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Unterricht als Dienstleistung?

Auf dem Persönlichkeits-Blog von Roland Kopp-Wichmann fand ich folgenden Text von dem dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard:

“Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.

Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.

Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.

Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.”

(Søren Aabye Kierkegaard: Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst; 1859)

In diesem Text hat mir der Gedanke, dass die Leistung des Lehrer vor allem darin besteht, dem Schüler zu dienen, besonders gut gefallen. In diesem Sinne ist Unterricht wirklich eine Dienst-leistung. :-) Das passt perfekt zu meinem Verständnis von (Alexander-)Unterricht. Und anders ist es meiner Erfahrung nach auch gar nicht möglich, dass ein Schüler sich und sein Verhalten in der gewünschten Weise verändert, denn echte Veränderung kann NIE von aussen kommen, sondern muss in einem selbst entstehen. Unterricht soll den Rahmen bieten, in dem die gewünschte Veränderung möglichst leicht geschehen kann. Ich möchte die im zitierten Text genannten “Stationen” nochmals für eine Unterrichtsstunde zusammenfassen:

  • die Welt des Schülers verstehen
  • von dort aus einen Weg zu neuen Ufern aufzeigen
  • den Raum offenhalten, damit die gewünschte Veränderung geschehen kann

In diesem Sinne möchte ich hier auch die Vorgehensweise, wie Sie F.M.Alexander in The Use Of The Self beschrieben hat, interpretieren:

  • to analyse the conditions of use present;
  • to select (reason out) the means whereby a more satisfactory use could be brought about;
  • to project consciously the directions required for putting these means into effect.

Diese drei Punkte sind natürlich nicht nur für Lehrer und Therapeuten genial, sondern für jeden, der selbstständig irgend etwas in seinem Leben, in seinem Denken und Handeln verändern will.

Alexander-Technik im Liegen

Sind Sie manchmal verspannt oder erschöpft? Oder wollen Sie wissen, was Sie tun können um die natürliche Spannung in Ihrem Körper besser zu verteilen? Dann sollten Sie gleich weiterlesen.

10 oder 15 Minuten pro Tag auf dem Boden zu liegen, ist eine der nützlichsten Dinge, die Sie für Ihren Körper tun können. Hier habe ich für Sie die Vorteile aufgelistet:

  • Sie können Sich komplett entspannen
  • die Bandscheiben regenerieren sich
  • Sie können Ihre maximale Ausdehnung erfahren
  • Sie lernen, Ihre Muskelspannung durch Ihre Gedanken zu steuern
  • Sie lernen Ihren Körper besser kennen
  • Sie nehmen sich Zeit FÜR SICH
  • Sie können Ihre Selbstwahrnehmung im Alltag erhöhen

Wie geht das?

Legen Sie sich auf den Rücken auf eine Matte.

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Legen Sie den Kopf auf ein paar Bücher

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und zwar so,
dass der Kopf nicht nach hinten kippt

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oder der Nacken überstreckt ist.

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Winkeln Sie die Beine an, denn damit können Sie Ihre Hüfte so hinlegen, dass auch der untere Rücken entspannen kann. Wenn Sie wollen, können Sie Antirutschsocken anziehen, oder einen Teppichstopp unter die Füße legen. Das ist dann die „Luxusversion“ ;-)

Legen Sie Ihre Hände auf Ihren Bauch. Das ist die bequemste Position, weil dann auch die Schultern besser loslassen können.

Und dann?

  • Erlauben Sie Ihrem ganzen Körper sich auf den Boden auszubreiten
  • Wenn Sie ein gutes Körperbild haben, dann stellen Sie sich Ihren Körper als Ganzes vor
  • Machen Sie sich klar, wo die Gelenke sind und dass alle frei beweglich sind
  • Stellen Sie sich vor, wie es wohl wäre, wenn Sie hier und da noch ein bischen loslassen würden
  • Sie sollen nichts “tun“. Stellen Sie es sich nur vor(!) und vertrauen Sie darauf, dass das alles ist, was Sie tun müssen. Also nicht überprüfen oder spüren, sondern nur „denken“.
  • Wenn Sie also mal geglaubt haben, dass Sie etwas ‘tun’ müssten, um sich zu entspannen, dann ist Ihnen jetzt womöglich klar geworden, dass das nicht funktionieren kann, weil etwas zu ‘tun’ das Gegenteil von ‘loslassen’ ist…

Diese Übung können Sie z.B.  alleine zu Hause oder wo auch immer durchführen um Ihre persönliche “Reset-Taste” zu drücken oder um Energie zu tanken oder auch einfach nur deswegen, weil Sie sich etwas Gutes gönnen wollen.

Tischarbeit

Im Alexander-Technik Unterricht  gibt es diese Übung auch und da heisst sie “Tischarbeit” (weil Sie da auf einem Tisch liegen).

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Hier leitet Sie der Alexander-Technik-Lehrer an und demonstriert Ihnen mit seinen Händen einen guten Selbstgebrauch.

Dadurch wird die Übung sehr effektiv und Sie profitieren später immer wieder davon, auch wenn Sie die Übung allein durchführen, weil Sie durch den Unterricht einen neuen Referenzpunkt zu Selbsteinschätzung bekommen haben werden.

Selbstgebrauch

311526_r_k_b_by_stephanie-hofschlaeger_pixeliodeIch hatte hier schon mal ein wenig über das Thema “Gebrauch des Selbst” geschrieben. Jetzt habe ich auf  Maggy Breuers website eine genial einfache und sehr griffige Beschreibung dafür gefunden:

Es ist jedem selbstverständlich, dass das Funktionieren einer Maschine mit davon abhängt, ob sie ihrer Bestimmung gemäss eingesetz wird oder nicht. Dass auch die Arbeitsweise der eigenen Person mit diesem Faktor in Zusammenhang steht, liegt dagegen oft ausserhalb unseres Bewusstseins.

Genial, oder? Daraus ergeben sich natürlich sofort einige weitere spannende Fragen, z.B.:

  • Warum ist uns unser Gebrauch nicht bewusst?
  • Wie können wir ihn uns bewusst machen?
  • Wie können wir ihn verändern? oder: Sollten wir ihn überhaupt verändern?
  • Gibt es einen ‘optimalen’ Gebrauch?
  • Kann ich meinen Gebrauch wirklich bewusst steuern?
  • Wieso wird dieser eigentlich offensichtliche Zusammenhang von ‘Gebrauch und Funktion’ von nur so Wenigen erkannt?

In einem der kommenden posts werde ich versuchen einige dieser Fragen zu beantworten. Oder haben Sie etwa schon eine Idee für eine oder mehrere Antwort(en)? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

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Durch Maggy Breuer, bei der ich zur Zeit meines Musikstudiums viele viele erlebnis-, entdeckungs- und lehrreiche und nicht zuletzt vergnügliche Alexander-Stunden geniessen durfte :-) , habe ich übrigens auch die spannende WeightCommitment-Arbeit von Michael Protzl kennengelernt. Hierzu schreibt Breuer:

Wir verlieren schon in frühester Jugend jede Vorstellung davon, was müheloses Aufrechtsein bedeutet.

Und genau das verspricht die WeightCommitment-Methode uns wieder beibringen zu können. Ich selbst hatte einige Einzelstunden bei Protzl und war dann bei einem Wochenendworkshop. Ich kann sagen, dass das, was Protzl da entdeckt zu haben behauptet, wirklich sehr wirksam ist, so dass der Unterricht bzw. Workshop viele positive Veränderungen nach sich gezogen hat.

Einen kurzen Einblick in die Methode finden Sie beispielsweise in diesem pdf-Dokument oder besuchen Sie Michael Protzls website (etwas Geduld beim Laden der Seite…)

Bild: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

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