Archiv für die Kategorie „Lampenfieber“
Bewertung
Heike Thormann hat auf in ihrem neuen blog einen Artikel mit dem Titel “Ich nehm das jetzt persönlich…” geschrieben. Darin eine Liste mit möglichen Gründen, warum jemand etwas persönlich nimmt, was doch eigentlich sachlich gemeint war. Zum letzten Punkt “Menschenbild” möchte ich hier ein paar Anmerkungen machen.
Thormann schreibt:
“Und haben Sie bedacht, dass manchmal auch Ihr Menschenbild mit bestimmt, ob Sie etwas persönlich nehmen? Das heißt, wenn Sie zum Beispiel ein eher negatives Menschenbild haben, werden Sie den anderen eher verdächtigen, Ihnen Übles zu wollen, als bei einem neutralen oder positiven Menschenbild.”
Ich litt ja viele Jahre lang unter heftigem Lampenfieber und eine entscheidende Wendung war, dass ich erkannte, dass es darum geht, dass ich bewertet werde. Damit stehe ich nicht alleine, denn bei vielen Studien wird “Angst vor Bewertung” als Hauptursache für Lampenfieber genannt.
Dann wurde mir mal die Frage gestellt: “Bewertest du eigentlich auch andere?”
Wow, das hat getroffen.
Damals ist mir klar geworden, dass ich als Zuhörer wirklich gnadenlos kritisch war. Die kleinste Unstimmigkeit und schon fand ich die ganze Aufführung so richtig schlecht. Als mir das klar geworden ist war somit auch der Weg vorgezeichnet, den ich zu gehen hätte, wollte ich meine eigene Auftrittsangst loswerden.
Denn nach meiner inneren Logik war es selbstverständlich, dass jeder einzelne meiner Zuhörer genau so kritisch sein musste wie ich. Es hat JAHRE gedauert, bis ich es geschafft habe, ein Konzert zu hören ohne zu bewerten und mich einfach mit der Musik mitgehen zu lassen. Hat es geholfen mein Lampenfieber loszuwerden? JA KLAR!
Nach meiner Beobachtung entstehen viele viele Probleme einfach aus einer groben Fehleinschätzung der Situation. Wenn ich glaube, dass da ein feindliches Publikum sitzt, wird mein Körper, wird mein ganzes Selbst darauf reagieren und entsprechende Symptome produzieren. Diesen Gedanken kann ich nutzen um in praktisch jedem Symptom eine Botschaft zu entdecken, dass da z.B. etwas mit meiner Einschätzung der Situation nicht ganz ok ist und das dann gezielt hinterfragen und so zu anderen Ergebnissen zu kommen.
Der Pinguin in der Wüste
Ich habe mir gerade auf Frank Obels “feel-better-blog” ein super Video von Dr. Eckart von Hirschhausen angeschaut. Darin findet sich eine geniale Metapher! Es geht um (Vor-)Urteile, Veränderung, unsere Stärken und darum, was unsere sogenannten Schwächen vielleicht mit unserer Umgebung zu tun haben könnten.
Schauen Sie sich hier erst mal das Video an:
Es war insbesondere diese Stelle, die mich so begeistert hat:
“…und wenn ich Pinguin bin und in der Wüste mich aufhalte, dann liegt’s nicht an mir wenn’s nicht flutscht. Ich muss nur kleine Schritte machen zu meinem Wasser und dann muss ich springen und dann weiss ich, wie sich das anfühlt, in meinem Element zu sein.”
Das ist doch sowas von genial, oder? Ich kann es noch gar nicht fassen
Ich hatte über das Thema schon öfters nachgedacht und stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, in meine Betrachtungen immer auch den Kontext bzw. das System mit einzubeziehen. (Für die “Gebrauch des Selbst“-Leser: “to analyse the CONDITIONS of use present”)
Sonst finde ich massenhaft “Fehler” bei mir, die ich dann schlauerweise auch noch zu beheben versuche
In Zukunft werde ich an solchen Stellen wahrscheinlich laut lachen und denken: “PINGUIN”
Spannendes Lesefutter!
1985 wurde das (englischsprachige) Direction Journal gegründet – eine unabhängige Zeitschrift für Alexander-Technik. Nach finanziellen Problemen wurde das Projekt bisweilen eingestellt. Jetzt gibt es das Direction Journal wieder. Zunächst nur im Internet unter http://www.directionjournal.com/.
Sie können sich ein Bild vom Direction Journal machen, indem Sie hier ein gratis Exemlar bestellen. Einfach Name und email-adresse eingeben und sie bekommen einen link zum herunterladen in Ihr Postfach. Das Dokument enthält folgende Artikel:
- Living in the Present
by Hella Linkmeyer- Butterfly Soup
by Vivien Mackie- Of One Mind
by Suzanne Faulkner- What Role Can the Alexander Technique Have in Business?
by David Horsman (Interview mit Michael Gelb)
- A Spiritual Path
by Wade Alexander- Mr Macdonald
by Shoshana Kaminitz
Momentan gibt es eine Mitgliedschaft noch zwei Monate fast gratis zum Preis von 1$. Für diesen Preis können Sie neun(!) Direction Journals aus dem Archiv als pdf herunterladen. Daneben gibt es noch ein Audio Archive mit diversen Live Interviews, sowie diverse Congress Papers.
Ich habe in den Direction Journals, die ich “in echt” besitze viele intersessante Artikel gefunden und werde bestimmt auch in den jetzt heruntergeladenen Dokumenten den einen oder anderen Artikel finden, der mich interressiert. Natürlich könnte ich jetzt, nachdem ich alles heruntergeladen habe gleich wieder kündigen. Ich werde allerdings auch nach Ablauf der 1$-Aktion Mitglied bleiben, weil ich das Projekt unterstützenswert finde und mir den einen oder anderen Denkanstoss aus den kommenden neuen Heften erwarte.
Nachtrag 20.3.09
Ich habe inzwischen mehrere emails mit dem Herausgeber des Direction Journals, Paul Cook, gewechselt. Jetzt kann ich sagen: Sehr spannend, was da für die nächsten Ausgaben geplant ist. Ist das jetzt Werbung? Ja klar
Bild: © Hans-Peter Häge / PIXELIO
Alexander-Technik und Lampenfieber
Nachdem ich letzte Woche bereits einen Artikel zum Thema Lampenfieber vorgestellt hatte, folgt auch sogleich ein weiterer.
Die Leiterin der Schule für Alexander-Technik Freiburg, Aranka Fortwängler, hat mir letze Woche als Kommentar geschrieben, dass sie auf der website der Schule einen Artikel mit dem Titel “Die Alexander-Technik und Lampenfieber” anbietet. Ich habe den Artikel schon vor einigen Jahren gelesen und finde ihn sehr interessant und lehrreich.
Und er hat mir die Augen für einen bestimmten Aspekt von Lampenfieber geöffnet, dessen Verständnis mir seeeehr viel gebracht hat. Darüber möchte ich heute schreiben:
Was soll das eigentlich alles?
Lampenfieber ist die Wahrnehmung von den Folgen eines Ansteigens des Adrenalinpegels.
Adrenalin ist Energie!
Jetzt hätte ich da mal ne Frage an Sie: Brauchen Sie für einen Auftritt, eine Präsentation usw. mehr, weniger oder gleich viel Energie wie z.B. beim morgentlichen Zähneputzen? Na also!
So gesehen scheint das doch eine sinnvolle Sache zu sein dieses “Lampenfieber”, das normalerweise einen verdammt schlechten Ruf hat, finden Sie nicht auch?
“Dies alles ist an und für sich normal und den besonderen Anforderungen der Situation angemessen – wir brauchen mehr Energie, um so eine Aufgabe erfolgreich meistern zu können. Problematisch wird es erst, wenn wir diese Reaktionen als unangenehm oder gar bedrohlich empfinden.”
Und das gilt unabhängig davon, ob Sie Redner, Lehrer, Schauspieler, Musiker sind, ob Sie eine Präsentation geben, in einem Meeting oder in einer Prüfung sind, sich irgendwo bewerben oder der Frau ihrer Träume ihre Liebe gestehen
Lampenfieber hat einen bestimmten (positiven) Sinn und Sie als ganze Person reagieren darauf – in einer günstigeren oder ungünstigeren Art und Weise. Punkt. So einfach!
Darum helfen übrigens auch die meisten gutgemeinten Tips und Tricks gegen Lampenfieber in der Regel nicht. Warum? Weil sie eben genau dieses Kernthema(?) nicht berücksichtigen. Worum also geht es?
Lampenfieber loswerden?
Es geht um die innere Einstellung. Wie interpretieren wir das Lampenfieber? Wie bewerten wir das Lampenfieber? Wie reagieren wir auf das Lampenfieber?
Sollten wir das Lampenfieber nämlich loswerden wollen, so ergibt sich ein innerer Konflikt:
- ein Teil will Energie liefern, damit wir uns ausdehnen und ausdrücken können
- ein anderer Teil will die Kontrolle behalten und diese ganze Aufregung unterdrücken, versucht also auf die Bremse zu treten
Wir haben also folgende Situation:
Energiebremse (Kontrollieren) gegen Energielieferung (Lampenfieber)
Wenn Sie also ihr Lampenfieber besiegen oder loswerden wollen, so heisst das, dass Sie Energie aufwenden um weniger Energie zu haben…
Also ich muss sagen, Sie haben da ein echt interessantes Konzept
Die Folgen sind leider eine gigantische Energieverschwendung bis hin zur Handlungsunfähigkeit.
Ausserdem schwirrt in Esoterikkreisen (der ’seriösen’ Art) immer mal wieder der Satz “Was du bekämpfst das machst du stärker” durch die Luft. Wenn dieser Satz zuträfe (und ich bin überzeugt, er trifft zu), dann würde das ja bedeuten, dass alle Maßnahmen die sich gegen das Lampenfieber richten, letzten Endes alles nur noch schlimmer machen würden… Was also tun?
Lernen Sie das Lampenfieber zu nutzen!
In genannten Artikel skizziert Fortwängler, was die Alexander-Technik ist und wie Sie sie mit ihrer Hilfe lernen könnten, dieses Lampenfieber, diese zusätzliche Energie, die sooooo unsteuerbar scheint, FÜR SICH und Ihre Intentionen ZU NUTZEN. Wie das gehen soll erfahren Sie im Artikel. Indem Sie ihren Umgang mit sich selbst verändern, verändern Sie indirekt auch ihren Umgang mit Lampenfieber.
“Und was hat sich am Ende an unserer Aufregung verändert? Wahrscheinlich gar nichts – wir sind weiterhin aufgeregt — aber wir können jetzt die Aufregung unter Umständen sogar genießen. Wir können sie und uns als einen Teil des Geschehens annehmen, als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen.”
Lampenfieber als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen? Die Aufregung genießen? Finden Sie das etwa erstrebenswert?
Dann ist der link zum Artikel:
Die Alexander-Technik und Lampenfieber
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P.S. Haben Sie auch etwas zum Thema Lampenfieber zu sagen? Dann schreiben Sie mir doch einen kurzen Kommentar! Gerne auch mit link-Tips
Bild: ©Kurt Michel/ PIXELIO
Lampenfieber auflösen?
Ich bereite gerade einen Workshop zum Thema Lampenfieber vor. Drum lese ich mal wieder diverse Bücher und stöbere im Netz nach nützlichen Artikeln zum Thema.
Mal wieder? Ich habe in meiner Musikerlaufbahn sehr mit dem Phänomen Lampenfieber zu kämpfen gehabt, was so weit ging, dass gar nichts mehr ging
Sprich ich stand auf der Bühne und hatte so heftiges Lampenfieber, dass aus meiner Trompete nur noch – ich will es mal als “Geräusche” bezeichnen - kamen, also weit entfernt also von Tönen, Klängen, geschweige denn Musik…
Ich weiss also aus eigener Erfahrung um was es geht und ich habe in einem langen Prozess gelernt, dass ich das Lampenfieber gebraucht habe, um bestimmte Dinge über mich lernen zu können. Somit bin ich heute sogar dankbar für mein Lampenfieber damals! Im Nachhinein lässt’s sich zwar leicht reden, aber in sogenannten Problemen steckt immer die Chance zu wachsen (Drum heissen die ja PRO-bleme und nicht CONTRA-bleme).
Inzwischen fühle ich bei Auftritten eine ganz andere Nervosität, eher zu beschreiben als Aufregung oder aufregende Vorfreude, was dazu führt, dass ich dann saugut spiele
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Das Wort Lampenfieber leitet sich übrigens von dem Wort “Kanonen-fieber” her, das Goethe anässlich der Kanonade von Valmy 1792 beschrieb: das Pfeifen der herannahenden Kanonenkugeln versetzte die Soldaten in einen gar merkwürdigen Rausch. 1858 tauchte dann der Begriff “Lampenfieber” erstmals in der Theaterwelt auf. (Quelle: Irmtraud Tarr: Vom Lampenfieber zur Vorfreude)
In werde in unregelmässigen Abständden hier einige lesenswerte Artikel, Bücher und Methoden zum Thema Lampenfieber vorstellen. Los geht’s mit dem hier:
Was man gegen Lampenfieber tun kann
Die Alexander-Technik-Lehrerin und Begründerin der sogenannten Bodymapping-Methode – Barbara Conable – hat einen lesenswerten Artikel verfasst, der sich mit dem Thema “Lampenfieber bei Musikern” auseinandersetzt. Sie geht von vier verschiedenen Arten des Lampenfiebers aus:
- Schmetterlinge
- Gehemmtheit
- Empfindungen im Zusammenhang mit ungenügender Vorbereitung
- Schwächende Angst, Schrecken, Grauen, Panik
Nr.1 beschreibt positives Lampenfieber, auch gelegentlich als Eu-Stress bezeichnet. Darüber kann man sich riesig freuen, weil das die Leistungsfähigkeit erhöht.
Für alle weiteren Punkte (negatives Lampenfieber) gibt Conable hilfreiche Tipps und Strategien, wie man entweder präventiv daran arbeiten kann, oder wie man das Problem Lampenfieber ein für alle Mal lösen können soll.
Besonders interessant fand ich einen Absatz in dem Conable über den kulturellen Zusammenhang, in dem Lampenfieber entsteht, schreibt. Hier einige Beispiele:
Es ist auf der Welt ziemlich ungewöhnlich, daß ein Publikum in Reihen sitzend einer Bühne zugewandt ist und nichts weiter zu denken hat.
Tja, alle Augen und Ohren starren auf den Musiker und registrieren und verurteilen beurteilen jede kleinste Unstimmigkeit. Warum können die das überhaupt beurteilen? Conable liefert die Antwort:
Heutzutage besitzen viele Leute CDs von der Musik, die zur Aufführung gebracht werden soll. Noten, die der Komponist nicht geschrieben hat, sind auf der CD korrigiert worden und deshalb sind die Ohren des Publikums auf ein technisches Niveau ausgerichtet, das völlig unrealistisch ist.
Hmmm, da wird also ein Student oder ein Musiklehrer mit den weltbesten Musikern verglichen und mit youtube ist das heutzutage ja noch einfacher. Da kann man ja eigentlich nur verlieren…
Man kann den Status, den Musiker in unserer Kultur haben mit einem Wort beschreiben: niedrig.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.
Mit diesen und weiteren Beispielen verdeutlicht Conable, dass Lampenfieber bei Musikern viele Ursachen haben kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Denkweise allein schon eine enorme Erleichterung darstellen kann, ist man doch nicht mehr (nur) selbst “Schuld” an seiner Angst und dann kann man, vielleicht schneller als man denkt, erkennen, dass das mit Schuld rein gar nichts zu tun hat…
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Den Artikel “Was man gegen Lampenfieber tun kann” hat die Alexander-Technik-Lehrerin Sibylle Wenzel übersetzt und stellt die deutsche Übersetzung auf Ihrer website gratis zum download zur Verfügung.
Hier ist der link zum englischen Original.
Bild: ©RainerSturm / PIXELIO
