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Alexander-Technik (8/8)
Prinzip 9: Innehalten
Eines der wichtigsten Prinzipien nach denen wir im AT-Unterricht vorgehen heisst “Inhibition”. Wollen Sie wissen, was sich dahinter verbirgt? Also:
F.M.Alexander beschrieb es in seinem dritten Buch “The Use of the self” so:
“I had to make the experience of receiving a stimulus and refusing to do anything immediately in response.”
Was bedeutet das? Schauen wir uns zunächst folgendes Modell von Veränderung an:
- Denken
- Bewegung
- Veränderung
- Eindrücke/Einsichten
Also: das Gehirn sendet Signale an die Muskulatur und diese werden in Bewegung umgesetzt. Denken kommt also zeitlich VOR Bewegung. Bewegung bedeutet immer Veränderung. Daraus ergeben sich dann Feedback (Sinneseindrücke, Gefühle, usw) und Einsichten, Erkenntnisse.
Sie werden mir sicher zustimmen, dass es sinnvoll ist am ersten Glied der Kette anzusetzen um Veränderungen zu bewirken: dem Denken.
Erinnern Sie sich noch an die Vorgehensweise der Alexander-Technik? Damit Sie nicht zum Anfang scrollen müssen schreibe ich Sie nochmal hin:
- Aktivität ausführen
- Beobachten / Informationen sammeln
- einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
- eine Wahl treffen
- Aktivität auf neue Weise ausführen
Nun dieser Plan ist in der Theorie ganz logisch. Wenn Sie versuchen ihn in die Praxis umzusetzen, werden Sie in den meisten Fällen scheitern, weil die Gewohnheit stärker ist. Um dem Herr zu werden müssen Sie die Art ihres “Denkens” verändern. Hier hilft die mentale Disziplin um die es in diesem Abschnitt geht: Inhibition.
In dem Moment, wo Sie sich entschieden haben die Aktivität auf die neue Weise auszuführen, bauen Sie eine Unterbrechung ein. (vgl. pro-aktives Denken: Reiz → bewusste Wahl → Reaktion)
Die Entscheidung etwas zu tun (egal was es ist) bringt nämlich garantiert ihre gewohnte Art der Selbststeuerung hervor. Deswegen müssen Sie an dieser Stelle die Erfahrung machen einen Stimulus zu erhalten und sich weigern unmittelbar darauf zu reagieren. Um diese Erfahrung zu machen gibt es nichts was sie dafür tun können, im Gegenteil, das ist das berühmte “nicht tun”…
Mit diesem Unterbrecher läuft der Trigger, der normalerweise die gewohnte Art der Selbststeuerung hervorbringen würde, ins Leere und es entsteht Raum für eine neue Erfahrung. Wenn ihnen das gelingt, dann entsteht Spontanität, weil sie etwas wirklich NEUES tun können. Sie sind aus ihrer Gewohnheit ausgebrochen. Sie sind frei.
Es läuft alles darauf hinaus, eine besondere Reaktion auf einen gegebenen Reiz zu verhindern. [...] Es geht darum, dass der Schüler entscheidet, welchem tun er zustimmen, oder nicht zustimmen will.
(F.M.Alexander)
Zum Abschluss dieser Einführung in die Alexander-Technik möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass die Anwendung in der Praxis etwas ganz anderes ist, als nur darüber zu lesen. Der geniale Mathematiker Alfred Korzypsky hat gesagt: The map is not the territory. Klar, denn das lesen der Speisekarte ist schon was anderes, als das Essen dann später… Das ist wie mit dem verliebt sein, dass kann man nicht erklären, dass muss man selbst erleben. Oder versuchen Sie mal jemandem zu erklären, wie Fahrradfahren funktioniert. Der muss selbst fahren(!), um wirklich zu verstehen, um was es geht.