Archiv für die Kategorie „Alexander-Technik“
Linktipp: Veränderung vs Transformation
Nils Koroschek hat einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, dem ich voll zustimme. Unbedingt lesen!!!
Empfehlung: Kurs “Neurobiologie und Alexander-Technik”
Ferienkurs in der Toskana
Für Alexander-Lehrer, Studenten & „Neulinge“
14. – 21. August 2010
in “Il Poggio” San Vicenzo a Torri (ca. 1h von Florenz)
Kursleitung:
Dr. Joanna Otto & Rosa Luisa Rossi
Dipl. AT-Lehrerinnen ATDV & SVLAT/ATI
“Wir lernen und erfahren in diesem Kurs, wie unser Denken, Fühlen und Handeln, also auch unsere Reaktionen auf Reize, geprägt sind von unserem Wissen, unserer Erfahrung und unserer Aufmerksamkeit und lernen, wie wir mit den Mittel der Alexander-Technik unser Gehirnpotential, d.h. unser Lernen fördern können.”
So, jetzt “tweete” ich also auch. Hier ist mein Twitter-Profil: http://twitter.com/alextekniikka Ich bemühe mich interessante links zusammenzustellen, die zu den Themen hier im blog passen. Also ich denke es lohnt sich mir zu “followen”
Ich habe festgestellt, dass es sich lohnt da mitzumachen, denn die Leute, denen ich folge, schreiben häufig interessante Sachen und ich finde neue, spannende websiten.
Frohes Fest!
Hier habe ich folgende Geschichte gefunden:
Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der “Sun” steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?
Virginia O’Hanlon,
115 West Ninety-fifth StreetDie Sache war dem Chefredakteur Francis Church so wichtig, dass er selber antwortete – und zwar auf der Titelseite der “Sun”:
Virginia,
deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie wurden angesteckt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können.Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im unserem riesigen Universum ist der menschliche Geist kaum mehr als ein winziger Ameisenverstand, verglichen mit der Unendlichkeit der Welt und gemessen an der Intelligenz, welche die ganze Wahrheit und alles Wissen begreifen könnte.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.
Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie, keine Liebe – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Nur ein Hauch an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.
Nicht an den Weihnachtsmann glauben? So dürfest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen?
Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf den Wiesen im Mondschein tanzen. Trotzdem gibt es sie. All der Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.
Was Du auch siehst, Du siehst nie alles, Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein.
“Ist das denn auch wahr?” kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.
Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia.
Dein Francis P. ChurchDer Briefwechsel zwischen Virginia O’Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Francis Church war 20 Jahre lang als Redakteur bei der Sun tätig und sein Motto war: Strebe danach, Deinen Geist frei von Scheinheiligkeit und Heuchelei zu halten.
Der Briefwechsel wurde unter dem englischen Originaltitel “Is there a Santa Claus?” bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1949 alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite abgedruckt – und damit zum meistgedruckten Zeitungsartikel aller Zeiten.
Ich wünsche euch frohe Weihnachten!
Das Potential der Alexander-Technik
Auf der Seite von Pete Josephs gibt es zum Thema Alexander-Technik einige interessante Ideen. Z.B. diese hier:
Die Inhalte der Alexandertechnik sind durch Worte schwer zu erklären, denn das Wissen, welches vermittelt wird, ist nur zu einem kleinem Teil theoretischer Natur. Der überwiegende Teil ist Wissen durch körperliche Erfahrung z.B. wie man gestauchte Bandscheiben entlastet, welche Bewegungen den Rücken verlängern, statt ihn zu krümmen, oder wie man verspannte Schultermuskeln losläßt.
Die Prinzipien der Alexander-Technik sind von F.M.Alexander selbst in seinen Büchern recht klar beschrieben. Ich denke, die Schwierigkeit diese Technik durch Worte zu erklären liegt darin begründet, dass sich keine Sau für die pure Theorie interessiert! Was sehrwohl interessiert ist das persönliche Erleben von Veränderung, der persönliche Prozess durch den man geht, wenn man die Technik erlernt. Und auch wenn der Prozess selbst auf den beschriebenen Prinzipien beruht, so ist der Prozess selbst doch immer persönlich und damit individuell verschieden.
Während der eine sich über ein paar entspannte Muskelchen freut, ist der andere froh, endlich Stabilität im Körper zu erfahren. Und während der eine sich noch über entspannte Schultermuskeln freut, hat der nächste bereits entdeckt, dass das bereits wieder bedeutet den Körper in einzelne Teile zu “zerlegen” und die Erfahrung der entspannten Muskeln, sei sie noch so angenehm, ihn eigentlich daran hindert das Funktionieren des Systems “Mensch” ALS GANZES zu verstehen und zu erleben. Recht hat Pete Josephs: durch Worte schwer zu erklären.
Allerdings möchte ich noch deutlich sagen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte:
Wenn Sie die Alexander-technik lernen und anwenden wollen, MÜSSEN Sie die ihr zugrundeliegenden Prinzipien genau kennen und verstehen! Sie MÜSSEN sich intensiv sowohl theoretisch als auch praktisch mit den Prinzipien auseinandersetzen. Sonst machen Sie halt irgendwas, und es hilft Ihnen vielleicht sogar, aber ich persönlich bin davon überzeugt, dass erst das intensive theoretische und praktische Studium das volle Potential der Technik enthüllt.
Gibt es etwas Widersinnigeres?
Der Begründer der Alexander-Technik schrieb in seinem Buch Constructive Conscious Control of the Individual folgendes:
“Nehmen wir einmal an, jemand macht sich auf den Weg zu einem bestimmten Ort und kommt unterwegs an eine Strassenverzweigung. Da er sich nicht auskennt, wählt er den falschen Weg und verirrt sich. Er erkundigt sich nach dem richtigen Weg, worauf man ihm sagt, er müsse umkehren und wieder zurück gehen bis zu jener Strassenverzweigung und dort die andere Strasse nehmen, die ihn dann direkt an den von ihm gewünschten Ort führe. Was soll man davon halten, wen man erfährt, dass der Mann zwar an die Strassenverzweigung zurückging, dort aber wieder die alte Strasse nahm und sich erneut verirrte, weil er entschieden hatte, dass er es schliesslich besser wisse als derjenige, der ihm den Weg gewiesen hatte? Und was soll man dazu sagen, wenn man vernimmt , dass er dies nicht ein- oder zweimal, sondern immer wieder getan hat, und sich grosse Sorgen zu machen begann, weil er sich immer wieder verirrte und seinem Bestimmungsort nicht näher kam?”
Tja, so scheint es jedem zu gehen, der Gewohnheiten verändern will. “Ich weiss selbst, was gut für mich ist!” Schön und gut, aber warum geht’s dir denn dann nicht gut, wenn du das angeblich so genau weisst…?
Hin und wieder ist es notwendig, etwas zu tun, das gegen die Gewohnheit – und damit gegen das “sich-richtig-anfühlen” – geht. Das fühlt sich dann zunächst falsch an und die Versuchung lieber die gewohnten Pfade auszutreten ist doch nur zu verlockend. Wer das nicht weiss wird garantiert das Vertraute wählen. Aber selbst wenn man diesen Mechanismus kennt, ist die Wahrscheinlichkeit nahe 100% in diese Falle zu tappen.
Lustig, nicht?
Die Lösung der Paradoxons
So lautet eine Überschrift auf den Seiten des Weiss Institutes. Weiter steht da:
“Das Paradoxe ist, dass je mehr wir versuchen, höhere Leistungen in kürzerer Zeit zu erringen, wobei wir Überspannung und Angst ignorieren, wir umso mehr unser wahres Leistungspotential limitieren.”
Wikipedia sagt dazu folgendes:
Ein Paradoxon ist ein scheinbarer oder tatsächlich unauflösbarer, unerwarteter Widerspruch. (wikipedia)
Und zunächst scheint es für viele so zu sein, dass das ein tatsächlicher Widerspruch ist: Je mehr ich mich anstrenge, desto weniger komme ich vorwärts. Das haben viele schon mal erlebt.
Wie kann das kommen?
Die einfachste Antwort, die ich finden konnte war die, dass wir unsere Energie in die falschen Bahnen leiten. In Bahnen also, die nicht mit unserem bewusst gewählten Ziel in Einklang stehen. So gesehen sind, die ‘Probleme’ die entstehen schlicht Hinweise darauf, dass wir möglicherweise unbewusst noch ein anderes Ziel verfolgen und die Energie nicht dahin fliesst, wohin wir sie eigentlich fliessen lassen wollen. So gesehen sind diese ‘Probleme’ sehr nützlich
Es gibt kein Paradoxon!
Schon ist klar, dass da niemals ein Paradoxon gewesen ist. Wir hatten einfach nicht genügend KLARHEIT.
Die Alexander-Technik bietet einen positiven Weg, unsere physischen Gewohnheiten und Einstellungen zu verbessern.
Und da das Modell der Alexander-Technik ja als einen der zentralen Punkte die Idee von Ganzheitlichkeit hat, würde ich das Wort ‘physisch’ einfach weglassen.
Meiner Erfahrung nach zeigt sich Ganzheitlichkeit auch gerade dadurch, dass durch die Wahrnehmung des Körpers erst erfahrbar wird, welchen unbewussten geistigen Konzepte wir fröhnen. Dann haben wir die Möglichkeit und die Wahl(!) etwas zu verändern, noch bevor wir wieder mal ein ‘Paradoxon’ entdeckt zu haben glauben.
SMS schreiben verursacht Rückenschmerzen
![]()
Hier wird von einer aktuellen Studie berichtet, nach der SMS schreiben Rückenschmerzen verursacht.
“A new study has discovered that the more someone texts, the more pain they had in their neck and shoulders. “
#¤&/&/(&%(/&¤#%”#¤% Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!!!!! %&)#¤=?#
Geht’s noch? Als ob es nicht unglaublich viele verschieden Arten gäbe, WIE man mit sich umgehen kann, während man eine SMS schreibt (Stichwort: Selbstgebrauch). Tja und wenn ich mich wegen dem bisschen Tippen halt verspanne, kriege ich halt diverse Probleme.
“Texting — sending text messages using your mobile phone — is a popular way that young adults and teens prefer to communicate. But it comes at a price.”
Unglaublich, wie da eine direkte Verbindung zwischen SMS und Schmerzen hergestellt wird. Als wäre da nicht noch der Mensch dazwischen, inclusive der Möglichkeit zu wählen, wie er seinen Körper gebraucht, während er schreibt. Ich jedenfalls spanne meinen Nacken und meine Schultern nicht an, um auf meinem Handy rumzutippen. Und ich habe auch keine Probleme mit Nacken oder Schultern. Ich zahle keinen “Preis”.
Wenn jemand lernt, wie er die Qualität seines Selbstgebrauches positiv beeinflussen kann, dann kriegt so jemand auch keine Nackenschmerzen mehr. Ein weiterer Grund Alexander-Technik zu lernen
Bild © Plambeck/ PIXELIO
Alexander-Technik für Sänger – Interview mit Daniel Süsstrunk
Daniel Süsstrunk ist Leiter des Alexander-Technik-Instituts in München. Er widmet sich ausserdem seit vielen Jahren intensiv der Kunst des Belcanto-Gesangs. Da ich ihn während meiner Ausbildung in Freiburg als phantastischen Alexander- und Gesangslehrer kennengelernt habe, und ich ausserdem die Kombination aus beidem sehr spannend finde, habe ich mit Ihm ein online-Interview geführt. Darin geht er auf einige Grundlagen für Sänger ein und hat ausserdem eine lange Liste mit Hörbeispielen auf youtube beigesteuert…
Bitte stellt dich meinen Lesern kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?
Ich wurde vor 50 Jahren in der Schweiz geboren und bin bei Basel aufgewachsen. Meine große Liebe gehört seit ich denken kann der klassischen Musik. So begann ich mit dem Violinstudium, in der Absicht, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen. Doch eine schwere Krankheit, die in früher Jugend auftrat, stellte sich in den Weg und lenkte mich in eine andere Richtung. Durch eine glückliche Begegnung lernte ich die Alexander-Technik kennen und meiner inneren Stimme folgend stürzte ich mich 1979 begeistert in die dreijährige Ausbildung in London. Nachdem sich mein Gesundheitszustand erheblich gebessert hatte, konnte ich das unterbrochene Musikstudium in Deutschland fortsetzen. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich nebenbei mit dem Unterrichten der Alexander-Technik. Das war eine spannende Zeit, da die Methode in Europa praktisch unbekannt war und ich einer der ersten anerkannten Lehrer Deutschlands war.
Seit 1986 lebe und arbeite ich in München. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag stets in der Verbindung von AT mit dem Musizieren. Ich fing an regelmäßig Gesangsstunden zu nehmen, ohne eine bestimmte Absicht zu verfolgen. Während 14 Jahren habe ich auch eine Ausbildung für AT Lehrer geleitet.
1995 lernte ich meinen Lehrer und Freund Johannes Romuald aus Wien kennen, der mir über all die Jahre die alte Tradition des Bel Canto, wie sie in Mailand gelehrt wurde, beibrachte. Seit vier Jahren gebe ich dieses Wissen an professionelle Sänger und an Bläser weiter.
Was ist “Belcanto”-Gesang und was fasziniert dich daran?
Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich in diesem Rahmen und überhaupt nur andeutungsweise beantworten kann.
Der Begriff Belcanto deutet auf jenen schönen Gesang hin, bei dem das Gewicht auf vollkommener Tongebung, Klangschönheit und Ausgeglichenheit der Stimme liegt. Dies sind aber nur die stimmlichen Mittel, um den stilistischen Anforderungen eines italienischen Gesangsstils gerecht zu werden. Meistens ist das frühe 19. Jahrhundert mit den Vertretern Rossini, Bellini und Donizetti damit gemeint. Die Ära des ursprünglichen Belcanto, welches der Epoche voraus ging, war die Zeit der Kastraten des 17. Und 18. Jhts. mit den Werken Vivaldis, Scarlattis und Händels. „Bei einem echten Belcantosänger geht es nicht nur um Geschmeidigkeit und Beweglichkeit, sondern es kommt ein Element von Phantasie dazu. Wenn man Fernando De Lucia hört, ist der erste Eindruck: wie poetisch. ……. Die Vorstellung des Sängers ist lebendig geworden, das sind nicht mehr nur Noten auf dem Papier.“ (John Steane)
In meiner täglichen Arbeit geht es in erster Linie um die Befreiung der Stimme und das Erlernen der grundlegenden Techniken des Belcanto Gesangs. Ich versuche sie im Folgenden zu beschreiben.
Eine ebenmäßige und freie Stimme zeichnet sich durch eine vollkommen ruhige Atemführung aus. Es sollte keine Luft (durch die Sprache) verloren gehen und der sparsame Verbrauch des Atems ermöglicht das Singen endlos langer Phrasen. Der Kehlkopf und die Stimme darf nicht unter Druck gesetzt und nach oben geschoben werden (also kein Stützen, wie es im deutschen genannt wird). Man lehnt die Stimme im Gegenteil an, d.h. lässt sie auf dem Atem schweben. Am Ende einer Phrase nimmt der Körper die verbrauchte Luft reflektorisch wieder ein, d.h. der gesamte Sing- oder Atemmechanismus bleibt bis zum Ende in derselben Spannung und beendet die Phrase durch ein Hineinschnellen der Luft.
Eine Qualität des ohne falschen Druck Singens ist die Flexibilität des Tones hörbar. Er hat einen klaren Beginn, also hat eine Art „Kopf“ und schwillt dann ab oder an (Messa di voce in der ursprünglichen Bedeutung). Er sollte schwebend klingen – was durch den gleichmäßig, sparsam ausströmenden Atem hervor gerufen wird – über ein großes Volumen (Vibration) verfügen und tragfähig sein. Das darf nicht mit Lautstärke verwechselt werden, denn diese Eigenschaft findet man auch in den leisesten Tönen. Belcanto singt man aus dem Piano heraus, aus dem feinen, dem eleganten, von dem es anschwillt ins volle und kräftige, um wieder zurück zu kehren ins zarte. Ein guter Sänger geht nur zeitweilig an seine obere Grenze, am Besten niemals ans Limit, um sich und der Stimme nicht zu schaden.
Bedingt durch den freien Atem und saubere Vokale, die von unten bis oben gleich bleiben, beginnt die Stimme am richtigen Platz zu „sitzen“. Sie entfaltet zunehmend ihre persönliche Klangfarbe und gewinnt an Geschmeidigkeit und Virtuosität. Die Fähigkeit mühelos von einer Note zur nächsten zu wechseln wird in Koloraturen, Trillern, Appoggiaturen und Verziehrungen trainiert.
Wer sich dafür interessiert, wie einige dieser Begriffe klingen, kann sich ein Gespräch mit Demonstrationen zwischen Sutherland, Pavarotti, Horn und Bonynge ansehen: How to sing Belcanto I and How to sing Belcanto II
Welche Sänger (bzw. CDs) kannst du als Hörbeispiele empfehlen um einen Eindruck davon zu bekommen?
Es gibt eine große Anzahl von Aufnahmen historischer Sänger, die auf CD wieder erhältlich sind und uns einen wenn auch eher blassen Einblick ihrer Kunst vermitteln. Dem ursprünglichen Belcanto (vor Caruso) kommen vielleicht Sänger wie Fernando De Lucia, Hermann Jadlowker und Leo Slezack am nächsten.
Die Tenöre John McCormack, Jussi Björling, George Thill, Iwan Koslowski, Léopold Simoneaux, Nicolai Gedda, und natürlich die Italiener Dino Borgioli, Tito Scipa, Giuseppe di Stefano, die Spanier Miguel Fleta und Antonio Cortis und der leider wenig bekannte Portugiese Tomaz Alcaide sind nur eine kleine Auswahl meiner Lieblingssänger.
Bei den Sopranen Selma Kurz, Toti dal Monte, Maria Galwany, Maria Ivogün, Rosa Ponselle, Claudia Muzio, Maria Caniglia, Maria Callas.
Ein deutscher Bariton, der in Mailand studierte und diese Schule in meisterlicher Weise wiedergibt ist Willi Domgraf-Fassbaender.
Bei den Sängern und Sängerinnen, die wir uns anhören und –sehen können habe ich einige gute links herausgesucht.
Rosa Ponselle
Habanera Carmen
Ernani (herrlicher sound)
Joan Sutherland
Violetta aus La Traviata 1962
Meyerbeer
Lied The Bohemian Girl
Beverly Sills
Violetta
Linda di Chamounix
Königin der Nacht
The Rose and the Nightingale
Leyla Gencer
Aida Verdi
Trovatore
Montserrat Caballé,
Casta Diva 1974
Mozart: Dove sono Hochzeit des Figaro
Bellini Il pirata 1966
Maria Callas
Vissi d’arte 1958
Casta diva Norma
Don Carlo 1959
Anna Moffo
I pagliacci – Ballatella
Juwelenarie Faust Gounod
Marilyn Horn
Carmen Bizet
Rossini
Cecilia Bartoli
Parto, parto Titus Mozart
Alleluja Mozart
La Cenerentola Rossini
Anne Sofie von Otter
Offenbach
Andreas Scholl
Rodelinda Händel
Ombra mai fu Händel
Giulio Cesare Händel
Alfredo Kraus
Herzog Rigoletto
La donna e mobile 1958
Pecheurs de perles 1970
Luciano Pavarotti
Ingemisco Requiem 1967
Ave Maria 1978
Nessun dorma NY 1980
Boheme Che gelida manina 1979 La Scala Carlos Kleiber
Rolando Villazon
Una furtiva lagrima, Wien
Lenski Eugen Onegin
Cesare Siepi
Don Carlo 1970
Don Giovanni Furtwängler
Tito Gobbi
Scarpia Tosca London
Rigoletto
Rigoletto 1949
Was ist DEINE Gesangsphilosophie?
In dem obigen Punkt habe ich versucht die technischen Belange des Singens zu beschreiben. Dies sind die Voraussetzungen um professionell zu singen. Darunter verstehe ich verlässlich über ein Instrument zu verfügen, das jederzeit und reproduzierbar alle Schwierigkeiten meistern kann und kein Produkt des Zufalls ist. Erst dadurch ist es möglich der Musik gerecht zu werden und sie plastisch und glaubhaft auszudrücken: Emotionen, Gefühle und Empfindungen der darzustellenden Charaktere durch Dynamik, Farben, Dramatik, Glanz, Lyrik, etc. Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen. In der heutigen Zeit der Tonkonserven, TV und Videos und der Masseneventveranstaltungen ist dies nötiger denn je.
Du verwendest die Alexander-Technik auch im Gesangsunterricht. Was ist das Besondere an dieser Kombination? Welchen Nutzen können Sänger aus dem Erlernen der Alexander-Technik ziehen?
Mit Sängern und Sängerinnen arbeite ich stimmlich und musikalisch. Nur in Ausnahmen wende ich AT Arbeit im Liegen an, z.B. um die Atmung zu befreien. Gelegentlich benutze ich die Hände zur Verdeutlichung, um den Schüler etwas bei sich oder an mir spüren zu lassen. Falls bei einem Schüler die körperlichen Grundlagen derart mangelhaft sind, dass ein normaler Gesangsunterricht nichts bringt, dann rate ich ihm erst einmal dieses Defizit mit Hilfe der Alexander Methode oder einer anderen Arbeit anzugehen und zu verbessern. Es versteht sich von selbst, dass – auch wenn ich keine oder nur sparsam die Berührung der Hände einsetze – ich dennoch über dies Wissen verfüge und es ständig anwende.
Welches Unterrichtsangebot hast Du? Was würdest du interessierten Sängern empfehlen?
Ich unterrichte selbständig, also an keiner Institution. Dies hat den Vorteil, dass ich frei von äußeren Zwängen arbeiten kann. Die Betreuung eines Sängers erfordert ein enormes Maß an Engagement und das einbringen meiner ganzen Persönlichkeit. Dazu bin ich gerne bereit, fordere aber im Gegenzug dasselbe von dem Studenten. Es ist viel Fleiß, Arbeit und Zeit nötig, um das Singen der Belcanto Tradition gründlich zu studieren und erfolgreich anwenden zu können. Doch der Einsatz wird belohnt durch die Freude, die einem die Kunst mit sich und der Stimme umzugehen schenkt.
Vielen Dank für das Interview
Ich werde sicher einige Wochen brauchen, bis ich mir die vielen Stücke in youtube angehört habe. Einen Einblick habe ich jetzt schon bekommen…
Ich mag den Ansatz, dass es darum geht “die Stimme zu befreien”, also nicht darum, etwas künstlich von aussen “drüberzustülpen”. Und ich findes es enorm wichtig, dass bei allem nötigen Fleiss und Genauigkeit, was Gesangstechnik usw. angeht, folgendes Ziel immer präsent zu halten, das Daniel Süsstrunk sehr schön formuliert hat: “Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen.”
Nochmals vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Das ist viiiiiiiiiiiiiiiiel mehr, als ich mir erhofft hatte
Hier ist nochmals der Link zu Daniel Süsstrunks homepage.
Michael Gelb: live-Interview
Ich hatte hier schon mal für das neue Direction Journal etwas Werbung gemacht.
Nächsten Montag gibt es ein absolutes Highlight. Paul Cook, der Herausgeber der Zeitschrift, hat es tatsächlich geschafft Michael J. Gelb für ein Telefoninterview zu gewinnen. Das Interview selbst dauert ca.40min und danach ist gelegenheit Fragen an Gelb zu stellen.
Ich habe mich natürlich sofort angemeldet, denn wann bietet sich denn schon mal die Chance, einem DER Top-Trainer weltweit persönlich Fragen stellen zu können???
Hier können Sie sich einen der 25 Plätze sichern. Die werden sicher schnell weg sein…
Hier ist noch eine Buchauswahl von Michael Gelb:
Die Anatomie der Ganzheit
Am Wochenende war David Gorman bei mir in Savonlinna (Finnland) zu Gast und hat den dreitägigen Workshop The Anatomy Of Wholeness™ gegeben.
Vor einiger Zeit bin ich auf seine website gestossen und habe dort tonnenweise spannende Artikel gefunden und mir ebooks runtergeladen und geradezu verschlungen. Einen dieser Artikel habe ich dann sogar übersetzt.
Daraufhin wollte ich Gormans “LearningMethods” gerne live kennenlernen. Es wäre mir allerdings zu aufwendig gewesen dafür um die halbe Welt zu reisen und so habe ich ihn halt einfach hierher eingeladen.
Es war der Hammer!
Ich habe selten einen so guten Workshop erlebt.
Ich habe unglaublich viel gelernt und was noch viel wichtiger ist: Ich habe massenhaft spannende Fragen, die ich erforschen will, Fragen, die mich wirklich brennend interessieren!!!
Der ganze Workshop drehte sich im Grunde um folgende Frage:
Sind wir Lebewesen, deren Natur es ist ganz zu sein und als Ganzheit zu funktionieren? Sind wir perfekt konstruiert und können demnach auch perfekt funktionieren?
ODER
Sind wir nicht ganz, nicht ganzheitlich? Sind wir nicht perfekt konstruiert (was quasi zwangsläufig zu Problemen führen muss)?
Spannend, nicht wahr? Das ist eine sehr grundlegende Frage, die man nicht einfach mal so beantworten sollte, sondern sich wirklich sehr intensiv damit ausseinandersetzen, weil die Antwort sehr weitreichende Konsequenzen hat.
Sie bestimmt beispielsweise, wie wir bei Problemen jeglicher Art vorgehen:
Wenn wir annehmen, dass die erste Alternativen wahr ist, dann würde das z.B. bedeuten, dass, wenn Probleme auftreten, dieses perfekte, natürliche System in irgend einer Weise gestört wird. Möglicherweise sind wir selbst es, die das System stören und uns somit selbst im Wege stehen. Die Vorgehensweise würde dann wahrscheinlich sein, herauszufinden, WARUM und WIE wir uns stören und diese Ursache schliesslich beheben. Problem gelöst.
Wenn die zweite Alternative wahr ist, also dass unsere Struktur und unser Funktionieren nicht gut genug für die heutige zivilisierte Welt geeignet ist, dann hätte das z.B. bei Rückenproblemen andere Konsequenzen bei der Vorgehensweise. Dann müssten wir dem System in irgend einer Weise von aussen oder innen helfen, in jedem Fall dem nicht-perfekten System etwas hinzufügen, korrigieren, koordinieren o.ä.
Wie stehe ich dazu?
Ich habe in den letzen Jahren und auch letztes Wochenende viele Erfahrungen gemacht, die mich dahin gebracht haben die erste Alternative für wahr zu halten.
So dachte ich zumindest.
Denn wenn ich ehrlich bin, dann fällt mir auf, dass ich an vielen Stellen etwas nachhelfe, indem ich z.B. hier und da ein paar Muskeln loslasse, wenn ich merke dass ich da etwas angespannt bin.
Wenn ich WIRKLICH und vollständig überzeugt wäre, dass ich ganz bin, und die menschliche Konstruktion perfekt ist, dann würde ich meiner “Koordination” nicht helfen wollen, sondern darauf vertrauen, dass die angeborenen Koordinationsmechanismen in jedem Moment die bestmögliche Koordination hervorbringen.
Dann würde ich in micht etwa Folgendes fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass die verspannt sind? Wie konnte es dazu kommen, dass ich die Schulter überhaupt als isolierten Teil von mir wahrnehme, also nicht ganz bin? Was habe ich getan, gedacht, was war meine Intention, dass mein Körper mit übermässiger Spannung reagiert?
Das habe ich jetzt vor
Ich werde eine Reihe von Experimenten durchführen die mir nachvollziehbare Beweise bringen, ob Alternative 1 oder 2 wahr ist. Dazu habe ich mir folgendes überlegt: ich habe in meinem Alltag eine Reihe von Sitationen, in denen ich mich meistens unwohl fühle und etwas angespannt bin. Meistens tue ich etwas dagegen. Feinste Ausrichtung des Körpers dazu missbraucht, ein Symptom mit “gutem Gebrauch” zu überdecken
Das werde ich bleiben lassen und stattdessen erforschen,
- welche Symptome genau ich wahrnehme
- wie genau ich diese Situationen sehe, was meine Intentionen sind usw.
Dann werde ich die Sichtweisen hinterfragen um herauszufinden, ob darin irgend etwas ist, was meinen Körper veranlassen könnte aus dem Zustand von Gleichgewicht und Ganzheit herauszukommen und somit diese Symptome zu produzieren. Diese Punkte werde ich dann mit bestimmten Selbstcoachingtechniken verändern und dann…
…dann werde ich gar nichts tun! Und nach ein paar Tagen oder Wochen nachschauen, ob die Symptome weg sind oder weniger sind oder ob eigentlich alles beim alten geblieben ist.
Falls die Symptome weniger sind wäre das für mich ein hinreichender Beweis, dass mein System sich von selbst in diesen Situationen spitzenmässig koordinieren kann, wenn ich meine Einstellung verändere.
Falls die Symptome nicht weniger sind, gibt es drei Möglichkeiten:
- ich habe nicht die Ursache gefunden die das Problem verursacht, sondern habe an irgendwelchen Nebensächlichkeiten gearbeitet
- ich habe zwar die Ursache gefunden, sie aber nicht wirklich beseitigt
- Alternative zwei ist wahr und der menschliche Organismus braucht noch ein paar hunderttausend Jahre Evolution
::
So jetzt werde ich mich noch ein Stündchen in die traumhafte Natur hier um die Ecke begeben und über die vielen Fragen nachdenken, die der Workshop aufgeworfen hat.
Alexander-Technik beim “Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin”
Dirk Hausen (Lehrer für Alexander-Technik in Freiburg) hat mir folgenden kleinen Bericht vom „Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ zukommen lassen:
Vom 26.- 28. März dieses Jahres fand an der Hochschule für Musik Freiburg i. Br. ein „Internationaler Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ statt. Auf Einladung der Leitung des Freiburger Instituts für Musikermedizin hatte ich hierbei Gelegenheit, die G.L.A.T. (Gesellschaft der Lehrer/innen der F.M. Alexander-Technik) durch den Workshop „Alexander-Technik für Bläser“ zu vertreten.
Ein neunzigminütiger Workshop bedeutet auch bei anderen Veranstaltungen eine Herausforderung. Im Rahmen eines internationalen Kongresses, bei dem besonders qualifizierte Teilnehmer auch mit besonders großen Erwartungen aus der ganzen Welt anreisen, kann sich eine solche Herausforderung jedoch als durchaus steigerbar erweisen: Zum Beispiel stellte sich bereits in der Vorbereitung die grundlegende Frage, ob der Workshop auf Deutsch oder Englisch abzuhalten ist, oder mit wie vielen Teilnehmern welcher Berufsgruppe bzw. welchen Hintergrunds zu rechnen ist. Vor Ort ergab sich dann „spontan“, dass die 25 Teilnehmer meines Workshops zum einen alle deutschsprachig waren und dass vom Logopäden bis zu einem Prof. Dr. med. einer deutschen Universitätsklinik also auch die verschiedensten Berufsgruppen (vorwiegend jedoch aus dem medizinischen Bereich) vertreten waren.
Mein Plan sah vor, zunächst einen kurzen, einführenden Vortrag über die Technik zu halten. In einem zweiten Schritt sollte dann die „klassische“ Alexander-Arbeit an Tisch und Stuhl präsentiert werden. Ganz dem Ablauf einer regulären Unterrichtsstunde folgend, hätte sich hieran die thematisch vorgegebene Arbeit am Instrument angeschlossen. Es stellte sich jedoch gleich zu Beginn des Workshops heraus, dass keiner der Teilnehmer, trotz des expliziten Hinweises in der Kursbeschreibung, an das Mitbringen eines Instruments gedacht hatte. Ohne leugnen zu wollen, dass diese Feststellung mein Konzept um spontane Improvisation zu bereichern drohte, begann ich einfach.
Es stellte ich heraus, dass alle Teilnehmer vor allem eines waren: interessiert. Sie waren zutiefst interessiert daran, ihren Klienten bzw. Patienten eine umfassende und damit bestmögliche Behandlung zukommen lassen zu können. Der in der Alexander-Welt (auch durch Alexanders eigene Beschreibung seines Leidensweges) häufig formulierte Gedanke, dass Mediziner nur am Symptom orientiert seien, erwies sich daher, zumindest im Rahmen dieses Workshops, als korrekturbedürftig.
Nachdem ich die Teilnehmer zu Beginn darauf hingewiesen hatte, dass Fragen jederzeit gestellt werden könnten, wurde hiervon auch rege Gebrauch gemacht. Neben sehr spezifischen Fragen zu meiner Arbeit mit Musikern, vor allem zu meinen Erfahrungen mit Orchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, ging es auch darum, wie genau eine Stunde abläuft, was konkret ein Alexander-Lehrer mit seinen Händen tut, wie man die Technik selbst anwenden lernt bzw. wie viele Stunden dazu notwendig sind usw.
Das Ergebnis war ein anregender Workshop bei dem viel gelacht wurde (der Anblick von 25 gleichzeitig aufstehenden bzw. sich hinsetzenden Leuten oder das gemeinsame Praktizieren des „whispered Ah“ bot für alle Anwesenden genug Grund dazu), bei dem sich jedoch auch die grundlegenden Ideen und Zusammenhänge der Alexander-Technik verdeutlichen ließen. Die Alexander-Technik als Teil eines ungemein vielfältigen Angebots an hochinteressanten Vorträgen und Workshops im Rahmen dieses Kongresses vertreten zu dürfen, erlaubt mir den persönlichen Schluss, dass der potentielle Beitrag der Alexander-Technik in der Musikphysiologie und Musikermedizin herzlich willkommen ist.
Vielen Dank an Dirk Hausen, der mir diesen Bericht hat zukommen lassen.
Ich arbeite regelmässig mit Musikern und kann sagen, dass der (nicht nur potentielle) Beitrag den die Alexander-Technik leistet, wirklich einen Bedarf deckt. So haben schon 8 oder 10-jährige Kinder häufig Rückenschmerzen (nicht nur, aber auch beim Spielen ihres Instrumentes). Jugendliche und Erwachsene haben häufig chronische Schmerzen und Probleme entwickelt…
Wenn es mir im Unterricht gelingt, falsche Vorstellungen von “guter Haltung” oder davon wie die Spielbewegungen zustande kommen zu korrigieren, werden die Bewegungsabläufe fliessender und damit verschwinden oft als “Nebenwirkung” auch die Rückenprobleme.
Auch wenn es derzeit “in” ist auf der “sturen Schulmedizin” herumzuhacken, kann ich für meinen Teil sagen, dass die Ärzte und Physiotherapeuten mit denen ich bisher gesprochen habe, ALLE sehr interessiert an Methoden wie der Alexander-Technik waren. Das liegt vermutlich auch mit daran, dass ich meine Arbeit zu 100% als pädagogisch verstehe, also weit davon entfernt bin therapeutisch tätig zu sein.
Wie auch immer. Ich finde es jedenfalls schön, dass sich gegenseitiges Interesse auch auf so einem Kongress widerspiegelt.
Essenz des Zielstrebens
So, jetzt habe ich es endlich geschafft David Gormans Artikel “The rounder we go, the stucker we get” ins Deutsche zu übersetzen. War ein gutes Stück Arbeit…
Vielen Dank an dieser Stelle noch an die Alexander-Technik Lehrerin Joanna-Maria Otto aus Freiburg, die die Übersetzung Korrektur gelesen hat.
Gormans hochinteressante LearningMethods-Seite ist zumindest in Alexander-Kreisen schon längst kein Geheimtip mehr. Auf der Seite finden Sie sehr viele, sehr gute Artikel und ebooks (im weitesten Sinne zum Thema Alexander-Technik / persönliches Wachstum) zum lesen oder downloaden. Und einen dieser Artikel, der mir besonders gut gefallen hat, habe ich jetzt halt mal übersetzt (man gönnt sich ja sonst nichts
) und Gorman bietet ihn ab sofort auf seiner website zum lesen an.
Und darum geht’s:
Gorman beschreibt als erstes, wie sich Gewohnheiten bilden und wie daraus in der Regel ein regelrechter Teufelskreis wird. Ist es erst einmal so weit, nützen weder Symptombekämpfung (wann nützt das schon?), noch Ursachenbekämpfung mehr. Und warum?
Weil diese Gewohnheiten sehr rafiniert konstruiert sind. Sie verleiten nämlich permanent zum sogenannten Zielsteben. Was das bedeutet? Ganz einfach. Ich akzeptiere den jetzigen Zustand nicht und schliesse daraus reflexartig, dass
- an meinen Zustand (oder gar an mir?) etwas falsch ist
- ich etwas ‘tun’ muss, um das alles in Ordnung zu bringen
- ich dieses Ziel offensichtlich nicht jetzt, sondern nur in der Zukunft erreichen kann
- ein bestimmter Teil von mir weiss, was richtig oder falsch ist und somit einen oder mehrere andere Teile reparieren kann oder muss
- ich überhaupt aus mehreren Teilen bestehe(!), und dass diese Teile einer Koordination bedürfen (Gegenteil von Ganzheit/Einheit)
Tja, wenn ich also etwas ‘verbessern’ will, werde ich automatisch von den eben genannten Prämissen ausgehen. Wohin das führt wissen wir ja… Ein ewiger Kreislauf. Mal ist dies verkehrt, mal jenes, mal tut der Rücken weh, mal bin ich ‘im Stress’ usw.
(kleine Anmerkung: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir von Krankheiten (Plural) und Gesundheit (Singular) sprechen, niemals aber von Gesundheiten (Plural)? Ich finde das sehr spannend, denn das untersteicht ja wieder den Gedanken von Einheit/Ganzheit. Könnten wir also sagen Ganz = Gesund? Falls ein Etymologe unter den Lesern ist, die Geschichte des Wortes “gesund” würde mich doch sehr interessieren…)
Raus aus dem Teufelskreis!
Wie also kann ich aus dem Teufelskreis aussteigen? Tja, akzeptiere halt einfach alles so wie es jetzt eben ist, und du erreichst dein Ziel durch nicht-tun. Ganz toll! Das kennen wir ja schon spätestens seit Eckhard Tolles “JETZT!-Buch”. Und schon bekommt das, was so harmlos anfing, eine spirituelle Dimension
Bedingungslos im Jetzt leben… Aber wie erreichen wir das?
Und genau an der Stelle bin ich jetzt einen grossen Schritt weiter gekommen. -HA! Und genau da haben wir es doch schon wieder. Haben Sie es auch bemerkt? Ich glaube also auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Verstehen Sie? Das ist doch schon wieder genau das Konzept, nachdem ich nur in der Zukunft etwas erreichen kann (s.o.). Tja, reingefallen. Ich werde also auf diesem blog hin und wieder berichten, was ich Neues dazu gelernt habe – hoppla, schon wieder reingefallen
… Spass beiseite, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie unten auf den link und lesen Sie Gormans Artikel.
Das habe ich von dem Artikel gelernt:
Wenn man sich mit dem Konzept des Zielstrebens auseinandersetzt, so ist man leicht verleitet, das Ziel im Aussen zu suchen. Ich will ja schliesslich dies oder jenes erreichen, beispielsweise diesen Artikel schreiben usw. Innehalten würde in dem Fall bedeuten nicht blind auf mein Ziel loszustürmen, sondern auch die Mittel zu bedenken, mit denen ich mein Ziel zu erreichen gedenke.
Durch die Lektüre von Gormans Artikel bin ich jetzt so weit behaupten zu wollen, dass jedes Zielstreben in seiner Essenz bedeutet, dass ich den jetzigen Moment (noch) nicht akzeptiere und mein Glück in einem zukünftigen Moment erhoffe. Dabei ist es völlig wurscht, welches äussere Ziel ich verfolge. Ich bin unzufrieden mit dem was jetzt ist, will also davon weg und gleichzeitig hin zu dem, was in der Zukunft auf mich wartet.
Im NLP gibt es das Modell der Hin-zu oder Weg-von Motivation. Also ich will entweder von einem Zustand weg, den ich nicht akzepitere (weg-von), oder ich freue mich auf einen besseren Zustand in der Zukunft (hin-zu). Das ist definitiv ein Modell von Motivation, das meinem Erleben von Motivation sehr sehr nahe kommt. Ich denke, dass Fortschitt oder persönliches Wachstum immer entweder auf einer gewissen Unzufriedenheit oder auf einer Vision, oder auf beidem gründen. Das Problem mit dem Zielstreben ist jedoch, dass wir aus der Unzufriedenheit oder Vision ein “muss” machen. “Ich muss hier weg um glücklich zu sein” oder “Ich muss da hin, damit ich glücklich bin.”
So, und jetzt lehne ich mich noch etwas aus dem Fenster und sage folgendes: worum es F.M. Alexander bei seinem “Mittel-wodurch”-Konzept in der Essenz ging, ist schlicht die vollständige Akzeptanz dessen was jetzt ist, um auf dieser Grundlage wählen zu können (Wahlfreiheit) wohin die Reise gehen soll und wie (Mittel-wodurch) wir Reisen wollen.
Fazit: unbedingt lesen!
Hier ist der direkte link zum Artikel
P.S. David Gorman ist übrigens vom 15.-17.Mai 2009 bei mir hier in Savonlinna und hält den Workshop “The Anatomy of Wholeness™ — Making sense of our amazing human system“. Falls Sie an dem Wochenende noch nichts vorhaben, können Sie ja einen Kurztripp nach Finnland machen
Das lohnt sich übrigens nicht nur wegen des Workshops, sondern auch wegen der traumhaft schönen Natur:

Copyright Bild ganz oben: ©El-Fausto / PIXELIO
Die beste Bewegungsschulung?
Na da habe ich doch mal eine nette Beschreibung gefunden:
“Die Alexander Technik ist nur eine von verschiedenen Bewegungsschulen. Ob sie die Beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vieles spricht allerdings dafür. Gute Gesundheitsmethoden zeigen sich dadurch aus, daß sie sich mit der Schulmedizin wenigstens einigermaßen vertragen und ohne ideologischen Unterbau auskommen. Das ist hier gegeben.”
Ich frage mich allerdings, wieso der Autor die Alexander-Technik auf eine “Bewegungsschulung” reduziert, verweist er doch später selbst darauf, dass
[...] der Hauptgrund, aus dem man sich mit der Alexander Technik auseinandersetzen sollte, [...] die Bewußtseinsbildung [ist].
Hans-Peter Zimmermann hat das in seinem “ABC der Naturheilkunde” schon treffender dargestellt:
Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode, die die kausale Beziehung zwischen Denken und Bewegung untersucht. Ziel ist es, gewohnheitsmäßige Denkmuster so zu verändern, dass die natürliche Funktionsweise des Organismus nicht länger gestört wird.
Wer ihm diese Beschreibung wohl geschickt hat?
Was ist Originalität?
Auf dieser Seite habe ich dieses spannende Zitat gefunden:
“So viele Menschen verwechseln grobe Fehlkoordination mit Originalität.”
Patrick Macdonald (in: “The Alexander Technique as I See It“)
Dazu sag ich Amen
Von Musikern höre ich hin und wieder das Argument, dass man offen und spontan sein müsse, man müsse im Fluss oder “Flow” sein, ja sogar, dass man die Angst überwinden müsse und ins Unbekannte springen, damit etwas Neues, etwas Einzigartiges entstehen könne.
Und das sehe ich ganz genau so!
Und dann muss ich mir ansehen Und dann zeigen sie mir, was sie damit meinen. Und was glauben Sie sehe ich da? Die selben Menschen, die von Offenheit, Spontanität, Fluss und von ‘ins Unbekannte springen’ sprechen, gehen gar nicht mal sooo gut mit sich selbst um, während sie selbst glauben ‘ganz offen und spontan’ zu sein.
Wow und das haut mich zum Teil echt um! Da wird sich verbogen und verspannt, dass Gesicht verzerrt, weil man dadurch das richtige ‘feeling’ kriegt, usw. Auf deutsch: die machen alles das, was Offenheit verhindert!!! Und das Beste daran ist, dass sich das subjektiv spontan und offen anfühlt. (Da frage ich mich doch gleich mal wieder, an welchen Stellen ich selbst denn so völlig daneben liegen könnte…) Ist das spannend?
Was lernen wir daraus?
Ich persönlich finde daran spannend, dass es momentan ja “in” ist von der Macht des Unterbewussten zu sprechen, die Rolle des Verstandes zu degradieren, stattdessen seinem “Gefühl” zu vertrauen und sich davon leiten zu lassen. Und diese Idee wäre auch gar nicht so verkehrt, wenn man seinem Gefühl denn trauen könnte
Wie wir an obigem Beispiel (übrigens beliebig oft reproduzierbar) sehen können, liegt das “Gefühl” aber bei den meisten Menschen leider daneben.
Der Grund, warum Gewohnheiten oft so schwer zu verändern sind, ist ja der, dass
- das Bekannte (die Gewohnheit) sich richtig anfühlt
- das Unbekannte sich dann logischerweise falsch anfühlt
Und niemand, der etwas gut oder richtig machen will, wird jemals auf die Idee kommen etwas zu tun, was sich falsch anfühlt. Also wird er immer im alten, bekannten, sich richtig anfühlenden Tun steckenbleiben.
Ja und da scheint es mir doch so zu sein, dass wir letzten Endes halt doch unseren Verstand bemühen müssen. Das heisst wir müssen unser Denken trainieren, damit wir
- das alles überhaupt erkennen können
- und schliesslich die “falsche” Art etwas zu tun, unterbinden können.
Dann, und nur dann, kann wirklich etwas Neues entstehen! Das nenne ich Originalität!
An der Stelle sei mal wieder ein Zitat von F.M. Alexander erlaubt:
“Jeder will es richtig machen, aber keiner hält an und überlegt, ob seine Vorstellung von “richtig” die richtige ist.”
Das ist der erste Schritt einer jeden echten Veränderung.
Bild ©RainerSturm / PIXELIO
