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Prävention
In Michael Schürks “Alexander-Technik-Blog” habe ich folgenden Vortrag von Dr. Spitzbart mit dem Titel “Präventive Medizin” entdeckt:
Ich hatte Thema “Spüren” schon mal kurz angedeutet. Dr. Spitzbart verdeutlicht das Thema sehr anschaulich, indem er sagt, dass man 70% Organfunktion verlieren kann und man selbst spürt nichts davon. Prävention wäre demnach, seinen Verstand einzuschalten, der einem möglicherweise sagt, dass Rauchen tötet, so dass ein etwaiger Abwärtstrend gestoppt oder zumindest gebremst werden kann:

Ist das nicht verrückt? Muss man sich etwa auf seinen Verstand verlassen um erkennen zu können, was einem gut tut und was nicht? Wie kommt es, dass Dinge, die einem ganz offensichtlich schaden, sich subjektiv gut anfühlen? Wie kann man es schaffen, dass das Gefühl wieder zuverlässig wird?
Ich denke, es ist genau diese Trennung von “ich denke so und so darüber” und “das fühlt sich so und so an”. Wieso diese Trennung? Ich spüre etwas und ich denke und beides zusammen (und noch einiges mehr) ergibt ein Gesamtbild. Wenn ich mich aber nur auf mein Gefühl verlasse, oder nur auf meinen Verstand, dann klammere ich womöglich wichtige Informationen einfach aus und erhöhe damit die Wahrscheinlichkeit von Fehleinschätzungen.
Vernünftig wäre es also, alle verfügbaren Informationsquellen zu nutzen und dann eine bewusste Entscheidung(!) zu treffen.
Ich freue mich auf Kommentare
Schnelle Veränderungen vs. Wachstum
Es gibt zwei Arten von Veränderungen:
evolutionäre und revolutionäre
Revolutionäre Veränderungen sind radikale, plötzliche Veränderungen. Es bedeutet, dass hinterher etwas vollständig Neues ist, etwas Unbekanntes, etwas Unvorhersehbares.
Evolutionäre Veränderungen könnte man auch als ‘Entwicklung’ bezeichnen: dahinter steckt das Wort ent-wickeln, etwas auswickeln, was schon vorhanden ist oder vorbereitet wurde.
Vielleicht kennen auch Sie Bücher, CDs, DVDs oder Seminare, die versprechen, dass sich das Leben grundsätzlich (revolutionär) verändern wird, sobald man auf ‘bestellen’ geklickt hat? Man schwebe danach in einem Zustand unendlich lange anhaltenden Glückes, des Sonnenscheines, blablabla. Das funktioniert allerdings nur in den seltensten Fällen. Und hier sind die Gründe warum das so ist:
Warum revolutionäre Veränderungen nicht funktionieren
- revolutionäre Veränderungen machen Angst
- deswegen ist das zunächst mal gar nicht soooo ‘toll’
- man befindet sich dann in einem (positiven oder negativen) Schockzustand
- sie sind nicht gehirn-gerecht
- sie lassen sich nicht erzwingen, sondern ‘geschehen’ wenn die Zeit (und die Person) reif dafür ist
Streben Sie evolutionäre Veränderungen an
Ich möchte noch kurz auf den Punkt “gehirn-gerecht” zu sprechen kommen. Kennen Sie das Wort ‘Neuroplastizität’? Nein? Dann erkläre ich es kurz. Im Gehirn gibt es je nach Autor ca. 100 Milliarden Gehirnzellen, die miteinander vernetzt sind. Diese Vernetzung geschieht mithilfe von Nervenbahnen. Manche Nervenbahnen sind dicker und leitfähiger als andere. Wenn wir etwas (um-)lernen, wird diese Nervenbahnstärke angepasst oder es werden neue Bahnen gebaut.
Und das braucht Zeit!
Setzen Sie sich ein Ziel und unterteilen Sie es in kleinere Teilziele. Durch diese ‘Politik der kleinen Schritte’ erreichen sie nach und nach die gewünschte Veränderung. Das kann auf zwei Arten geschehen:
- Rückblickend sagen Sie dann beispielsweise: “Das hätte ich mir damals nie vorstellen können, was sich da alles getan hat. Wenn ich meinen heutigen Zustand mit dem vor einem Jahr vergleiche…”
- Es sammelt sich eine kritische Masse an kleinen Veränderungen an und wenn die Zeit reif ist -bummm – geschieht eine (vorbereitete) revolutionäre Veränderung:

Und hier noch Buchtipp u.a. zum Thema Neuroplastizität:
Spitzer, Manfred: Geist im Netz: Modelle für Lernen, Denken und Handeln
Copyright Bild oben: © Gerd Altmann (geralt) /PIXELIO
Was ist Originalität?
Auf dieser Seite habe ich dieses spannende Zitat gefunden:
“So viele Menschen verwechseln grobe Fehlkoordination mit Originalität.”
Patrick Macdonald (in: “The Alexander Technique as I See It“)
Dazu sag ich Amen
Von Musikern höre ich hin und wieder das Argument, dass man offen und spontan sein müsse, man müsse im Fluss oder “Flow” sein, ja sogar, dass man die Angst überwinden müsse und ins Unbekannte springen, damit etwas Neues, etwas Einzigartiges entstehen könne.
Und das sehe ich ganz genau so!
Und dann muss ich mir ansehen Und dann zeigen sie mir, was sie damit meinen. Und was glauben Sie sehe ich da? Die selben Menschen, die von Offenheit, Spontanität, Fluss und von ‘ins Unbekannte springen’ sprechen, gehen gar nicht mal sooo gut mit sich selbst um, während sie selbst glauben ‘ganz offen und spontan’ zu sein.
Wow und das haut mich zum Teil echt um! Da wird sich verbogen und verspannt, dass Gesicht verzerrt, weil man dadurch das richtige ‘feeling’ kriegt, usw. Auf deutsch: die machen alles das, was Offenheit verhindert!!! Und das Beste daran ist, dass sich das subjektiv spontan und offen anfühlt. (Da frage ich mich doch gleich mal wieder, an welchen Stellen ich selbst denn so völlig daneben liegen könnte…) Ist das spannend?
Was lernen wir daraus?
Ich persönlich finde daran spannend, dass es momentan ja “in” ist von der Macht des Unterbewussten zu sprechen, die Rolle des Verstandes zu degradieren, stattdessen seinem “Gefühl” zu vertrauen und sich davon leiten zu lassen. Und diese Idee wäre auch gar nicht so verkehrt, wenn man seinem Gefühl denn trauen könnte
Wie wir an obigem Beispiel (übrigens beliebig oft reproduzierbar) sehen können, liegt das “Gefühl” aber bei den meisten Menschen leider daneben.
Der Grund, warum Gewohnheiten oft so schwer zu verändern sind, ist ja der, dass
- das Bekannte (die Gewohnheit) sich richtig anfühlt
- das Unbekannte sich dann logischerweise falsch anfühlt
Und niemand, der etwas gut oder richtig machen will, wird jemals auf die Idee kommen etwas zu tun, was sich falsch anfühlt. Also wird er immer im alten, bekannten, sich richtig anfühlenden Tun steckenbleiben.
Ja und da scheint es mir doch so zu sein, dass wir letzten Endes halt doch unseren Verstand bemühen müssen. Das heisst wir müssen unser Denken trainieren, damit wir
- das alles überhaupt erkennen können
- und schliesslich die “falsche” Art etwas zu tun, unterbinden können.
Dann, und nur dann, kann wirklich etwas Neues entstehen! Das nenne ich Originalität!
An der Stelle sei mal wieder ein Zitat von F.M. Alexander erlaubt:
“Jeder will es richtig machen, aber keiner hält an und überlegt, ob seine Vorstellung von “richtig” die richtige ist.”
Das ist der erste Schritt einer jeden echten Veränderung.
Bild ©RainerSturm / PIXELIO
Der Pinguin in der Wüste
Ich habe mir gerade auf Frank Obels “feel-better-blog” ein super Video von Dr. Eckart von Hirschhausen angeschaut. Darin findet sich eine geniale Metapher! Es geht um (Vor-)Urteile, Veränderung, unsere Stärken und darum, was unsere sogenannten Schwächen vielleicht mit unserer Umgebung zu tun haben könnten.
Schauen Sie sich hier erst mal das Video an:
Es war insbesondere diese Stelle, die mich so begeistert hat:
“…und wenn ich Pinguin bin und in der Wüste mich aufhalte, dann liegt’s nicht an mir wenn’s nicht flutscht. Ich muss nur kleine Schritte machen zu meinem Wasser und dann muss ich springen und dann weiss ich, wie sich das anfühlt, in meinem Element zu sein.”
Das ist doch sowas von genial, oder? Ich kann es noch gar nicht fassen
Ich hatte über das Thema schon öfters nachgedacht und stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, in meine Betrachtungen immer auch den Kontext bzw. das System mit einzubeziehen. (Für die “Gebrauch des Selbst“-Leser: “to analyse the CONDITIONS of use present”)
Sonst finde ich massenhaft “Fehler” bei mir, die ich dann schlauerweise auch noch zu beheben versuche
In Zukunft werde ich an solchen Stellen wahrscheinlich laut lachen und denken: “PINGUIN”
Unterricht als Dienstleistung?
Auf dem Persönlichkeits-Blog von Roland Kopp-Wichmann fand ich folgenden Text von dem dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard:
“Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.”
(Søren Aabye Kierkegaard: Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst; 1859)
In diesem Text hat mir der Gedanke, dass die Leistung des Lehrer vor allem darin besteht, dem Schüler zu dienen, besonders gut gefallen. In diesem Sinne ist Unterricht wirklich eine Dienst-leistung.
Das passt perfekt zu meinem Verständnis von (Alexander-)Unterricht. Und anders ist es meiner Erfahrung nach auch gar nicht möglich, dass ein Schüler sich und sein Verhalten in der gewünschten Weise verändert, denn echte Veränderung kann NIE von aussen kommen, sondern muss in einem selbst entstehen. Unterricht soll den Rahmen bieten, in dem die gewünschte Veränderung möglichst leicht geschehen kann. Ich möchte die im zitierten Text genannten “Stationen” nochmals für eine Unterrichtsstunde zusammenfassen:
- die Welt des Schülers verstehen
- von dort aus einen Weg zu neuen Ufern aufzeigen
- den Raum offenhalten, damit die gewünschte Veränderung geschehen kann
In diesem Sinne möchte ich hier auch die Vorgehensweise, wie Sie F.M.Alexander in The Use Of The Self beschrieben hat, interpretieren:
- to analyse the conditions of use present;
- to select (reason out) the means whereby a more satisfactory use could be brought about;
- to project consciously the directions required for putting these means into effect.
Diese drei Punkte sind natürlich nicht nur für Lehrer und Therapeuten genial, sondern für jeden, der selbstständig irgend etwas in seinem Leben, in seinem Denken und Handeln verändern will.
Alexander-Technik im Liegen
Sind Sie manchmal verspannt oder erschöpft? Oder wollen Sie wissen, was Sie tun können um die natürliche Spannung in Ihrem Körper besser zu verteilen? Dann sollten Sie gleich weiterlesen.
10 oder 15 Minuten pro Tag auf dem Boden zu liegen, ist eine der nützlichsten Dinge, die Sie für Ihren Körper tun können. Hier habe ich für Sie die Vorteile aufgelistet:
- Sie können Sich komplett entspannen
- die Bandscheiben regenerieren sich
- Sie können Ihre maximale Ausdehnung erfahren
- Sie lernen, Ihre Muskelspannung durch Ihre Gedanken zu steuern
- Sie lernen Ihren Körper besser kennen
- Sie nehmen sich Zeit FÜR SICH
- Sie können Ihre Selbstwahrnehmung im Alltag erhöhen
Wie geht das?
Legen Sie sich auf den Rücken auf eine Matte.

Legen Sie den Kopf auf ein paar Bücher

und zwar so,
dass der Kopf nicht nach hinten kippt

oder der Nacken überstreckt ist.

Winkeln Sie die Beine an, denn damit können Sie Ihre Hüfte so hinlegen, dass auch der untere Rücken entspannen kann. Wenn Sie wollen, können Sie Antirutschsocken anziehen, oder einen Teppichstopp unter die Füße legen. Das ist dann die „Luxusversion“
Legen Sie Ihre Hände auf Ihren Bauch. Das ist die bequemste Position, weil dann auch die Schultern besser loslassen können.
Und dann?
- Erlauben Sie Ihrem ganzen Körper sich auf den Boden auszubreiten
- Wenn Sie ein gutes Körperbild haben, dann stellen Sie sich Ihren Körper als Ganzes vor
- Machen Sie sich klar, wo die Gelenke sind und dass alle frei beweglich sind
- Stellen Sie sich vor, wie es wohl wäre, wenn Sie hier und da noch ein bischen loslassen würden
- Sie sollen nichts “tun“. Stellen Sie es sich nur vor(!) und vertrauen Sie darauf, dass das alles ist, was Sie tun müssen. Also nicht überprüfen oder spüren, sondern nur „denken“.
- Wenn Sie also mal geglaubt haben, dass Sie etwas ‘tun’ müssten, um sich zu entspannen, dann ist Ihnen jetzt womöglich klar geworden, dass das nicht funktionieren kann, weil etwas zu ‘tun’ das Gegenteil von ‘loslassen’ ist…
Diese Übung können Sie z.B. alleine zu Hause oder wo auch immer durchführen um Ihre persönliche “Reset-Taste” zu drücken oder um Energie zu tanken oder auch einfach nur deswegen, weil Sie sich etwas Gutes gönnen wollen.
Tischarbeit
Im Alexander-Technik Unterricht gibt es diese Übung auch und da heisst sie “Tischarbeit” (weil Sie da auf einem Tisch liegen).

Hier leitet Sie der Alexander-Technik-Lehrer an und demonstriert Ihnen mit seinen Händen einen guten Selbstgebrauch.
Dadurch wird die Übung sehr effektiv und Sie profitieren später immer wieder davon, auch wenn Sie die Übung allein durchführen, weil Sie durch den Unterricht einen neuen Referenzpunkt zu Selbsteinschätzung bekommen haben werden.
Spannendes Lesefutter!
1985 wurde das (englischsprachige) Direction Journal gegründet – eine unabhängige Zeitschrift für Alexander-Technik. Nach finanziellen Problemen wurde das Projekt bisweilen eingestellt. Jetzt gibt es das Direction Journal wieder. Zunächst nur im Internet unter http://www.directionjournal.com/.
Sie können sich ein Bild vom Direction Journal machen, indem Sie hier ein gratis Exemlar bestellen. Einfach Name und email-adresse eingeben und sie bekommen einen link zum herunterladen in Ihr Postfach. Das Dokument enthält folgende Artikel:
- Living in the Present
by Hella Linkmeyer- Butterfly Soup
by Vivien Mackie- Of One Mind
by Suzanne Faulkner- What Role Can the Alexander Technique Have in Business?
by David Horsman (Interview mit Michael Gelb)
- A Spiritual Path
by Wade Alexander- Mr Macdonald
by Shoshana Kaminitz
Momentan gibt es eine Mitgliedschaft noch zwei Monate fast gratis zum Preis von 1$. Für diesen Preis können Sie neun(!) Direction Journals aus dem Archiv als pdf herunterladen. Daneben gibt es noch ein Audio Archive mit diversen Live Interviews, sowie diverse Congress Papers.
Ich habe in den Direction Journals, die ich “in echt” besitze viele intersessante Artikel gefunden und werde bestimmt auch in den jetzt heruntergeladenen Dokumenten den einen oder anderen Artikel finden, der mich interressiert. Natürlich könnte ich jetzt, nachdem ich alles heruntergeladen habe gleich wieder kündigen. Ich werde allerdings auch nach Ablauf der 1$-Aktion Mitglied bleiben, weil ich das Projekt unterstützenswert finde und mir den einen oder anderen Denkanstoss aus den kommenden neuen Heften erwarte.
Nachtrag 20.3.09
Ich habe inzwischen mehrere emails mit dem Herausgeber des Direction Journals, Paul Cook, gewechselt. Jetzt kann ich sagen: Sehr spannend, was da für die nächsten Ausgaben geplant ist. Ist das jetzt Werbung? Ja klar
Bild: © Hans-Peter Häge / PIXELIO
Selbstgebrauch
Ich hatte hier schon mal ein wenig über das Thema “Gebrauch des Selbst” geschrieben. Jetzt habe ich auf Maggy Breuers website eine genial einfache und sehr griffige Beschreibung dafür gefunden:
Es ist jedem selbstverständlich, dass das Funktionieren einer Maschine mit davon abhängt, ob sie ihrer Bestimmung gemäss eingesetz wird oder nicht. Dass auch die Arbeitsweise der eigenen Person mit diesem Faktor in Zusammenhang steht, liegt dagegen oft ausserhalb unseres Bewusstseins.
Genial, oder? Daraus ergeben sich natürlich sofort einige weitere spannende Fragen, z.B.:
- Warum ist uns unser Gebrauch nicht bewusst?
- Wie können wir ihn uns bewusst machen?
- Wie können wir ihn verändern? oder: Sollten wir ihn überhaupt verändern?
- Gibt es einen ‘optimalen’ Gebrauch?
- Kann ich meinen Gebrauch wirklich bewusst steuern?
- Wieso wird dieser eigentlich offensichtliche Zusammenhang von ‘Gebrauch und Funktion’ von nur so Wenigen erkannt?
In einem der kommenden posts werde ich versuchen einige dieser Fragen zu beantworten. Oder haben Sie etwa schon eine Idee für eine oder mehrere Antwort(en)? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!
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Durch Maggy Breuer, bei der ich zur Zeit meines Musikstudiums viele viele erlebnis-, entdeckungs- und lehrreiche und nicht zuletzt vergnügliche Alexander-Stunden geniessen durfte
, habe ich übrigens auch die spannende WeightCommitment-Arbeit von Michael Protzl kennengelernt. Hierzu schreibt Breuer:
Wir verlieren schon in frühester Jugend jede Vorstellung davon, was müheloses Aufrechtsein bedeutet.
Und genau das verspricht die WeightCommitment-Methode uns wieder beibringen zu können. Ich selbst hatte einige Einzelstunden bei Protzl und war dann bei einem Wochenendworkshop. Ich kann sagen, dass das, was Protzl da entdeckt zu haben behauptet, wirklich sehr wirksam ist, so dass der Unterricht bzw. Workshop viele positive Veränderungen nach sich gezogen hat.
Einen kurzen Einblick in die Methode finden Sie beispielsweise in diesem pdf-Dokument oder besuchen Sie Michael Protzls website (etwas Geduld beim Laden der Seite…)
Bild: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO
Blogverzeichnis
Robert Rickover hat letzte Woche ein Verzeichnis für Alexander-Technik-Blogs gegründet:
Sie finden es hier oder hier:
www.alexandertechniqueblogs.com
Mein deutscher blog “Leichtigkeit lernen” und mein finnischer “Alexander-tekniikan blogi” sind auch vertreten
Weniger ist mehr
Peter Ruhrberg hat eine exzellente Einführung in die Alexander-Technik mit dem Titel “Weniger ist mehr” geschrieben. Auf seiner website bietet er das 26-seitige Dokument gratis als pdf-download an. Es ist nach meinem Empfinden von bestechender Logik und in einem klar verständlichen Schreibstil verfasst. Es ist eine der besten Einführungen in die Alexander-Technik, die ich im Internet bisher gefunden habe.
Hier zunächst ein Überblick über die Inhalte, damit Sie wissen, ob der Artikel für Sie überhaupt interessant ist:
Was ist Alexander-Technik?
Der Ansatz
Anwendungsbereiche
Geschichte und Methodik
Definition “Alexander-Technik”
Ein Gedanke zum Auftakt
Zwei Entdeckungen Alexanders
Weitere Erkenntnisse in Alexanders Arbeit
Grundannahmen der Alexander-Technik
Die Aufgabenstellung
Alexanders Weg der Selbstschulung
Der Alexander-Unterricht
Quellen
Wer das Buch “What You Think Is What You Get” von Donald L. Weed kennt wird deutliche Paralellen erkennen können. Wenn Sie es es also mit dem Englischen nicht so haben sollten, können Sie ruhig erstmal Ruhrbergs kostenlose Einführung lesen, bevor Sie Weeds Buch lesen. Dann sind Sie schon mitten drin im Thema.
Was mir besonders gut gefallen hat, sind die vielen nützlichen (In-)Fragestellungen, die einen erfrischend neuen Zugang zum Verständnis der Alexander-Technik eröffnen können.
Auch wenn es den Lesefluss nach meinem Empfinden etwas stört, so kann ich es inzwischen doch sehr wertschätzen, dass Ruhrberg für (fast) jede einzelne Aussage eine oder meist sogar mehrere Quellenangaben macht. Diese Quellenangaben konnte ich jedoch nutzen, um mir einige Aussagen aus Alexanders Büchern auf eine neue Art und Weise zu erschliessen, sie zu hinterfragen und somit Neues zu lernen. Ich habe davon sehr profitiert.
Peter Ruhrberg: Weniger ist mehr – Eine Einführung in die F.M.Alexander-Technik
.:.
Neben weiteren interessanten Artikeln, findet sich auf der website ausserdem noch ein Plädoyer für das wiederholte, genaue Lesen von F.M.Alexanders Büchern, das sich im Besonderen (aber nicht nur) an Lehrer der Alexander-Technik zu richten scheint. Ruhrberg schreibt:
“Als Kinder hatten meine Spielgefährten und ich großen Spaß bei einem Spiel, das noch heute unter dem Namen „Stille Post“ bekannt und verbreitet ist. Inzwischen gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen über die Unzuverlässigkeit und die Verfälschungen, die mit einem solchen lediglich mündlichen Prozess der Weitergabe von Informationen, Kenntnissen und Fähigkeiten einhergehen. Ich wäre nicht sehr glücklich darüber, wenn die Präzision und Glaubwürdigkeit dessen, was Alexander über seine Ideen und seine Lehre mit größter Sorgfalt schriftlich zu formulieren versuchte, über längere Zeit hauptsächlich von einer solchen Art und Weise der Weitergabe abhängig bliebe – vor allem, wenn es nicht wirklich nötig ist.“
Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke ausserdem, dass sich das Lesen des “Orginals” und Gedanken, die man in Sekundärliteratur und/oder Unterrichtsstunden kennengelernt hat, sich gegenseitig zu bereichen vermögen. Aber eben erst dann, wenn man die Primärliteratur wirklich auch gründlich studiert hat! (in dem Fall wäre weniger dann ausnahmsweise mal nicht mehr
)
Wieso sollte es überhaupt am Studieren der Primärliteratur scheitern? Hierzu bemerkt Ruhrberg:
So gibt es nach wie vor Alexander-Lehrer und -Schüler, die Alexanders Schreibstil zu kritisieren oder zu verteidigen versuchen, und dabei kommen oft Argumente ins Spiel wie: „unverstehbare Sprache“, „viktorianischrationalistisches Denken“, „gewundene Ausdrucksweise“, „zu formaler, hochtrabender, geschwollener Stil“, „veraltete Ideen“, „gefährliche Irrtümer“ und immer wieder „Alexanders Sätze finden einfach kein Ende“.
Ich selbst finde es immer wieder spannend in Alexanders Büchern zu lesen. Im Lichte neuer Erfahrungen, die ich (seit dem letzen Lesen) gemacht habe, kann ich immer wieder Neues entdecken, dass da “vorher noch nicht stand”. Zumindest habe ich es nicht, oder nicht in dieser Weise wahrgenommen.
Das ist, was Tor Noerretranders in seinem genialen (und leider seit Jahren vergriffenen) Buch Spüre die Welt als Ex-formation (im Ggs. zur In-formation) bezeichnet hat: je durchdachter und damit “gehaltvoller” ein Text ist, desto mehr Information wurde aussortiert und desto reichhaltiger wird ein Text empfunden, weil der Leser die aussortierte Information selbst ergänzen muss (=denken), und den Text somit automatisch mit Leben füllt. Und genau darum geht es doch letzten Endes: den Text mit Leben zu erfüllen.
Ruhrberg bietet z.Z. auf seiner website übrigens einen “Lesekurs zum Verständnis der Schriften von F.M. Alexander” an. Wenn ich nicht knapp 2000km entfernt wohnen würde, würde ich bestimmt hingehen. Vielleicht gibt’s das ja irgendwann mal als Online-Kurs? Wäre bestimmt sehr spannend…
Bild: © slicer/ PIXELIO
Alexander-Technik und Lampenfieber
Nachdem ich letzte Woche bereits einen Artikel zum Thema Lampenfieber vorgestellt hatte, folgt auch sogleich ein weiterer.
Die Leiterin der Schule für Alexander-Technik Freiburg, Aranka Fortwängler, hat mir letze Woche als Kommentar geschrieben, dass sie auf der website der Schule einen Artikel mit dem Titel “Die Alexander-Technik und Lampenfieber” anbietet. Ich habe den Artikel schon vor einigen Jahren gelesen und finde ihn sehr interessant und lehrreich.
Und er hat mir die Augen für einen bestimmten Aspekt von Lampenfieber geöffnet, dessen Verständnis mir seeeehr viel gebracht hat. Darüber möchte ich heute schreiben:
Was soll das eigentlich alles?
Lampenfieber ist die Wahrnehmung von den Folgen eines Ansteigens des Adrenalinpegels.
Adrenalin ist Energie!
Jetzt hätte ich da mal ne Frage an Sie: Brauchen Sie für einen Auftritt, eine Präsentation usw. mehr, weniger oder gleich viel Energie wie z.B. beim morgentlichen Zähneputzen? Na also!
So gesehen scheint das doch eine sinnvolle Sache zu sein dieses “Lampenfieber”, das normalerweise einen verdammt schlechten Ruf hat, finden Sie nicht auch?
“Dies alles ist an und für sich normal und den besonderen Anforderungen der Situation angemessen – wir brauchen mehr Energie, um so eine Aufgabe erfolgreich meistern zu können. Problematisch wird es erst, wenn wir diese Reaktionen als unangenehm oder gar bedrohlich empfinden.”
Und das gilt unabhängig davon, ob Sie Redner, Lehrer, Schauspieler, Musiker sind, ob Sie eine Präsentation geben, in einem Meeting oder in einer Prüfung sind, sich irgendwo bewerben oder der Frau ihrer Träume ihre Liebe gestehen
Lampenfieber hat einen bestimmten (positiven) Sinn und Sie als ganze Person reagieren darauf – in einer günstigeren oder ungünstigeren Art und Weise. Punkt. So einfach!
Darum helfen übrigens auch die meisten gutgemeinten Tips und Tricks gegen Lampenfieber in der Regel nicht. Warum? Weil sie eben genau dieses Kernthema(?) nicht berücksichtigen. Worum also geht es?
Lampenfieber loswerden?
Es geht um die innere Einstellung. Wie interpretieren wir das Lampenfieber? Wie bewerten wir das Lampenfieber? Wie reagieren wir auf das Lampenfieber?
Sollten wir das Lampenfieber nämlich loswerden wollen, so ergibt sich ein innerer Konflikt:
- ein Teil will Energie liefern, damit wir uns ausdehnen und ausdrücken können
- ein anderer Teil will die Kontrolle behalten und diese ganze Aufregung unterdrücken, versucht also auf die Bremse zu treten
Wir haben also folgende Situation:
Energiebremse (Kontrollieren) gegen Energielieferung (Lampenfieber)
Wenn Sie also ihr Lampenfieber besiegen oder loswerden wollen, so heisst das, dass Sie Energie aufwenden um weniger Energie zu haben…
Also ich muss sagen, Sie haben da ein echt interessantes Konzept
Die Folgen sind leider eine gigantische Energieverschwendung bis hin zur Handlungsunfähigkeit.
Ausserdem schwirrt in Esoterikkreisen (der ‘seriösen’ Art) immer mal wieder der Satz “Was du bekämpfst das machst du stärker” durch die Luft. Wenn dieser Satz zuträfe (und ich bin überzeugt, er trifft zu), dann würde das ja bedeuten, dass alle Maßnahmen die sich gegen das Lampenfieber richten, letzten Endes alles nur noch schlimmer machen würden… Was also tun?
Lernen Sie das Lampenfieber zu nutzen!
In genannten Artikel skizziert Fortwängler, was die Alexander-Technik ist und wie Sie sie mit ihrer Hilfe lernen könnten, dieses Lampenfieber, diese zusätzliche Energie, die sooooo unsteuerbar scheint, FÜR SICH und Ihre Intentionen ZU NUTZEN. Wie das gehen soll erfahren Sie im Artikel. Indem Sie ihren Umgang mit sich selbst verändern, verändern Sie indirekt auch ihren Umgang mit Lampenfieber.
“Und was hat sich am Ende an unserer Aufregung verändert? Wahrscheinlich gar nichts – wir sind weiterhin aufgeregt — aber wir können jetzt die Aufregung unter Umständen sogar genießen. Wir können sie und uns als einen Teil des Geschehens annehmen, als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen.”
Lampenfieber als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen? Die Aufregung genießen? Finden Sie das etwa erstrebenswert?
Dann ist der link zum Artikel:
Die Alexander-Technik und Lampenfieber
.
P.S. Haben Sie auch etwas zum Thema Lampenfieber zu sagen? Dann schreiben Sie mir doch einen kurzen Kommentar! Gerne auch mit link-Tips
Bild: ©Kurt Michel/ PIXELIO
Somato-psychische Lernprozesse
Das Buch Gesundheit – Lernen – Kreativität, erscheint im März in seiner zweiten Auflage. Der Verlag schreibt darüber, es sei
Ein Versuch von Vertretern der drei wichtigsten «neuen Körpertherapien», Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen: von den methodenübergreifenden Grundlagen bis zu Anwendungen in Therapie, Pädagogik und Kunst.
Ich selbst habe es in meinem Bücherregal stehen und kann es wärmstens empfehlen. Darin werden die drei folgenden Methoden besprochen:
- Alexander-Technik
- Eutonie Gerda Alexander
- Feldenkrais
Michael Fortwängler bietet auf der, übrigens auch sonst sehr informativen website “Ausbildung für Alexander-Technik -Düsseldorf” einen knapp 30-seitigen Auszug aus genanntem Buch an, in dem die Alexander-Technik beschrieben wird.
Hier ein grober Überblick:
- Einleitung
- Die ersten Unterrichtsstunden
- Eineinhalb Jahre Alexander-Unterricht – Erfahrungsbericht der 25-jährigen Musikerin Sibylle B.
- Die Entwicklung der Alexander-Technik
- Grundannahmen der Alexander-Technik
- Grundbegriffe der Alexander-Technik
- Die Gestaltung der Lernprozesse
- Die Arbeitsweise im Unterricht
- Die Anwendungsmöglichkeiten der Alexander-Technik
- Das Berufsbild des Lehrers, der Lehrerin der Alexander-Technik
- Literaturliste zu diesem Beitrag
Besonders gut gefallen haben mir die konkreten Beispiele. Es werden einige “reale” Fälle beschrieben, was einen sehr guten Einblick vermitteln kann. Dem nachgestellt sind theoretische Erklärungen der Grundprinzipien der Alexander-Technik. Wie ich aus Rückmeldungen weiss, können besonderes Einsteiger, mit den “realen” Erlebnissen im Hinterkopf, die Prinzipien sehr praxisnah verstehen, auch wenn sie selbst noch keine eigenen, praktischen Erfahrungen haben.
Fazit: sehr lesenswert
.:.
Hier geht’s zum Artikel:
Die Alexander-Technik als Methode zur Gestaltung somato-psychischer Lernprozesse
Und hier geht’s zum Buch:
Lampenfieber auflösen?
Ich bereite gerade einen Workshop zum Thema Lampenfieber vor. Drum lese ich mal wieder diverse Bücher und stöbere im Netz nach nützlichen Artikeln zum Thema.
Mal wieder? Ich habe in meiner Musikerlaufbahn sehr mit dem Phänomen Lampenfieber zu kämpfen gehabt, was so weit ging, dass gar nichts mehr ging
Sprich ich stand auf der Bühne und hatte so heftiges Lampenfieber, dass aus meiner Trompete nur noch – ich will es mal als “Geräusche” bezeichnen - kamen, also weit entfernt also von Tönen, Klängen, geschweige denn Musik…
Ich weiss also aus eigener Erfahrung um was es geht und ich habe in einem langen Prozess gelernt, dass ich das Lampenfieber gebraucht habe, um bestimmte Dinge über mich lernen zu können. Somit bin ich heute sogar dankbar für mein Lampenfieber damals! Im Nachhinein lässt’s sich zwar leicht reden, aber in sogenannten Problemen steckt immer die Chance zu wachsen (Drum heissen die ja PRO-bleme und nicht CONTRA-bleme).
Inzwischen fühle ich bei Auftritten eine ganz andere Nervosität, eher zu beschreiben als Aufregung oder aufregende Vorfreude, was dazu führt, dass ich dann saugut spiele
.
Das Wort Lampenfieber leitet sich übrigens von dem Wort “Kanonen-fieber” her, das Goethe anässlich der Kanonade von Valmy 1792 beschrieb: das Pfeifen der herannahenden Kanonenkugeln versetzte die Soldaten in einen gar merkwürdigen Rausch. 1858 tauchte dann der Begriff “Lampenfieber” erstmals in der Theaterwelt auf. (Quelle: Irmtraud Tarr: Vom Lampenfieber zur Vorfreude)
In werde in unregelmässigen Abständden hier einige lesenswerte Artikel, Bücher und Methoden zum Thema Lampenfieber vorstellen. Los geht’s mit dem hier:
Was man gegen Lampenfieber tun kann
Die Alexander-Technik-Lehrerin und Begründerin der sogenannten Bodymapping-Methode – Barbara Conable – hat einen lesenswerten Artikel verfasst, der sich mit dem Thema “Lampenfieber bei Musikern” auseinandersetzt. Sie geht von vier verschiedenen Arten des Lampenfiebers aus:
- Schmetterlinge
- Gehemmtheit
- Empfindungen im Zusammenhang mit ungenügender Vorbereitung
- Schwächende Angst, Schrecken, Grauen, Panik
Nr.1 beschreibt positives Lampenfieber, auch gelegentlich als Eu-Stress bezeichnet. Darüber kann man sich riesig freuen, weil das die Leistungsfähigkeit erhöht.
Für alle weiteren Punkte (negatives Lampenfieber) gibt Conable hilfreiche Tipps und Strategien, wie man entweder präventiv daran arbeiten kann, oder wie man das Problem Lampenfieber ein für alle Mal lösen können soll.
Besonders interessant fand ich einen Absatz in dem Conable über den kulturellen Zusammenhang, in dem Lampenfieber entsteht, schreibt. Hier einige Beispiele:
Es ist auf der Welt ziemlich ungewöhnlich, daß ein Publikum in Reihen sitzend einer Bühne zugewandt ist und nichts weiter zu denken hat.
Tja, alle Augen und Ohren starren auf den Musiker und registrieren und verurteilen beurteilen jede kleinste Unstimmigkeit. Warum können die das überhaupt beurteilen? Conable liefert die Antwort:
Heutzutage besitzen viele Leute CDs von der Musik, die zur Aufführung gebracht werden soll. Noten, die der Komponist nicht geschrieben hat, sind auf der CD korrigiert worden und deshalb sind die Ohren des Publikums auf ein technisches Niveau ausgerichtet, das völlig unrealistisch ist.
Hmmm, da wird also ein Student oder ein Musiklehrer mit den weltbesten Musikern verglichen und mit youtube ist das heutzutage ja noch einfacher. Da kann man ja eigentlich nur verlieren…
Man kann den Status, den Musiker in unserer Kultur haben mit einem Wort beschreiben: niedrig.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Mit diesen und weiteren Beispielen verdeutlicht Conable, dass Lampenfieber bei Musikern viele Ursachen haben kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Denkweise allein schon eine enorme Erleichterung darstellen kann, ist man doch nicht mehr (nur) selbst “Schuld” an seiner Angst und dann kann man, vielleicht schneller als man denkt, erkennen, dass das mit Schuld rein gar nichts zu tun hat…
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Den Artikel “Was man gegen Lampenfieber tun kann” hat die Alexander-Technik-Lehrerin Sibylle Wenzel übersetzt und stellt die deutsche Übersetzung auf Ihrer website gratis zum download zur Verfügung.
Hier ist der link zum englischen Original.
Bild: ©RainerSturm / PIXELIO
Alexander-Technik (1/8)
Normalerweise wird Vererbung als der Faktor genannt, der unsere Möglichkeiten bestimmt und Umwelt als der Faktor, der das Ausmaß bestimmt, in dem wir sie verwirklichen. Im Modell der Alexander-Technik gibt es noch einen dritten Faktor, und die Alexander-Technik hilft ihnen diesen Faktor für Sie statt gegen Sie arbeiten zu lassen. Wollen Sie diesen Faktor kennen- und nutzen lernen? Wollen Sie ihr Potenzial voll ausschöpfen?
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Was ist Alexander-Technik?
Die Alexander-Technik untersucht die Beziehung zwischen Denken und Handeln. Sie geht der Frage nach, wie wir unser Denken disziplinieren können, damit sich die Vorteile der natürlichen Gegebenheiten unseres Organismus’ mit Hilfe bestimmter Prinzipien voll entfalten können.
Alexander-Technik wird unterrichtet und bedingt somit die aktive Teilnahme seitens des Schülers. Sie ist also keine Therapie, sondern eine Lernmethode. Die Vorgehensweise ist in ihren Grundzügen genau wie die wissenschaftlichen Methode:
- Aktivität ausführen
- Beobachten / Informationen sammeln
- einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
- eine Wahl treffen
- Aktivität auf neue Weise ausführen
Diese in der Theorie einfache Vorgehensweise ist der Schlüssel zu einer spannenden Entdeckungsreise tief in ihr Innerstes. Sie werden auf dieser Reise mit ihren tiefsten und hartnäckigsten Gewohnheiten und Glaubenssätzen konfrontiert werden, diese verändern können und werden so mehr und mehr zu dem Menschen, der Sie wirklich sind.
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Ich möchte Ihnen zunächst erzählen, nach welchen Prinzipien wir in der Alexander-Technik vorgehen, um das Ziel, die Entfaltung ihres Potentials, zu erreichen.
Was bedeutet das eigentlich, “ihr Potential entfalten”? Zur Verdeutlichung möchte ich ihnen kurz ein Modell vorstellen, dass ich bei Vera F. Birkenbihl gefunden habe:

Wir alle sind mit einem Potential “P” auf die Welt gekommen und hätten eigentlich zu einem “homo sapiens” werden können, wäre da nicht etwas dazwischen gekommen, was wir “Erziehung” nennen. Diese Erziehung hat uns “normal”=durchschnittlich gemacht. Das ist aus gutem Grund geschehen, denn ohne gesellschaftliche Spielregeln, kann das Zusammenleben nicht gut funktionieren.
Mit Hilfe der Alexander-Technik können Sie daran arbeiten, sich wieder zu entfalten um schließlich zu dem Menschen werden, der Sie sein könnten…
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Alexander-Technik (2/8)
Prinzip 1: Ganzheitlichkeit
Ist Lesen ein rein geistiger Vorgang?
- Ja
- Nein
Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mit ein paar leicht nachvollziehbaren Gedanken aus den Bereichen Physik, Philosophie und Spiritualität beginnen. Sind sie einverstanden?
F.M.Alexander, der Begründer der Alexander-Technik hat behauptet, dass der Mensch ein Organismus ist, in dem alle geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse untrennbar miteinander verbunden sind. Wir sind ganzheitlich! Jede noch so kleine Veränderung eines Teils verändert das Gesamtsystem. Diese Behauptung wird durch aktuelle neurobiologische Forschungsergebnisse bestätigt
Warum wird dann überhaupt zwischen Körper und Geist unterschieden? Nun, wir haben gelernt die Welt so wahrzunehmen. Dazu ein Zitat von Carlos Castaneda:
“Jeder, der mit einem Kind in Kontakt kommt…, erklärt die Welt unaufhörlich, bis zu jenem Augenblick, da das Kind die Welt so wahrnehmen kann, wie sie ihm erklärt wurde… Von [nun] an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung der Welt und es erreicht… die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, all seine Wahrnehmungen so zu deuten, dass sie mit diesen Beschreibungen übereinstimmen und sie dadurch bestätigen.”
Körper und Geist zu trennen ist zum Zweck der Analyse sehr hilfreich. Um die Welt beschreiben zu können, müssen wir vereinfachte Modelle von ihr entwickeln. Finden Sie es auch so spannend wie ich, dass die Trennung von Körper und Geist in unserer Sprache so fest verankert ist, dass ich keine andere Möglichkeit habe als zu sagen: “Es gibt Körper und Geist (=Trennung) und die gehören übrigens zusammen.” Spannend, nicht wahr?
Zurück zur Eingangsfrage: “Lesen” ist also weder ein “rein geistiger” noch ein “rein körperlicher” Vorgang, genausowenig wie Sprechen, Tanzen, Klavier spielen, Emails schreiben, Fernseh schauen usw. Es ist IMMER der ganze Organismus, der als Einheit arbeitet.
- Wenn Sie dem widersprechen wollen, dann schreiben Sie einen Kommentar! Ich freue mich immer über fruchtbare Diskussionen.
- Wenn sie es nicht nur theoretisch verstehen wollen, sondern lernen wollen, wie sie die Alexander-Technik im täglichen Leben nutzen können, dann vereinbaren Sie eine Einzelstunde bei einem gutem Alexander-Technik-Lehrer!