Archiv für die Kategorie „Rezensionen“

Linktipp: Veränderung vs Transformation

Nils Koroschek hat einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben, dem ich voll zustimme. Unbedingt lesen!!!

Veränderung und Transformation – ein wichtiger Unterschied

Die Welt als Spiegel

Als ich damit begann, Kindern das Trompetespielen beizubringen machte ich gelegentlich eine interessante Beobachtung. Kinder reagieren sehr schnell und feinfühlig auf ihre Lehrer. Wenn ich also schlecht gelaunt unterrichten ging, waren an diesem Tag “aus irgendwelchen Gründen” fast alle Kinder mies drauf. Na das fehlte mir gerade noch! Als ob die sich gegen mich verschworen hätten. Nun ja,  es dämmerte schon überdeutlich, dass ich der Verursacher dieser Verschwörung war…

Einige Jahre später dann hörte ich Cathy Madden in einem Workshop zum Thema “Gruppenunterricht” folgendes sagen:

“Who is the most important person in this room? -I am, of course.”

Zunächst fand ich das etwas merkwürdig bis arrogant, war ich doch der Ansicht, dass ein Lehrer für die Schüler da zu sein habe und somit die Schüler die wichtigsten Personen seien. Allerdings wurde schnell klar worum es ging:

  • je besser ein Lehrer mit sich selbst umgeht, desto besser kann er auf die Schüler eingehen
  • je besser es dem Lehrer geht, desto besser geht es den Schülern, desto leichter lernen sie
  • je besser es dem Lehrer geht, desto inspirierender wird der Unterricht sein
  • wenn ich also das Beste für meine Schüler will, muss ich zuerst dafür sorgen, dass ich in Topform bin

Auch das Gegenteil ist wahr: wenn ein Lehrer genervt oder gelangweilt ist, wird er entsprechende Schüler vorfinden. Das gilt natürlich nicht nur für Lehrer sondern auch für alle anderen Berufe/Situationen. Manchmal scheint es sogar, dass der Computer auf meine Launen reagiert und dann diverse kleinere Aussetzer zu haben scheint ;-)

Und jetzt habe ich in Rüdiger Dahlkes neuen Buch “Die Schicksalsgesetze” gelesen, dass die Welt ein Spiegel meines Inneren ist. Das ist an sich keine neue Erkenntnis, sowas liest man in vielen Ratgeberbüchern usw.

Wie er den Gedanken weiterführt ist allerdings sehr interessant. Er schreibt:

“Probleme entstehen, sobald wir den Spiegelcharakter der Welt verkennen und sie für objektiv und unabhängig von uns halten. [...] Wer morgens in den Spiegel schaut, würde allerdings kaum versuchen, sein griesgrämiges Gesicht im Ebenbild zu verschönern oder Mitesser dort auszudrücken. Kaum aber haben wir das Bad verlassen beginnen die Spiegelfechtereien.”

Geniale Metapher :-)

Die Lösung der Paradoxons

So lautet eine Überschrift auf den Seiten des Weiss Institutes. Weiter steht da:

“Das Paradoxe ist, dass je mehr wir versuchen, höhere Leistungen in kürzerer Zeit zu erringen, wobei wir Überspannung und Angst ignorieren, wir umso mehr unser wahres Leistungspotential limitieren.”

Wikipedia sagt dazu folgendes:

Ein Paradoxon ist ein scheinbarer oder tatsächlich unauflösbarer, unerwarteter Widerspruch. (wikipedia)

Und zunächst scheint es für viele so zu sein, dass das ein tatsächlicher Widerspruch ist: Je mehr ich mich anstrenge, desto weniger komme ich vorwärts. Das haben viele schon mal erlebt.

Wie kann das kommen?

Die einfachste Antwort, die ich finden konnte war die, dass wir unsere Energie in die falschen Bahnen leiten. In Bahnen also, die nicht mit unserem bewusst gewählten Ziel in Einklang stehen. So gesehen sind, die ‘Probleme’ die entstehen schlicht Hinweise darauf, dass wir möglicherweise unbewusst noch ein anderes Ziel verfolgen und die Energie nicht dahin fliesst, wohin wir sie eigentlich fliessen lassen wollen. So gesehen sind diese ‘Probleme’ sehr nützlich ;-)

Es gibt kein Paradoxon!

Schon ist klar, dass da niemals ein Paradoxon gewesen ist. Wir hatten einfach nicht genügend KLARHEIT.

Die Alexander-Technik bietet einen positiven Weg, unsere physischen Gewohnheiten und Einstellungen zu verbessern.

Und da das Modell der Alexander-Technik ja als einen der zentralen Punkte die Idee von Ganzheitlichkeit hat, würde ich das Wort ‘physisch’ einfach weglassen.

Meiner Erfahrung nach zeigt sich Ganzheitlichkeit auch gerade dadurch, dass durch die Wahrnehmung des Körpers erst erfahrbar wird, welchen unbewussten geistigen Konzepte wir fröhnen. Dann haben wir die Möglichkeit und die Wahl(!) etwas zu verändern, noch bevor wir wieder mal ein ‘Paradoxon’ entdeckt zu haben glauben.

Bewertung

Heike Thormann hat auf in ihrem neuen blog einen Artikel mit dem Titel “Ich nehm das jetzt persönlich…” geschrieben. Darin eine Liste mit möglichen Gründen, warum jemand etwas persönlich nimmt, was doch eigentlich sachlich gemeint war. Zum letzten Punkt “Menschenbild” möchte ich hier ein paar Anmerkungen machen.

Thormann schreibt:

“Und haben Sie bedacht, dass manchmal auch Ihr Menschenbild mit bestimmt, ob Sie etwas persönlich nehmen? Das heißt, wenn Sie zum Beispiel ein eher negatives Menschenbild haben, werden Sie den anderen eher verdächtigen, Ihnen Übles zu wollen, als bei einem neutralen oder positiven Menschenbild.”

Ich litt ja viele Jahre lang unter heftigem Lampenfieber und eine entscheidende Wendung war, dass ich erkannte, dass es darum geht, dass ich bewertet werde. Damit stehe ich nicht alleine, denn bei vielen Studien wird “Angst vor Bewertung” als Hauptursache für Lampenfieber genannt.

Dann wurde mir mal die Frage gestellt: “Bewertest du eigentlich auch andere?”

Wow, das hat getroffen.

Damals ist mir klar geworden, dass ich als Zuhörer wirklich gnadenlos kritisch war. Die kleinste Unstimmigkeit und schon fand ich die ganze Aufführung so richtig schlecht. Als mir das klar geworden ist war somit auch der Weg vorgezeichnet, den ich zu gehen hätte, wollte ich meine eigene Auftrittsangst loswerden.

Denn nach meiner inneren Logik war es selbstverständlich, dass jeder einzelne meiner Zuhörer genau so kritisch sein musste wie ich. Es hat JAHRE gedauert, bis ich es geschafft habe, ein Konzert zu hören ohne zu bewerten und mich einfach mit der Musik mitgehen zu lassen. Hat es geholfen mein Lampenfieber loszuwerden? JA KLAR!

Nach meiner Beobachtung entstehen viele viele Probleme einfach aus einer groben Fehleinschätzung der Situation. Wenn ich glaube, dass da ein feindliches Publikum sitzt, wird mein Körper, wird mein ganzes Selbst darauf reagieren und entsprechende Symptome produzieren. Diesen Gedanken kann ich nutzen um in praktisch jedem Symptom eine Botschaft zu entdecken, dass da z.B. etwas mit meiner Einschätzung der Situation nicht ganz ok ist und das dann gezielt hinterfragen und so zu anderen Ergebnissen zu kommen.

Mut zum Lampenfieber

Heute möchte ich Ihnen in meiner Lampenfieber-Serie ein Buch vorstellen. Der bekannte Cellist und Pädagoge Prof. Gerhard Mantel hat ein saugutes Buch zum Thema Lampenfieber geschrieben. Das beste daran: es enthält keine dieser dämlichen Tricks, die nicht funktionieren. Es wird auch nicht versprochen, dass man nach der Lektüre des Buches nie wieder Lampenfieber haben wird.

Ganz im Gegenteil. Der Titel des Buches lautet nicht umsonst:

Mut zum Lampenfieber – Mentale Strategien für Musiker zur Bewältigung von Auftritts- und Prüfungsangst

.

Das 240 Seiten umfassende Werk ist in vier Teile gegliedert.

  1. Das Phänomen Lampenfieber
  2. Die langfristige Vorbereitung des Auftritts
  3. Vor dem Konzert
  4. Das Konzert

Das Buch ist voll von nützlichen Informationen und kommt ohne leeres Gelaber aus.

Systematisch werden von Mantel Sichtweisen in Frage gestellt. Ein Beispiel gefällig?

Eine Quelle des Lampenfiebers ist z.B. die Vorstellung, dass es eine feindliche Front zwischen Künstler und Publikum gibt, wobei dem Publikum die Rolle des (gnadenlos) “objektiven” Beurteilers zugewiesen wird. S.40

Diese Denkweise nimmt Mantel gründlich auseinander und entwirft das dienlichere (und auch realistischere) Modell eines Kommunikationsverhältnisses zwischen Künstler und Publikum. Die ganze Zeit über geht Mantel sehr einfühlsam vor, was ein weiteres Plus ist.

Mein Fazit: das beste Buch zum Thema Lampenfieber, das ich bisher gelesen habe!

Essenz des Zielstrebens

ziel-erreichenSo, jetzt habe ich es endlich geschafft David Gormans Artikel “The rounder we go, the stucker we get” ins Deutsche zu übersetzen. War ein gutes Stück Arbeit…

Vielen Dank an dieser Stelle noch an die Alexander-Technik Lehrerin Joanna-Maria Otto aus Freiburg, die die Übersetzung Korrektur gelesen hat.

Gormans hochinteressante LearningMethods-Seite ist zumindest in Alexander-Kreisen schon längst kein Geheimtip mehr. Auf der Seite finden Sie sehr viele, sehr gute Artikel und ebooks (im weitesten Sinne zum Thema Alexander-Technik / persönliches Wachstum) zum lesen oder downloaden. Und einen dieser Artikel, der mir besonders gut gefallen hat, habe ich jetzt halt mal übersetzt (man gönnt sich ja sonst nichts ;-) ) und Gorman bietet ihn ab sofort auf seiner website zum lesen an.

Und darum geht’s:

Gorman beschreibt als erstes, wie sich Gewohnheiten bilden und wie daraus in der Regel ein regelrechter Teufelskreis wird. Ist es erst einmal so weit, nützen weder Symptombekämpfung (wann nützt das schon?), noch Ursachenbekämpfung mehr. Und warum?

Weil diese Gewohnheiten sehr rafiniert konstruiert sind. Sie verleiten nämlich permanent zum sogenannten Zielsteben. Was das bedeutet? Ganz einfach. Ich akzeptiere den jetzigen Zustand nicht und schliesse daraus reflexartig, dass

  • an meinen Zustand (oder gar an mir?) etwas falsch ist
  • ich etwas ‘tun’ muss, um das alles in Ordnung zu bringen
  • ich dieses Ziel offensichtlich nicht jetzt, sondern nur in der Zukunft erreichen kann
  • ein bestimmter Teil von mir weiss, was richtig oder falsch ist und somit einen oder mehrere andere Teile reparieren kann oder muss
  • ich überhaupt aus mehreren Teilen bestehe(!), und dass diese Teile einer Koordination bedürfen (Gegenteil von Ganzheit/Einheit)

Tja, wenn ich also etwas ‘verbessern’ will, werde ich automatisch von den eben genannten Prämissen ausgehen. Wohin das führt wissen wir ja… Ein ewiger Kreislauf. Mal ist dies verkehrt, mal jenes, mal tut der Rücken weh, mal bin ich ‘im Stress’ usw.

(kleine Anmerkung: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir von Krankheiten (Plural) und Gesundheit (Singular) sprechen, niemals aber von Gesundheiten (Plural)? Ich finde das sehr spannend, denn das untersteicht ja wieder den Gedanken von Einheit/Ganzheit. Könnten wir also sagen Ganz = Gesund? Falls ein Etymologe unter den Lesern ist, die Geschichte des Wortes “gesund” würde mich doch sehr interessieren…)

Raus aus dem Teufelskreis!

Wie also kann ich aus dem Teufelskreis aussteigen? Tja, akzeptiere halt einfach alles so wie es jetzt eben ist, und du erreichst dein Ziel durch nicht-tun. Ganz toll! Das kennen wir ja schon spätestens seit Eckhard Tolles “JETZT!-Buch”. Und schon bekommt das, was so harmlos anfing, eine spirituelle Dimension :-) Bedingungslos im Jetzt leben… Aber wie erreichen wir das?

Und genau an der Stelle bin ich jetzt einen grossen Schritt weiter gekommen. -HA! Und genau da haben wir es doch schon wieder. Haben Sie es auch bemerkt? Ich glaube also auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Verstehen Sie? Das ist doch schon wieder genau das Konzept, nachdem ich nur in der Zukunft etwas erreichen kann (s.o.). Tja, reingefallen. Ich werde also auf diesem blog hin und wieder berichten, was ich Neues dazu gelernt habe – hoppla, schon wieder reingefallen ;-) … Spass beiseite, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie unten auf den link und lesen Sie Gormans Artikel.

Das habe ich von dem Artikel gelernt:

Wenn man sich mit dem Konzept des Zielstrebens auseinandersetzt, so ist man leicht verleitet, das Ziel im Aussen zu suchen. Ich will ja schliesslich dies oder jenes erreichen, beispielsweise diesen Artikel schreiben usw. Innehalten würde in dem Fall bedeuten nicht blind auf mein Ziel loszustürmen, sondern auch die Mittel zu bedenken, mit denen ich mein Ziel zu erreichen gedenke.

Durch die Lektüre von Gormans Artikel bin ich jetzt so weit behaupten zu wollen, dass jedes Zielstreben in seiner Essenz bedeutet, dass ich den jetzigen Moment (noch) nicht akzeptiere und mein Glück in einem zukünftigen Moment erhoffe. Dabei ist es völlig wurscht, welches äussere Ziel ich verfolge. Ich bin unzufrieden mit dem was jetzt ist, will also davon weg und gleichzeitig hin zu dem, was in der Zukunft auf mich wartet.

Im NLP gibt es das Modell der Hin-zu oder Weg-von Motivation. Also ich will entweder von einem Zustand weg, den ich nicht akzepitere (weg-von), oder ich freue mich auf einen besseren Zustand in der Zukunft (hin-zu). Das ist definitiv ein Modell von Motivation, das meinem Erleben von Motivation sehr sehr nahe kommt. Ich denke, dass Fortschitt oder persönliches Wachstum immer entweder auf einer gewissen Unzufriedenheit oder auf einer Vision, oder auf beidem gründen. Das Problem mit dem Zielstreben ist jedoch, dass wir aus der Unzufriedenheit oder Vision ein “muss” machen. “Ich muss hier weg um glücklich zu sein” oder “Ich muss da hin, damit ich glücklich bin.”

So, und jetzt lehne ich mich noch etwas aus dem Fenster und sage folgendes: worum es F.M. Alexander bei seinem “Mittel-wodurch”-Konzept in der Essenz ging, ist schlicht die vollständige Akzeptanz dessen was jetzt ist, um auf dieser Grundlage wählen zu können (Wahlfreiheit) wohin die Reise gehen soll und wie (Mittel-wodurch) wir Reisen wollen.

Fazit: unbedingt lesen!

Hier ist der direkte link zum Artikel

P.S. David Gorman ist übrigens vom 15.-17.Mai 2009 bei mir hier in Savonlinna und hält den Workshop “The Anatomy of Wholeness™ — Making sense of our amazing human system“. Falls Sie an dem Wochenende noch nichts vorhaben, können Sie ja einen Kurztripp nach Finnland machen ;-) Das lohnt sich übrigens nicht nur wegen des Workshops, sondern auch wegen der traumhaft schönen Natur:

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Copyright Bild ganz oben: ©El-Fausto / PIXELIO

Die beste Bewegungsschulung?

Na da habe ich doch mal eine nette Beschreibung gefunden:

“Die Alexander Technik ist nur eine von verschiedenen Bewegungsschulen. Ob sie die Beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vieles spricht allerdings dafür. Gute Gesundheitsmethoden zeigen sich dadurch aus, daß sie sich mit der Schulmedizin wenigstens einigermaßen vertragen und ohne ideologischen Unterbau auskommen. Das ist hier gegeben.”

(methode.de)

Ich frage mich allerdings, wieso der Autor die Alexander-Technik auf eine “Bewegungsschulung” reduziert, verweist er doch später selbst darauf, dass

[...] der Hauptgrund, aus dem man sich mit der Alexander Technik auseinandersetzen sollte, [...] die Bewußtseinsbildung [ist].

Hans-Peter Zimmermann hat das in seinem “ABC der Naturheilkunde” schon treffender dargestellt:

Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode, die die kausale Beziehung zwischen Denken und Bewegung untersucht. Ziel ist es, gewohnheitsmäßige Denkmuster so zu verändern, dass die natürliche Funktionsweise des Organismus nicht länger gestört wird.

Wer ihm diese Beschreibung wohl geschickt hat? ;-)

Prävention

In Michael Schürks “Alexander-Technik-Blog” habe ich folgenden Vortrag von Dr. Spitzbart mit dem Titel “Präventive Medizin” entdeckt:

Ich hatte Thema “Spüren” schon mal kurz angedeutet. Dr. Spitzbart verdeutlicht das Thema sehr anschaulich, indem er sagt, dass man 70% Organfunktion verlieren kann und man selbst spürt nichts davon. Prävention wäre demnach, seinen Verstand einzuschalten, der einem möglicherweise sagt, dass Rauchen tötet, so dass ein etwaiger Abwärtstrend gestoppt oder zumindest gebremst werden kann:

prävention

Ist das nicht verrückt? Muss man sich etwa auf seinen Verstand verlassen um erkennen zu können, was einem gut tut und was nicht? Wie kommt es, dass Dinge, die einem ganz offensichtlich schaden, sich subjektiv gut anfühlen? Wie kann man es schaffen, dass das Gefühl wieder zuverlässig wird?

Ich denke, es ist genau diese Trennung von “ich denke so und so darüber” und “das fühlt sich so und so an”. Wieso diese Trennung? Ich spüre etwas und ich denke und beides zusammen (und noch einiges mehr) ergibt ein Gesamtbild. Wenn ich mich aber nur auf mein Gefühl verlasse, oder nur auf meinen Verstand, dann klammere ich womöglich wichtige Informationen einfach aus und erhöhe damit die Wahrscheinlichkeit von Fehleinschätzungen.

Vernünftig wäre es also, alle verfügbaren Informationsquellen zu nutzen und dann eine bewusste Entscheidung(!) zu treffen.

Ich freue mich auf Kommentare :-)

Unterricht als Dienstleistung?

Auf dem Persönlichkeits-Blog von Roland Kopp-Wichmann fand ich folgenden Text von dem dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard:

“Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.

Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.

Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.

Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.”

(Søren Aabye Kierkegaard: Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst; 1859)

In diesem Text hat mir der Gedanke, dass die Leistung des Lehrer vor allem darin besteht, dem Schüler zu dienen, besonders gut gefallen. In diesem Sinne ist Unterricht wirklich eine Dienst-leistung. :-) Das passt perfekt zu meinem Verständnis von (Alexander-)Unterricht. Und anders ist es meiner Erfahrung nach auch gar nicht möglich, dass ein Schüler sich und sein Verhalten in der gewünschten Weise verändert, denn echte Veränderung kann NIE von aussen kommen, sondern muss in einem selbst entstehen. Unterricht soll den Rahmen bieten, in dem die gewünschte Veränderung möglichst leicht geschehen kann. Ich möchte die im zitierten Text genannten “Stationen” nochmals für eine Unterrichtsstunde zusammenfassen:

  • die Welt des Schülers verstehen
  • von dort aus einen Weg zu neuen Ufern aufzeigen
  • den Raum offenhalten, damit die gewünschte Veränderung geschehen kann

In diesem Sinne möchte ich hier auch die Vorgehensweise, wie Sie F.M.Alexander in The Use Of The Self beschrieben hat, interpretieren:

  • to analyse the conditions of use present;
  • to select (reason out) the means whereby a more satisfactory use could be brought about;
  • to project consciously the directions required for putting these means into effect.

Diese drei Punkte sind natürlich nicht nur für Lehrer und Therapeuten genial, sondern für jeden, der selbstständig irgend etwas in seinem Leben, in seinem Denken und Handeln verändern will.

Spannendes Lesefutter!

Direction Journal1985 wurde das (englischsprachige) Direction Journal gegründet – eine unabhängige Zeitschrift für Alexander-Technik. Nach finanziellen Problemen wurde das Projekt bisweilen eingestellt. Jetzt gibt es das Direction Journal wieder. Zunächst nur im Internet unter http://www.directionjournal.com/.

Sie können sich ein Bild vom Direction Journal machen, indem Sie hier ein gratis Exemlar bestellen. Einfach Name und email-adresse eingeben und sie bekommen einen link zum herunterladen in Ihr Postfach. Das Dokument enthält folgende Artikel:

  • Living in the Present
    by Hella Linkmeyer
  • Butterfly Soup
    by Vivien Mackie
  • Of One Mind
    by Suzanne Faulkner
  • What Role Can the Alexander Technique Have in Business?
    by David Horsman (Interview mit Michael Gelb)
  • A Spiritual Path
    by Wade Alexander
  • Mr Macdonald
    by Shoshana Kaminitz

Momentan gibt es eine Mitgliedschaft noch zwei Monate fast gratis zum Preis von 1$. Für diesen Preis können Sie neun(!) Direction Journals aus dem Archiv als pdf herunterladen. Daneben gibt es noch ein Audio Archive mit diversen Live Interviews, sowie diverse Congress Papers.

Ich habe in den Direction Journals, die ich “in echt” besitze viele intersessante Artikel gefunden und werde bestimmt auch in den jetzt heruntergeladenen Dokumenten den einen oder anderen Artikel finden, der mich interressiert. Natürlich könnte ich jetzt, nachdem ich alles heruntergeladen habe gleich wieder kündigen. Ich werde allerdings auch nach Ablauf der 1$-Aktion Mitglied bleiben, weil ich das Projekt unterstützenswert finde und mir den einen oder anderen Denkanstoss aus den kommenden neuen Heften erwarte.

Nachtrag 20.3.09
Ich habe inzwischen mehrere emails mit dem Herausgeber des Direction Journals, Paul Cook, gewechselt. Jetzt kann ich sagen: Sehr spannend, was da für die nächsten Ausgaben geplant ist. Ist das jetzt Werbung? Ja klar ;-)

Bild: © Hans-Peter Häge / PIXELIO

Weniger ist mehr

314144_r_k_b_by_slicer_pixeliodePeter Ruhrberg hat eine exzellente Einführung in die Alexander-Technik mit dem Titel “Weniger ist mehr” geschrieben. Auf seiner website bietet er das 26-seitige Dokument gratis als pdf-download an. Es ist nach meinem Empfinden von bestechender Logik und in einem klar verständlichen Schreibstil verfasst. Es ist eine der besten Einführungen in die Alexander-Technik, die ich im Internet bisher gefunden habe.

Hier zunächst ein Überblick über die Inhalte, damit Sie wissen, ob der Artikel für Sie überhaupt interessant ist:

Was ist Alexander-Technik?
Der Ansatz
Anwendungsbereiche
Geschichte und Methodik
Definition “Alexander-Technik”
Ein Gedanke zum Auftakt
Zwei Entdeckungen Alexanders
Weitere Erkenntnisse in Alexanders Arbeit
Grundannahmen der Alexander-Technik
Die Aufgabenstellung
Alexanders Weg der Selbstschulung
Der Alexander-Unterricht
Quellen

Wer das Buch “What You Think Is What You Get” von Donald L. Weed kennt wird deutliche Paralellen erkennen können. Wenn Sie es es also mit dem Englischen nicht so haben sollten, können Sie ruhig erstmal Ruhrbergs kostenlose Einführung lesen, bevor Sie Weeds  Buch lesen. Dann sind Sie schon mitten drin im Thema. ;-)

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die vielen nützlichen (In-)Fragestellungen, die einen erfrischend neuen Zugang zum Verständnis der Alexander-Technik eröffnen können.

Auch wenn es den Lesefluss nach meinem Empfinden etwas stört, so kann ich es inzwischen doch sehr wertschätzen, dass Ruhrberg für (fast) jede einzelne Aussage eine oder meist sogar mehrere Quellenangaben macht. Diese Quellenangaben konnte ich jedoch nutzen, um mir einige Aussagen aus Alexanders Büchern auf eine neue Art und Weise zu erschliessen, sie zu hinterfragen und somit Neues zu lernen. Ich habe davon sehr profitiert.

Hier geht’s zum Artikel:

Peter Ruhrberg: Weniger ist mehr – Eine Einführung in die F.M.Alexander-Technik

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Neben weiteren interessanten Artikeln, findet sich auf der website ausserdem noch ein Plädoyer für das wiederholte, genaue Lesen von F.M.Alexanders Büchern, das sich im Besonderen (aber nicht nur) an Lehrer der Alexander-Technik zu richten scheint. Ruhrberg schreibt:

“Als Kinder hatten meine Spielgefährten und ich großen Spaß bei einem Spiel, das noch heute unter dem Namen „Stille Post“ bekannt und verbreitet ist. Inzwischen gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen über die Unzuverlässigkeit und die Verfälschungen, die mit einem solchen lediglich mündlichen Prozess der Weitergabe von Informationen, Kenntnissen und Fähigkeiten einhergehen. Ich wäre nicht sehr glücklich darüber, wenn die Präzision und Glaubwürdigkeit dessen, was Alexander über seine Ideen und seine Lehre mit größter Sorgfalt schriftlich zu formulieren versuchte, über längere Zeit hauptsächlich von einer solchen Art und Weise der Weitergabe abhängig bliebe – vor allem, wenn es nicht wirklich nötig ist.

Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke ausserdem, dass sich das Lesen des “Orginals” und Gedanken, die man in Sekundärliteratur und/oder Unterrichtsstunden kennengelernt hat, sich gegenseitig zu bereichen vermögen. Aber eben erst dann, wenn man die Primärliteratur wirklich auch gründlich studiert hat! (in dem Fall wäre weniger dann ausnahmsweise mal nicht mehr ;-) )

Wieso sollte es überhaupt am Studieren der Primärliteratur scheitern? Hierzu bemerkt Ruhrberg:

So gibt es nach wie vor Alexander-Lehrer und -Schüler, die Alexanders Schreibstil zu kritisieren oder zu verteidigen versuchen, und dabei kommen oft Argumente ins Spiel wie: „unverstehbare Sprache“, „viktorianischrationalistisches Denken“, „gewundene Ausdrucksweise“, „zu formaler, hochtrabender, geschwollener Stil“, „veraltete Ideen“, „gefährliche Irrtümer“ und immer wieder „Alexanders Sätze finden einfach kein Ende“.

Ich selbst finde es immer wieder spannend in Alexanders Büchern zu lesen. Im Lichte neuer Erfahrungen, die ich (seit dem letzen Lesen) gemacht habe, kann ich immer wieder Neues entdecken, dass da “vorher noch nicht stand”. Zumindest habe ich es nicht, oder nicht in dieser Weise wahrgenommen.

Das ist, was Tor Noerretranders in seinem genialen (und leider seit Jahren vergriffenen) Buch Spüre die Welt als Ex-formation (im Ggs. zur In-formation) bezeichnet hat: je durchdachter und damit “gehaltvoller” ein Text ist, desto mehr Information wurde aussortiert und desto reichhaltiger wird ein Text empfunden, weil der Leser die aussortierte Information selbst ergänzen muss (=denken), und den Text somit automatisch mit Leben füllt. Und genau darum geht es doch letzten Endes: den Text mit Leben zu erfüllen.

Ruhrberg bietet z.Z. auf seiner website übrigens einen “Lesekurs zum Verständnis der Schriften von F.M. Alexander” an. Wenn ich nicht knapp 2000km entfernt wohnen würde, würde ich bestimmt hingehen. Vielleicht gibt’s das ja irgendwann mal als Online-Kurs? Wäre bestimmt sehr spannend…

Bild: © slicer/ PIXELIO

Alexander-Technik und Lampenfieber

LampenfieberNachdem ich letzte Woche bereits einen Artikel zum Thema Lampenfieber vorgestellt hatte, folgt auch sogleich ein weiterer.

Die Leiterin der Schule für Alexander-Technik Freiburg, Aranka Fortwängler, hat mir letze Woche als Kommentar geschrieben, dass sie auf der website der Schule einen Artikel mit dem Titel “Die Alexander-Technik und Lampenfieber” anbietet. Ich habe den Artikel schon vor einigen Jahren gelesen und finde ihn sehr interessant und lehrreich.

Und er hat mir die Augen für einen bestimmten Aspekt von Lampenfieber geöffnet, dessen Verständnis mir seeeehr viel gebracht hat. Darüber möchte ich heute schreiben:

Was soll das eigentlich alles?

Lampenfieber ist die Wahrnehmung von den Folgen eines Ansteigens des Adrenalinpegels.

Adrenalin ist Energie!

Jetzt hätte ich da mal ne Frage an Sie: Brauchen Sie für einen Auftritt, eine Präsentation usw. mehr, weniger oder gleich viel Energie wie z.B. beim morgentlichen Zähneputzen? Na also! :-) So gesehen scheint das doch eine sinnvolle Sache zu sein dieses “Lampenfieber”, das normalerweise einen verdammt schlechten Ruf hat, finden Sie nicht auch?

“Dies alles ist an und für sich normal und den besonderen Anforderungen der Situation angemessen – wir brauchen mehr Energie, um so eine Aufgabe erfolgreich meistern zu können. Problematisch wird es erst, wenn wir diese Reaktionen als unangenehm oder gar bedrohlich empfinden.”

Und das gilt unabhängig davon, ob Sie Redner, Lehrer, Schauspieler, Musiker sind, ob Sie eine Präsentation geben, in einem Meeting oder in einer Prüfung sind, sich irgendwo bewerben oder der Frau ihrer Träume ihre Liebe gestehen :-) Lampenfieber hat einen bestimmten (positiven) Sinn und Sie als ganze Person reagieren darauf – in einer günstigeren oder ungünstigeren Art und Weise. Punkt. So einfach!

Darum helfen übrigens auch die meisten gutgemeinten Tips und Tricks gegen Lampenfieber in der Regel nicht. Warum? Weil sie eben genau dieses Kernthema(?) nicht berücksichtigen. Worum also geht es?

Lampenfieber loswerden?

Es geht um die innere Einstellung. Wie interpretieren wir das Lampenfieber? Wie bewerten wir das Lampenfieber? Wie reagieren wir auf das Lampenfieber?

Sollten wir das Lampenfieber nämlich loswerden wollen, so ergibt sich ein innerer Konflikt:

  • ein Teil will Energie liefern, damit wir uns ausdehnen und ausdrücken können
  • ein anderer Teil will die Kontrolle behalten und diese ganze Aufregung unterdrücken, versucht also auf die Bremse zu treten

Wir haben also folgende Situation:
Energiebremse (Kontrollieren) gegen Energielieferung (Lampenfieber)

Wenn Sie also ihr Lampenfieber besiegen oder loswerden wollen, so heisst das, dass Sie Energie aufwenden um weniger Energie zu haben…

Also ich muss sagen, Sie haben da ein echt interessantes Konzept ;-) Die Folgen sind leider eine gigantische Energieverschwendung bis hin zur Handlungsunfähigkeit.

Ausserdem schwirrt in Esoterikkreisen (der ‘seriösen’ Art) immer mal wieder der Satz “Was du bekämpfst das machst du stärker” durch die Luft. Wenn dieser Satz zuträfe (und ich bin überzeugt, er trifft zu), dann würde das ja bedeuten, dass alle Maßnahmen die sich gegen das Lampenfieber richten, letzten Endes alles nur noch schlimmer machen würden… Was also tun?

Lernen Sie das Lampenfieber zu nutzen!

In genannten Artikel skizziert Fortwängler, was die Alexander-Technik ist und wie Sie sie mit ihrer Hilfe lernen könnten, dieses Lampenfieber, diese zusätzliche Energie, die sooooo unsteuerbar scheint, FÜR SICH und Ihre Intentionen ZU NUTZEN. Wie das gehen soll erfahren Sie im Artikel. Indem Sie ihren Umgang mit sich selbst verändern, verändern Sie indirekt auch ihren Umgang mit Lampenfieber.

“Und was hat sich am Ende an unserer Aufregung verändert? Wahrscheinlich gar nichts – wir sind weiterhin aufgeregt — aber wir können jetzt die Aufregung unter Umständen sogar genießen. Wir können sie und uns als einen Teil des Geschehens annehmen, als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen.”

Lampenfieber als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen? Die Aufregung genießen? Finden Sie das etwa erstrebenswert?

Dann ist der link zum Artikel:
Die Alexander-Technik und Lampenfieber

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P.S. Haben Sie auch etwas zum Thema Lampenfieber zu sagen? Dann schreiben Sie mir doch einen kurzen Kommentar! Gerne auch mit link-Tips ;-)

Bild: ©Kurt Michel/ PIXELIO

Somato-psychische Lernprozesse

Das Buch Gesundheit – Lernen – Kreativität, erscheint im März in seiner zweiten Auflage. Der Verlag schreibt darüber, es sei

Ein Versuch von Vertretern der drei wichtigsten «neuen Körpertherapien», Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen: von den methodenübergreifenden Grundlagen bis zu Anwendungen in Therapie, Pädagogik und Kunst.

Ich selbst habe es in meinem Bücherregal stehen und kann es wärmstens empfehlen. Darin werden die drei folgenden Methoden besprochen:

  • Alexander-Technik
  • Eutonie Gerda Alexander
  • Feldenkrais

Michael Fortwängler bietet auf der, übrigens auch sonst sehr informativen website “Ausbildung für Alexander-Technik -Düsseldorf” einen knapp 30-seitigen Auszug aus genanntem Buch an, in dem die Alexander-Technik beschrieben wird.

Hier ein grober Überblick:

  • Einleitung
  • Die ersten Unterrichtsstunden
  • Eineinhalb Jahre Alexander-Unterricht – Erfahrungsbericht der 25-jährigen Musikerin Sibylle B.
  • Die Entwicklung der Alexander-Technik
  • Grundannahmen der Alexander-Technik
  • Grundbegriffe der Alexander-Technik
  • Die Gestaltung der Lernprozesse
  • Die Arbeitsweise im Unterricht
  • Die Anwendungsmöglichkeiten der Alexander-Technik
  • Das Berufsbild des Lehrers, der Lehrerin der Alexander-Technik
  • Literaturliste zu diesem Beitrag

Besonders gut gefallen haben mir die konkreten Beispiele. Es werden einige “reale” Fälle beschrieben, was einen sehr guten Einblick vermitteln kann. Dem nachgestellt sind theoretische Erklärungen der Grundprinzipien der Alexander-Technik. Wie ich aus Rückmeldungen weiss, können besonderes Einsteiger, mit den “realen” Erlebnissen im Hinterkopf,  die Prinzipien sehr praxisnah verstehen, auch wenn sie selbst noch keine eigenen, praktischen Erfahrungen haben.

Fazit: sehr lesenswert

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Hier geht’s zum Artikel:
Die Alexander-Technik als Methode zur Gestaltung somato-psychischer Lernprozesse

Und hier geht’s zum Buch:

Lampenfieber auflösen?

LampenfieberIch bereite gerade einen Workshop zum Thema Lampenfieber vor. Drum lese ich mal wieder diverse Bücher und stöbere im Netz nach nützlichen Artikeln zum Thema.

Mal wieder? Ich habe in meiner Musikerlaufbahn sehr mit dem Phänomen Lampenfieber zu kämpfen gehabt, was so weit ging, dass gar nichts mehr ging ;-) Sprich ich stand auf der Bühne und hatte so heftiges Lampenfieber, dass aus meiner Trompete nur noch – ich will es mal als “Geräusche” bezeichnen -  kamen, also weit entfernt also von Tönen, Klängen, geschweige denn Musik…

Ich weiss also aus eigener Erfahrung um was es geht und ich habe in einem langen Prozess gelernt, dass ich das Lampenfieber gebraucht habe, um bestimmte Dinge über mich lernen zu können. Somit bin ich heute sogar dankbar für mein Lampenfieber damals! Im Nachhinein lässt’s sich zwar leicht reden, aber in sogenannten Problemen steckt immer die Chance zu wachsen (Drum heissen die ja PRO-bleme und nicht CONTRA-bleme).

Inzwischen fühle ich bei Auftritten eine ganz andere Nervosität, eher zu beschreiben als Aufregung oder aufregende Vorfreude, was dazu führt, dass ich dann saugut spiele :-) .

Das Wort Lampenfieber leitet sich übrigens von dem Wort “Kanonen-fieber” her, das Goethe anässlich der Kanonade von Valmy 1792 beschrieb: das Pfeifen der herannahenden Kanonenkugeln versetzte die Soldaten in einen gar merkwürdigen Rausch. 1858 tauchte dann der Begriff “Lampenfieber” erstmals in der Theaterwelt auf. (Quelle: Irmtraud Tarr: Vom Lampenfieber zur Vorfreude)

In werde in unregelmässigen Abständden hier einige lesenswerte Artikel, Bücher und Methoden zum Thema Lampenfieber vorstellen. Los geht’s mit dem hier:

Was man gegen Lampenfieber tun kann

Die Alexander-Technik-Lehrerin und Begründerin der sogenannten Bodymapping-Methode – Barbara Conable – hat einen lesenswerten Artikel verfasst, der sich mit dem Thema “Lampenfieber bei Musikern” auseinandersetzt. Sie geht von vier verschiedenen Arten des Lampenfiebers aus:

  1. Schmetterlinge
  2. Gehemmtheit
  3. Empfindungen im Zusammenhang mit ungenügender Vorbereitung
  4. Schwächende Angst, Schrecken, Grauen, Panik

Nr.1 beschreibt positives Lampenfieber, auch gelegentlich als Eu-Stress bezeichnet. Darüber kann man sich riesig freuen, weil das die Leistungsfähigkeit erhöht.

Für alle weiteren Punkte (negatives Lampenfieber) gibt Conable hilfreiche Tipps und Strategien, wie man entweder präventiv daran arbeiten kann, oder wie man das Problem Lampenfieber ein für alle Mal lösen können soll.

Besonders interessant fand ich einen Absatz in dem Conable über den kulturellen Zusammenhang, in dem Lampenfieber entsteht, schreibt. Hier einige Beispiele:

Es ist auf der Welt ziemlich ungewöhnlich, daß ein Publikum in Reihen sitzend einer Bühne zugewandt ist und nichts weiter zu denken hat.

Tja, alle Augen und Ohren starren auf den Musiker und registrieren und verurteilen beurteilen jede kleinste Unstimmigkeit. Warum können die das überhaupt beurteilen? Conable liefert die Antwort:

Heutzutage besitzen viele Leute CDs von der Musik, die zur Aufführung gebracht werden soll. Noten, die der Komponist nicht geschrieben hat, sind auf der CD korrigiert worden und deshalb sind die Ohren des Publikums auf ein technisches Niveau ausgerichtet, das völlig unrealistisch ist.

Hmmm, da wird also ein Student oder ein Musiklehrer mit den weltbesten Musikern verglichen und mit youtube ist das heutzutage ja noch einfacher. Da kann man ja eigentlich nur verlieren…

Man kann den Status, den Musiker in unserer Kultur haben mit einem Wort beschreiben: niedrig.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Mit diesen und weiteren Beispielen verdeutlicht Conable, dass Lampenfieber bei Musikern viele Ursachen haben kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Denkweise allein schon eine enorme Erleichterung darstellen kann, ist man doch nicht mehr (nur) selbst “Schuld” an seiner Angst und dann kann man, vielleicht schneller als man denkt, erkennen, dass das mit Schuld rein gar nichts zu tun hat…

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Den Artikel “Was man gegen Lampenfieber tun kann”  hat die Alexander-Technik-Lehrerin Sibylle Wenzel übersetzt und stellt die deutsche Übersetzung auf Ihrer website gratis zum download zur Verfügung.

Hier ist der link zum englischen Original.

Bild: ©RainerSturm / PIXELIO

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