan Sutherland
Violetta aus La Traviata 1962
Meyerbeer
Lied The Bohemian Girl
Beverly Sills
Violetta
Linda di Chamounix
Königin der Nacht
The Rose and the Nightingale
Leyla Gencer
Aida Verdi
Trovatore
Montserrat Caballé,
Casta Diva 1974
Mozart: Dove sono Hochzeit des Figaro
Bellini Il pirata 1966
Maria Callas
Vissi d’arte 1958
Casta diva Norma
Don Carlo 1959
Anna Moffo
I pagliacci – Ballatella
Juwelenarie Faust Gounod
Marilyn Horn
Carmen Bizet
Rossini
Cecilia Bartoli
Parto, parto Titus Mozart
Alleluja Mozart
La Cenerentola Rossini
Anne Sofie von Otter
Offenbach
Andreas Scholl
Rodelinda Händel
Ombra mai fu Händel
Giulio Cesare Händel
Alfredo Kraus
Herzog Rigoletto
La donna e mobile 1958
Pecheurs de perles 1970
Luciano Pavarotti
Ingemisco Requiem 1967
Ave Maria 1978
Nessun dorma NY 1980
Boheme Che gelida manina 1979 La Scala Carlos Kleiber
Rolando Villazon
Una furtiva lagrima, Wien
Lenski Eugen Onegin
Cesare Siepi
Don Carlo 1970
Don Giovanni Furtwängler
Tito Gobbi
Scarpia Tosca London
Rigoletto
Rigoletto 1949
Was ist DEINE Gesangsphilosophie?
In dem obigen Punkt habe ich versucht die technischen Belange des Singens zu beschreiben. Dies sind die Voraussetzungen um professionell zu singen. Darunter verstehe ich verlässlich über ein Instrument zu verfügen, das jederzeit und reproduzierbar alle Schwierigkeiten meistern kann und kein Produkt des Zufalls ist. Erst dadurch ist es möglich der Musik gerecht zu werden und sie plastisch und glaubhaft auszudrücken: Emotionen, Gefühle und Empfindungen der darzustellenden Charaktere durch Dynamik, Farben, Dramatik, Glanz, Lyrik, etc. Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen. In der heutigen Zeit der Tonkonserven, TV und Videos und der Masseneventveranstaltungen ist dies nötiger denn je.
Du verwendest die Alexander-Technik auch im Gesangsunterricht. Was ist das Besondere an dieser Kombination? Welchen Nutzen können Sänger aus dem Erlernen der Alexander-Technik ziehen?
Mit Sängern und Sängerinnen arbeite ich stimmlich und musikalisch. Nur in Ausnahmen wende ich AT Arbeit im Liegen an, z.B. um die Atmung zu befreien. Gelegentlich benutze ich die Hände zur Verdeutlichung, um den Schüler etwas bei sich oder an mir spüren zu lassen. Falls bei einem Schüler die körperlichen Grundlagen derart mangelhaft sind, dass ein normaler Gesangsunterricht nichts bringt, dann rate ich ihm erst einmal dieses Defizit mit Hilfe der Alexander Methode oder einer anderen Arbeit anzugehen und zu verbessern. Es versteht sich von selbst, dass – auch wenn ich keine oder nur sparsam die Berührung der Hände einsetze – ich dennoch über dies Wissen verfüge und es ständig anwende.
Welches Unterrichtsangebot hast Du? Was würdest du interessierten Sängern empfehlen?
Ich unterrichte selbständig, also an keiner Institution. Dies hat den Vorteil, dass ich frei von äußeren Zwängen arbeiten kann. Die Betreuung eines Sängers erfordert ein enormes Maß an Engagement und das einbringen meiner ganzen Persönlichkeit. Dazu bin ich gerne bereit, fordere aber im Gegenzug dasselbe von dem Studenten. Es ist viel Fleiß, Arbeit und Zeit nötig, um das Singen der Belcanto Tradition gründlich zu studieren und erfolgreich anwenden zu können. Doch der Einsatz wird belohnt durch die Freude, die einem die Kunst mit sich und der Stimme umzugehen schenkt.
Vielen Dank für das Interview
Ich werde sicher einige Wochen brauchen, bis ich mir die vielen Stücke in youtube angehört habe. Einen Einblick habe ich jetzt schon bekommen…
Ich mag den Ansatz, dass es darum geht “die Stimme zu befreien”, also nicht darum, etwas künstlich von aussen “drüberzustülpen”. Und ich findes es enorm wichtig, dass bei allem nötigen Fleiss und Genauigkeit, was Gesangstechnik usw. angeht, folgendes Ziel immer präsent zu halten, das Daniel Süsstrunk sehr schön formuliert hat: “Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen.”
Nochmals vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Das ist viiiiiiiiiiiiiiiiel mehr, als ich mir erhofft hatte
Hier ist nochmals der Link zu Daniel Süsstrunks homepage.
Michael Gelb: live-Interview
Ich hatte hier schon mal für das neue Direction Journal etwas Werbung gemacht.
Nächsten Montag gibt es ein absolutes Highlight. Paul Cook, der Herausgeber der Zeitschrift, hat es tatsächlich geschafft Michael J. Gelb für ein Telefoninterview zu gewinnen. Das Interview selbst dauert ca.40min und danach ist gelegenheit Fragen an Gelb zu stellen.
Ich habe mich natürlich sofort angemeldet, denn wann bietet sich denn schon mal die Chance, einem DER Top-Trainer weltweit persönlich Fragen stellen zu können???
Hier können Sie sich einen der 25 Plätze sichern. Die werden sicher schnell weg sein…
Hier ist noch eine Buchauswahl von Michael Gelb:
Das Heben von Lasten
Vor ein paar Wochen habe ich mir eine neue Kamera mit Videofunktion gekauft. Heute möchte ich einen kurzen Clip vorstellen, den ich letzte Woche auf der kleinen Insel Sulosaari in Savonlinna gedreht habe.
Dort habe ich nämlich einen ganz besonderen Baum entdeckt. Ich war echt hin und weg, als ich das gesehen habe. Wollen Sie wissen was das besondere an dem Baum ist? Dann schauen Sie sich dieses kurze (14s) Video an:
Ist das nicht phantastisch? Nomalerweise suchen sich Bäume einen Weg um solche Hindernisse herum, aber der hat sich wohl gedacht: “Was soll’s? Ich nehm ihn einfach mit”
Dieser Baum bietet sich natürlich vorzüglich für eine ganze Reihe von Metaphern an. Was mir spontan dazu als erstes eingefallen ist, war ein Vergleich mit der Aktivität “Gegenstand hochheben”. Man kann diese Aktivität auf zwei Arten sehen:
- Ufffff. Jetzt muss ich die blöde Kiste hochheben
- Ich integriere (genau wie der Baum es tut) das Gewicht der Kiste in mein Gesamtsystem und bewege mich dann wohin auch immer ich will (genauso wie z.B. das Gewicht der Kleidung auch integriert ist, da denkt schliesslich auch keiner “Oh weh! Jetzt muss ich die 2kg mit mir rumschleppen”)
Das klingt vielleicht etwas abgefahren. Aber probieren Sie’s mal aus. Für mich war das ein gewaltiger Unterschied!
Wie Werte unser Leben bestimmen
Werte sind Vorstellungen über Eigenschaften (Qualitäten), die Dingen, Ideen, Beziehungen u. a. m. von Einzelnen (sozialen Akteuren) oder von sozialen Gruppen von Menschen oder von einer Gesellschaft beigelegt werden, und die den Wertenden wichtig und wünschenswert sind.
(Quelle: wikipedia.de)
Werte sind wertvoll – aber welchen Werten dienen Sie? An welchen Werten richten Sie Ihr Leben aus?
Werte werden als Orientierungs- und Entscheidungshilfen immer wichtiger. Es gibt heute keine für alle verbindlichen Werte mehr. Das kann man gut oder schlecht finden. Aber das will ich hier nicht diskutieren.
Jeder orientiert sich an Werten, bewussten und unbewussten. Da ist es doch eine gute Idee einmal genau hinzuschauen, welche Werte mir persönlich wichtig und wert-voll sind.
Welche Werte sind Ihnen wirklich wichtig?
Norbert Glaab bietet auf seiner website eine nützliche Wertesammlung und einen Wertechecker an, mit dem Sie ganz einfach ihre wichtigsten Werte ermitteln können. Einfach mal anschauen und ausprobieren, ist sehr interessant…
…aus meiner Sicht aber nicht vollständig, wenn man sich auf “positive” Werte beschränkt. Michael Fortwängler beschreibt auf “art-of-changing”, die spannende Idee, den (positiven) Werten “Schatten-Werte” gegenüber zu stellen:
“Der Schatten ist der nicht in Besitz genommene Teil unseres Selbst, den wir nicht ansehen wollen, weil wir vor ihm Angst haben, oder weil wir nicht wissen, wie wir mit ihm umgehen sollen, oder weil er unseren eigentlichen Werten zutiefst zuwider läuft.”
Ja klar. Jeder rühmt sich gerne der “heroischen” Werte wie Akzeptanz, Großherzigkeit, Verbindlichkeit, usw. denen er angeblich dient. Ich selbst konnte in einer Serie von Coaching-Sitzungen mit Fortwängler die fundamentale Bedeutung erkennen, die Werte, ABER AUCH Schattenwerte auf mein Leben hatten/haben. Er schreibt hierzu weiter:
“Allen menschlichen Wesen sind solche Tendenzen wie Gier, Neid, Rachsucht, Eifersucht, Zügellosigkeit, Faulheit usw. bekannt, um nur einige der „Klassiker“ zu benennen. Da diese Schatten-Werte unser Leben ebenso regieren können wie unsere wahren Werte – vor allem dann, wenn sie weitgehend unbewußt bleiben oder verleugnet werden – ist es wichtig, Bewusstsein für deren Existenz zu schaffen. Wenn wir diese dunklen Tendenzen ans Licht holen, können wir mit ihnen arbeiten und umgehen. Sie verlieren dadurch ihre Macht über uns.”
Dazu fällt mir noch folgender Satz von David Gorman ein, der seit einigen Wochen soetwas wie ein Leitfaden für mich geworden ist:
* Freedom is to know and be yourself
Freiheit ist dich selbst zu kennen und du selbst zu sein
Mir wird gerade klar, dass hier wohl auch die Reihenfolge der Worte anscheinend nicht zufällig ist:
- dich selbst kennen
- du selbst sein
Auch wenn das eng verwoben ist, so scheint es mir momentan doch so zu sein, dass das “Ich selbst sein.” auf das “Mich selbst kennen” folgt.
Und ein wichtiger Teil des “Erkenne dich selbst” sind die Schattenwerte. Gehen Sie doch einfach nochmal zum Wertechecker und ermitteln Sie dann Ihre Schattenwerte. Ich bin mir sicher, dass da einige lohnenswerte Entdeckungen auf Sie warten.
Copyright Bild ganz oben: ©Norbert Lorenz / PIXELIO
Stress kostet…
Gerade lese ich in den yahoo!-Nachrichten, dass das Phänomen “Stress” ziemlich verbreitet ist. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse empfinden 80% der Deutschen ihr Leben als stressig, 30% haben Dauerstress und 20% haben deshalb ernsthaft gesundheitliche Probleme.
Zur Lösung des Problems sehe ich zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:
1. Symptombekämpfung, also Entspannungstechniken, Ausdauersport, Wellness, Meditation, Urlaub nehmen, Medikamente, usw. Das heisst ich reagiere permanent mit Stress und schaue dann wie ich das Symptom “Stress” (das mir sagt dass etwas nicht) stimmt loswerden oder mildern kann. Das heisst, ich handle so, als sei der Stress das Problem. Ich persönlich habe keine Ahnung was das bringen soll. Vielleicht kann mir das ja jemand beantworten?
2. Sich mit der Frage auseinandersetzen: “Wie konnte es dazu kommen, dass ich auf eine Situation mit Stress reagiere?” und dann entsprechend zu handeln. Falls ich zu dem Schluss kommen würde, dass die Ursachen im Aussen liegen (Job, Lärm, …) kann ich versuchen da etwas zu verändern und dann überprüfen ob’s geholfen hat. Oder ich komme zu dem Schluss, dass es an meiner Reaktion auf die “stressige” Situation liegt. Dann würde ich mich weiter Fragen, was genau den Stress auslöst, warum ich so darauf reagiere, wie ich die Situation interpretiere und ob es nicht dienlichere Interpretationen gibt, warum der Kollege, der den gleichen Job macht immer so relaxed ist , was der anders macht als ich usw
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Diese grundsätzliche Entscheidung, in welche der beiden Richtungen man gehen will, muss jeder selbst für sich treffen. Ich persönlich glaube nicht, dass beide gleichzeitig funktionieren. Wie seht ihr das?
Was bedeutet “ich selbst sein”?
Und wieder mal habe ich bei Frank Obels ein interessantes Video gefunden:
Masquerade from Aziz K. on Vimeo.
In Wikipedia steht folgendes:
Die Persona bezeichnete ursprünglich eine im griechischen Theater von den Schauspielern verwendete Maske, die die Rolle typisierte und als Schallverstärker benutzt wurde. Der Name ist abgeleitet aus dem Lateinischen (personare = hindurchtönen), und daraus wiederum abgeleitet ist der Begriff Person.
Ist es nicht so, dass wir IMMER Rollen spielen? Das ist doch auch sinnvoll, oder? Es ist allerdings wichtig, sich bewusst zu sein welche Rolle man gerade spielt und was noch wichtiger ist: man muss jederzeit damit auch wieder aufhören können.
Angenommen ich habe mich über irgend etwas geärgert. Genau in dem Moment kommt einer meiner Schüler zu seiner Stunde. Soll ich etwa “ich selbst” sein und meine Laune mit in den Unterricht tragen oder gar an ihm auslassen? “So bin ich halt. Im Moment bin ich sauer.”
Blödsinn, oder? Da überwiegt eindeutig mein Wunsch meinem Schüler so gut wie möglich zu dienen. Meine Strategie ist es, in die Lehrerrolle zu gehen (die ich mir sehr genau überlegt habe, was da dazu gehört und was nicht, und die sich ständig weiterentwickelt).
Das heisst nicht, dass der Ärger weg wäre. Er ist allerdings für den gewählten Zeitraum weeeeeeeeeit im Hintergrund, weil mir jetzt andere Dinge wichtiger sind.
Das heisst auch nicht, dass das unecht wäre. Und an der Stelle freue ich mich, dass der Wortursprung das auch illustriert: per-sonare = hindurch-schallen, d.h. mein “echtes Selbst” schallt immernoch hindurch!
DANN ist es aber wichtig den Ärger möglichst zeitnah anzuschauen, damit da kein böses Verdrängen passiert
So gesehen sind nicht die Masken das Problem, sondern der mehr oder weniger intelligente Umgang damit.
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Bleibt die Frage offen, ob das “ich selbst sein” nicht auch eine Maske sein könnte…
Die Anatomie der Ganzheit
Am Wochenende war David Gorman bei mir in Savonlinna (Finnland) zu Gast und hat den dreitägigen Workshop The Anatomy Of Wholeness™ gegeben.
Vor einiger Zeit bin ich auf seine website gestossen und habe dort tonnenweise spannende Artikel gefunden und mir ebooks runtergeladen und geradezu verschlungen. Einen dieser Artikel habe ich dann sogar übersetzt.
Daraufhin wollte ich Gormans “LearningMethods” gerne live kennenlernen. Es wäre mir allerdings zu aufwendig gewesen dafür um die halbe Welt zu reisen und so habe ich ihn halt einfach hierher eingeladen.
Es war der Hammer!
Ich habe selten einen so guten Workshop erlebt.
Ich habe unglaublich viel gelernt und was noch viel wichtiger ist: Ich habe massenhaft spannende Fragen, die ich erforschen will, Fragen, die mich wirklich brennend interessieren!!!
Der ganze Workshop drehte sich im Grunde um folgende Frage:
Sind wir Lebewesen, deren Natur es ist ganz zu sein und als Ganzheit zu funktionieren? Sind wir perfekt konstruiert und können demnach auch perfekt funktionieren?
ODER
Sind wir nicht ganz, nicht ganzheitlich? Sind wir nicht perfekt konstruiert (was quasi zwangsläufig zu Problemen führen muss)?
Spannend, nicht wahr? Das ist eine sehr grundlegende Frage, die man nicht einfach mal so beantworten sollte, sondern sich wirklich sehr intensiv damit ausseinandersetzen, weil die Antwort sehr weitreichende Konsequenzen hat.
Sie bestimmt beispielsweise, wie wir bei Problemen jeglicher Art vorgehen:
Wenn wir annehmen, dass die erste Alternativen wahr ist, dann würde das z.B. bedeuten, dass, wenn Probleme auftreten, dieses perfekte, natürliche System in irgend einer Weise gestört wird. Möglicherweise sind wir selbst es, die das System stören und uns somit selbst im Wege stehen. Die Vorgehensweise würde dann wahrscheinlich sein, herauszufinden, WARUM und WIE wir uns stören und diese Ursache schliesslich beheben. Problem gelöst.
Wenn die zweite Alternative wahr ist, also dass unsere Struktur und unser Funktionieren nicht gut genug für die heutige zivilisierte Welt geeignet ist, dann hätte das z.B. bei Rückenproblemen andere Konsequenzen bei der Vorgehensweise. Dann müssten wir dem System in irgend einer Weise von aussen oder innen helfen, in jedem Fall dem nicht-perfekten System etwas hinzufügen, korrigieren, koordinieren o.ä.
Wie stehe ich dazu?
Ich habe in den letzen Jahren und auch letztes Wochenende viele Erfahrungen gemacht, die mich dahin gebracht haben die erste Alternative für wahr zu halten.
So dachte ich zumindest.
Denn wenn ich ehrlich bin, dann fällt mir auf, dass ich an vielen Stellen etwas nachhelfe, indem ich z.B. hier und da ein paar Muskeln loslasse, wenn ich merke dass ich da etwas angespannt bin.
Wenn ich WIRKLICH und vollständig überzeugt wäre, dass ich ganz bin, und die menschliche Konstruktion perfekt ist, dann würde ich meiner “Koordination” nicht helfen wollen, sondern darauf vertrauen, dass die angeborenen Koordinationsmechanismen in jedem Moment die bestmögliche Koordination hervorbringen.
Dann würde ich in micht etwa Folgendes fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass die verspannt sind? Wie konnte es dazu kommen, dass ich die Schulter überhaupt als isolierten Teil von mir wahrnehme, also nicht ganz bin? Was habe ich getan, gedacht, was war meine Intention, dass mein Körper mit übermässiger Spannung reagiert?
Das habe ich jetzt vor
Ich werde eine Reihe von Experimenten durchführen die mir nachvollziehbare Beweise bringen, ob Alternative 1 oder 2 wahr ist. Dazu habe ich mir folgendes überlegt: ich habe in meinem Alltag eine Reihe von Sitationen, in denen ich mich meistens unwohl fühle und etwas angespannt bin. Meistens tue ich etwas dagegen. Feinste Ausrichtung des Körpers dazu missbraucht, ein Symptom mit “gutem Gebrauch” zu überdecken
Das werde ich bleiben lassen und stattdessen erforschen,
- welche Symptome genau ich wahrnehme
- wie genau ich diese Situationen sehe, was meine Intentionen sind usw.
Dann werde ich die Sichtweisen hinterfragen um herauszufinden, ob darin irgend etwas ist, was meinen Körper veranlassen könnte aus dem Zustand von Gleichgewicht und Ganzheit herauszukommen und somit diese Symptome zu produzieren. Diese Punkte werde ich dann mit bestimmten Selbstcoachingtechniken verändern und dann…
…dann werde ich gar nichts tun! Und nach ein paar Tagen oder Wochen nachschauen, ob die Symptome weg sind oder weniger sind oder ob eigentlich alles beim alten geblieben ist.
Falls die Symptome weniger sind wäre das für mich ein hinreichender Beweis, dass mein System sich von selbst in diesen Situationen spitzenmässig koordinieren kann, wenn ich meine Einstellung verändere.
Falls die Symptome nicht weniger sind, gibt es drei Möglichkeiten:
- ich habe nicht die Ursache gefunden die das Problem verursacht, sondern habe an irgendwelchen Nebensächlichkeiten gearbeitet
- ich habe zwar die Ursache gefunden, sie aber nicht wirklich beseitigt
- Alternative zwei ist wahr und der menschliche Organismus braucht noch ein paar hunderttausend Jahre Evolution
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So jetzt werde ich mich noch ein Stündchen in die traumhafte Natur hier um die Ecke begeben und über die vielen Fragen nachdenken, die der Workshop aufgeworfen hat.
Alexander-Technik beim “Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin”
Dirk Hausen (Lehrer für Alexander-Technik in Freiburg) hat mir folgenden kleinen Bericht vom „Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ zukommen lassen:
Vom 26.- 28. März dieses Jahres fand an der Hochschule für Musik Freiburg i. Br. ein „Internationaler Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ statt. Auf Einladung der Leitung des Freiburger Instituts für Musikermedizin hatte ich hierbei Gelegenheit, die G.L.A.T. (Gesellschaft der Lehrer/innen der F.M. Alexander-Technik) durch den Workshop „Alexander-Technik für Bläser“ zu vertreten.
Ein neunzigminütiger Workshop bedeutet auch bei anderen Veranstaltungen eine Herausforderung. Im Rahmen eines internationalen Kongresses, bei dem besonders qualifizierte Teilnehmer auch mit besonders großen Erwartungen aus der ganzen Welt anreisen, kann sich eine solche Herausforderung jedoch als durchaus steigerbar erweisen: Zum Beispiel stellte sich bereits in der Vorbereitung die grundlegende Frage, ob der Workshop auf Deutsch oder Englisch abzuhalten ist, oder mit wie vielen Teilnehmern welcher Berufsgruppe bzw. welchen Hintergrunds zu rechnen ist. Vor Ort ergab sich dann „spontan“, dass die 25 Teilnehmer meines Workshops zum einen alle deutschsprachig waren und dass vom Logopäden bis zu einem Prof. Dr. med. einer deutschen Universitätsklinik also auch die verschiedensten Berufsgruppen (vorwiegend jedoch aus dem medizinischen Bereich) vertreten waren.
Mein Plan sah vor, zunächst einen kurzen, einführenden Vortrag über die Technik zu halten. In einem zweiten Schritt sollte dann die „klassische“ Alexander-Arbeit an Tisch und Stuhl präsentiert werden. Ganz dem Ablauf einer regulären Unterrichtsstunde folgend, hätte sich hieran die thematisch vorgegebene Arbeit am Instrument angeschlossen. Es stellte sich jedoch gleich zu Beginn des Workshops heraus, dass keiner der Teilnehmer, trotz des expliziten Hinweises in der Kursbeschreibung, an das Mitbringen eines Instruments gedacht hatte. Ohne leugnen zu wollen, dass diese Feststellung mein Konzept um spontane Improvisation zu bereichern drohte, begann ich einfach.
Es stellte ich heraus, dass alle Teilnehmer vor allem eines waren: interessiert. Sie waren zutiefst interessiert daran, ihren Klienten bzw. Patienten eine umfassende und damit bestmögliche Behandlung zukommen lassen zu können. Der in der Alexander-Welt (auch durch Alexanders eigene Beschreibung seines Leidensweges) häufig formulierte Gedanke, dass Mediziner nur am Symptom orientiert seien, erwies sich daher, zumindest im Rahmen dieses Workshops, als korrekturbedürftig.
Nachdem ich die Teilnehmer zu Beginn darauf hingewiesen hatte, dass Fragen jederzeit gestellt werden könnten, wurde hiervon auch rege Gebrauch gemacht. Neben sehr spezifischen Fragen zu meiner Arbeit mit Musikern, vor allem zu meinen Erfahrungen mit Orchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, ging es auch darum, wie genau eine Stunde abläuft, was konkret ein Alexander-Lehrer mit seinen Händen tut, wie man die Technik selbst anwenden lernt bzw. wie viele Stunden dazu notwendig sind usw.
Das Ergebnis war ein anregender Workshop bei dem viel gelacht wurde (der Anblick von 25 gleichzeitig aufstehenden bzw. sich hinsetzenden Leuten oder das gemeinsame Praktizieren des „whispered Ah“ bot für alle Anwesenden genug Grund dazu), bei dem sich jedoch auch die grundlegenden Ideen und Zusammenhänge der Alexander-Technik verdeutlichen ließen. Die Alexander-Technik als Teil eines ungemein vielfältigen Angebots an hochinteressanten Vorträgen und Workshops im Rahmen dieses Kongresses vertreten zu dürfen, erlaubt mir den persönlichen Schluss, dass der potentielle Beitrag der Alexander-Technik in der Musikphysiologie und Musikermedizin herzlich willkommen ist.
Vielen Dank an Dirk Hausen, der mir diesen Bericht hat zukommen lassen.
Ich arbeite regelmässig mit Musikern und kann sagen, dass der (nicht nur potentielle) Beitrag den die Alexander-Technik leistet, wirklich einen Bedarf deckt. So haben schon 8 oder 10-jährige Kinder häufig Rückenschmerzen (nicht nur, aber auch beim Spielen ihres Instrumentes). Jugendliche und Erwachsene haben häufig chronische Schmerzen und Probleme entwickelt…
Wenn es mir im Unterricht gelingt, falsche Vorstellungen von “guter Haltung” oder davon wie die Spielbewegungen zustande kommen zu korrigieren, werden die Bewegungsabläufe fliessender und damit verschwinden oft als “Nebenwirkung” auch die Rückenprobleme.
Auch wenn es derzeit “in” ist auf der “sturen Schulmedizin” herumzuhacken, kann ich für meinen Teil sagen, dass die Ärzte und Physiotherapeuten mit denen ich bisher gesprochen habe, ALLE sehr interessiert an Methoden wie der Alexander-Technik waren. Das liegt vermutlich auch mit daran, dass ich meine Arbeit zu 100% als pädagogisch verstehe, also weit davon entfernt bin therapeutisch tätig zu sein.
Wie auch immer. Ich finde es jedenfalls schön, dass sich gegenseitiges Interesse auch auf so einem Kongress widerspiegelt.
Essenz des Zielstrebens
So, jetzt habe ich es endlich geschafft David Gormans Artikel “The rounder we go, the stucker we get” ins Deutsche zu übersetzen. War ein gutes Stück Arbeit…
Vielen Dank an dieser Stelle noch an die Alexander-Technik Lehrerin Joanna-Maria Otto aus Freiburg, die die Übersetzung Korrektur gelesen hat.
Gormans hochinteressante LearningMethods-Seite ist zumindest in Alexander-Kreisen schon längst kein Geheimtip mehr. Auf der Seite finden Sie sehr viele, sehr gute Artikel und ebooks (im weitesten Sinne zum Thema Alexander-Technik / persönliches Wachstum) zum lesen oder downloaden. Und einen dieser Artikel, der mir besonders gut gefallen hat, habe ich jetzt halt mal übersetzt (man gönnt sich ja sonst nichts
) und Gorman bietet ihn ab sofort auf seiner website zum lesen an.
Und darum geht’s:
Gorman beschreibt als erstes, wie sich Gewohnheiten bilden und wie daraus in der Regel ein regelrechter Teufelskreis wird. Ist es erst einmal so weit, nützen weder Symptombekämpfung (wann nützt das schon?), noch Ursachenbekämpfung mehr. Und warum?
Weil diese Gewohnheiten sehr rafiniert konstruiert sind. Sie verleiten nämlich permanent zum sogenannten Zielsteben. Was das bedeutet? Ganz einfach. Ich akzeptiere den jetzigen Zustand nicht und schliesse daraus reflexartig, dass
- an meinen Zustand (oder gar an mir?) etwas falsch ist
- ich etwas ‘tun’ muss, um das alles in Ordnung zu bringen
- ich dieses Ziel offensichtlich nicht jetzt, sondern nur in der Zukunft erreichen kann
- ein bestimmter Teil von mir weiss, was richtig oder falsch ist und somit einen oder mehrere andere Teile reparieren kann oder muss
- ich überhaupt aus mehreren Teilen bestehe(!), und dass diese Teile einer Koordination bedürfen (Gegenteil von Ganzheit/Einheit)
Tja, wenn ich also etwas ‘verbessern’ will, werde ich automatisch von den eben genannten Prämissen ausgehen. Wohin das führt wissen wir ja… Ein ewiger Kreislauf. Mal ist dies verkehrt, mal jenes, mal tut der Rücken weh, mal bin ich ‘im Stress’ usw.
(kleine Anmerkung: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir von Krankheiten (Plural) und Gesundheit (Singular) sprechen, niemals aber von Gesundheiten (Plural)? Ich finde das sehr spannend, denn das untersteicht ja wieder den Gedanken von Einheit/Ganzheit. Könnten wir also sagen Ganz = Gesund? Falls ein Etymologe unter den Lesern ist, die Geschichte des Wortes “gesund” würde mich doch sehr interessieren…)
Raus aus dem Teufelskreis!
Wie also kann ich aus dem Teufelskreis aussteigen? Tja, akzeptiere halt einfach alles so wie es jetzt eben ist, und du erreichst dein Ziel durch nicht-tun. Ganz toll! Das kennen wir ja schon spätestens seit Eckhard Tolles “JETZT!-Buch”. Und schon bekommt das, was so harmlos anfing, eine spirituelle Dimension
Bedingungslos im Jetzt leben… Aber wie erreichen wir das?
Und genau an der Stelle bin ich jetzt einen grossen Schritt weiter gekommen. -HA! Und genau da haben wir es doch schon wieder. Haben Sie es auch bemerkt? Ich glaube also auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Verstehen Sie? Das ist doch schon wieder genau das Konzept, nachdem ich nur in der Zukunft etwas erreichen kann (s.o.). Tja, reingefallen. Ich werde also auf diesem blog hin und wieder berichten, was ich Neues dazu gelernt habe – hoppla, schon wieder reingefallen
… Spass beiseite, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie unten auf den link und lesen Sie Gormans Artikel.
Das habe ich von dem Artikel gelernt:
Wenn man sich mit dem Konzept des Zielstrebens auseinandersetzt, so ist man leicht verleitet, das Ziel im Aussen zu suchen. Ich will ja schliesslich dies oder jenes erreichen, beispielsweise diesen Artikel schreiben usw. Innehalten würde in dem Fall bedeuten nicht blind auf mein Ziel loszustürmen, sondern auch die Mittel zu bedenken, mit denen ich mein Ziel zu erreichen gedenke.
Durch die Lektüre von Gormans Artikel bin ich jetzt so weit behaupten zu wollen, dass jedes Zielstreben in seiner Essenz bedeutet, dass ich den jetzigen Moment (noch) nicht akzeptiere und mein Glück in einem zukünftigen Moment erhoffe. Dabei ist es völlig wurscht, welches äussere Ziel ich verfolge. Ich bin unzufrieden mit dem was jetzt ist, will also davon weg und gleichzeitig hin zu dem, was in der Zukunft auf mich wartet.
Im NLP gibt es das Modell der Hin-zu oder Weg-von Motivation. Also ich will entweder von einem Zustand weg, den ich nicht akzepitere (weg-von), oder ich freue mich auf einen besseren Zustand in der Zukunft (hin-zu). Das ist definitiv ein Modell von Motivation, das meinem Erleben von Motivation sehr sehr nahe kommt. Ich denke, dass Fortschitt oder persönliches Wachstum immer entweder auf einer gewissen Unzufriedenheit oder auf einer Vision, oder auf beidem gründen. Das Problem mit dem Zielstreben ist jedoch, dass wir aus der Unzufriedenheit oder Vision ein “muss” machen. “Ich muss hier weg um glücklich zu sein” oder “Ich muss da hin, damit ich glücklich bin.”
So, und jetzt lehne ich mich noch etwas aus dem Fenster und sage folgendes: worum es F.M. Alexander bei seinem “Mittel-wodurch”-Konzept in der Essenz ging, ist schlicht die vollständige Akzeptanz dessen was jetzt ist, um auf dieser Grundlage wählen zu können (Wahlfreiheit) wohin die Reise gehen soll und wie (Mittel-wodurch) wir Reisen wollen.
Fazit: unbedingt lesen!
Hier ist der direkte link zum Artikel
P.S. David Gorman ist übrigens vom 15.-17.Mai 2009 bei mir hier in Savonlinna und hält den Workshop “The Anatomy of Wholeness™ — Making sense of our amazing human system“. Falls Sie an dem Wochenende noch nichts vorhaben, können Sie ja einen Kurztripp nach Finnland machen
Das lohnt sich übrigens nicht nur wegen des Workshops, sondern auch wegen der traumhaft schönen Natur:

Copyright Bild ganz oben: ©El-Fausto / PIXELIO
Wie gut sitzen Sie?
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Wir nehmen die Welt bekanntlich nicht direkt wahr, sondern es liegen verschiedene Filter zwischen uns als Beobachter und der Wirklichkeit:

Es gibt bio-logische Filter wie Auge oder Ohr. Mit dem Auge beispielsweise nehmen wir einen bestimmten Teil des Lichtspektrums wahr und der Rest (z.B. ultraviolettes Licht) existiert in unserer Wahrnehmung nicht. Diese biologischen Filter sind für jeden mehr oder weniger gleich.
Dann gibt es die psycho-logischen Filter und da wird es schon spannender. Einer dieser Filter ist die Sprache und hier insbesondere Metaphern.
Wie bitte? Metaphern? Sind das nicht diese netten, “dekorativen” Garnierungen von Gedichten? Damit habe ich doch nichts am Hut… oder etwa doch?
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Neil Postman schreibt in seinem Buch “The End of Education“:
“Ja, Dichter setzen Metaphern ein, um uns beim Sehen und Fühlen zu helfen. Aber Biologen, Physiker, Historiker, Linguisten tun das auch, jeder, der etwas über die Welt auszusagen versucht, tut das. Eine Metapher ist kein Ornament. Sie ist ein Wahrnehmungsorgan. Durch Metaphern sehen wir die Welt.” (S.206)
Was also sind Metaphern?
Metaphern (wie u.a. auch Definitionen und Fragen) sind Werkzeuge, mit deren Hilfe die menschliche Sprache eine Weltsicht konstruiert. Metaphern kontrollieren sozusagen Ihr Denken.
Ein Beispiel? Welche Metaphern kennen Sie zum Gehirn?
- Ist das Gehirn wie ein Muskel, der trainiert werden muss?
- Ist das Gehirn wie ein Gefäss, das gefüllt werden muss?
- Ist das Gehirn wie eine Pflanze, die gepflegt werden muss?
- Ist das Gehirn wie ein Computer, der Daten verrechnet?
- Ist das Gehirn wie ein Netz, dass Wissensfäden spinnt?
- Ist das Gehirn wie eine dunkle Höhle, die Erleuchtung braucht?
- Ist das Gehirn … ?
Jede einzelne Metapher betont einige Aspekte und vernachlässigt andere. Mehr noch: wir müssen immer bestimmte Aspekte vernachlässigen, weil wir immer etwas betonen. Es geht gar nicht anders!
Das heisst aber auch: je mehr Metaphern wir zu einem bestimmten Thema schon kennen, lernen oder selbst entwickeln usw.,
- desto mehr Aspekte dieses Themas verstehen wir,
- desto flexibler sind wir
- desto tiefer verstehen wir das Thema, usw.
Oft hinterfragen wir Metaphern aber nicht, sondern übernehmen sie unbewusst. Ich vermute, dass die meisten von uns noch von der Schule her so geprägt sind, dass es richtige und falsche Antworten gibt. “Die Definition von x ist so und so.” Das ist in den allermeisten Fällen allerdings ziemlich hinderlich. Die Fragen, die wir uns stellen müssten, damit wir unser Wissen erWEITern können, sollten viel eher folgende sein:
- Wer hat diese Metapher erfunden?
- Zu welchem Zweck?
- Wann?
- Wo?
- In welchem Kontext?
- Welche Alternativen gibt es?
Oder wir basteln uns zu einem Thema eigene Metaphern. Z.B.:
“Life is like a bicycle – to keep your balance you must keep on moving.” (Albert Einstein)
Mal schauen, was mir da so spontan noch alles dazu einfällt. Also:
Das Leben ist wie ein Fahrrad, weil…
- …man schnell vorankommt und flexibel ist
- …man ziemlich viel strampeln muss, um seine Ziele zu erreichen.
- …ich es regelmässig warten muss, sonst geht’s kaputt.
- …man darauf aufpassen muss, sonst wird’s einem geklaut.
- …man manchmal halt doch schieben muss.
Haben Sie noch weitere Ideen? Dann schreiben Sie sie doch als Kommentar.
Metaphern zum Thema “Sitzen”
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Copyright Bild oben: © Stephanie Hofschlaeger /PIXELIO
Sie sitzen vermutlich jetzt vor dem Computer und lesen diesen Artikel. Ist Ihnen bewusst, welche Metaphern oder Glaubenssätze Sie zum Thema “sitzen” haben? Ich nenne mal einige:
- eine gute Haltung ist wichtig, z.B. um Rückenproblemen vorzubeugen
- wer aufrecht sitzt, sieht aus, als hätte er nen Besenstiel verschluckt
- eine schlechte Haltung muss man korrigieren
- der Rücken soll gerade sein
- die Schultern sollen locker sein
- Verspannungen hat jeder
So, und zu diesen Punkten möchte ich zum Schluss dieses Artikels ein paar Fragen stellen. Ich lasse das ganz bewusst offen, gebe also keine Antworten (oder besser Vorschläge für Antworten), denn einige der Fragen kann man nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Ich will damit erreichen, dass Sie für das Thema sensibilisiert werden. Wir reden nämlich von vielen Aspekten oft so, als wären sie selbstverständlich. Weit gefehlt, kann ich da nur sagen…
- Was genau ist eigentlich eine “gute Haltung”?
- Wer definiert was gute- und was schlechte Haltung ist?
- Kann man eine gute Haltung “haben”, oder muss man die “machen”, oder kommt die von selbst, wenn man irgend was nicht mehr macht, oder muss man sich gar dazu zwingen, oder wie jetzt?
- Ist eine gute Haltung von heute, auch morgen noch genau so gut?
- Oder geht es nicht vielmehr darum, dass die Haltung der Situation angemessen ist?
- Aber über welchen Zeitraum stimmt das? Also wie lange ist so eine “Situation”?
- Brauche ich für jede Situation dann etwa wieder eine neue gute Haltung? Würde das so nicht unglaublich kompliziert?
- Wieso wird “aufrecht” oft mit “steiff”, “fest” oder “anstrengend” in Verbindung gebracht?
- Ist es nicht vielmehr so, dass schon das Konzept von “Haltung” von vorn herein statisch ist und damit das Gegenteil von dynamisch, flexibel, lebendig?
- Bringt möglicherweise schon das Wort “Haltung” Assoziationen mit (fest-)halten, HALT usw hervor?
- Was bedeutet “korrigieren”? Welche Methoden werden dafür verwendet?
- Bedeutet korrigieren, dass jeder Teil am richtigen Platz ist bzw. dahin zurückgebracht wird?
- Bedeutet also gute Haltung, dass jeder Teil am richtigen Platz ist?
- Was ist der Rücken? (das klingt vielleicht erst mal etwas bescheuert, aber: können SIE etwa genau definieren, was alles Rücken ist und was nicht??? Sie glauben Sie könnten das? Dann habe ich noch ein paar weitere Fragen: Wo genau endet der Rücken und wo beginnt der Nacken? Was ist noch Rücken, was schon Hintern?
) - Jeder der schon mal ein Skelett gesehen hat weiss, dass die Wirbelsäule gebogen ist. Wieso wird dann immer wieder gesagt, der Rücken solle “gerade” sein? Ist das etwa auch Blödsinn?
- Kann man überhaupt Verspannungen “haben” oder “macht” man Verspannungen, oder ist es noch mal ganz anders?
- Sind Verspannungen überhaupt ein “Ding”, wie z.B. ein Knochen oder ein Tisch?
Wie immer freue ich mich über Kommentare
Die beste Bewegungsschulung?
Na da habe ich doch mal eine nette Beschreibung gefunden:
“Die Alexander Technik ist nur eine von verschiedenen Bewegungsschulen. Ob sie die Beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vieles spricht allerdings dafür. Gute Gesundheitsmethoden zeigen sich dadurch aus, daß sie sich mit der Schulmedizin wenigstens einigermaßen vertragen und ohne ideologischen Unterbau auskommen. Das ist hier gegeben.”
Ich frage mich allerdings, wieso der Autor die Alexander-Technik auf eine “Bewegungsschulung” reduziert, verweist er doch später selbst darauf, dass
[...] der Hauptgrund, aus dem man sich mit der Alexander Technik auseinandersetzen sollte, [...] die Bewußtseinsbildung [ist].
Hans-Peter Zimmermann hat das in seinem “ABC der Naturheilkunde” schon treffender dargestellt:
Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode, die die kausale Beziehung zwischen Denken und Bewegung untersucht. Ziel ist es, gewohnheitsmäßige Denkmuster so zu verändern, dass die natürliche Funktionsweise des Organismus nicht länger gestört wird.
Wer ihm diese Beschreibung wohl geschickt hat?