Artikel-Schlagworte: „Originalität“
Was ist Originalität?
Auf dieser Seite habe ich dieses spannende Zitat gefunden:
“So viele Menschen verwechseln grobe Fehlkoordination mit Originalität.”
Patrick Macdonald (in: “The Alexander Technique as I See It“)
Dazu sag ich Amen
Von Musikern höre ich hin und wieder das Argument, dass man offen und spontan sein müsse, man müsse im Fluss oder “Flow” sein, ja sogar, dass man die Angst überwinden müsse und ins Unbekannte springen, damit etwas Neues, etwas Einzigartiges entstehen könne.
Und das sehe ich ganz genau so!
Und dann muss ich mir ansehen Und dann zeigen sie mir, was sie damit meinen. Und was glauben Sie sehe ich da? Die selben Menschen, die von Offenheit, Spontanität, Fluss und von ‘ins Unbekannte springen’ sprechen, gehen gar nicht mal sooo gut mit sich selbst um, während sie selbst glauben ‘ganz offen und spontan’ zu sein.
Wow und das haut mich zum Teil echt um! Da wird sich verbogen und verspannt, dass Gesicht verzerrt, weil man dadurch das richtige ‘feeling’ kriegt, usw. Auf deutsch: die machen alles das, was Offenheit verhindert!!! Und das Beste daran ist, dass sich das subjektiv spontan und offen anfühlt. (Da frage ich mich doch gleich mal wieder, an welchen Stellen ich selbst denn so völlig daneben liegen könnte…) Ist das spannend?
Was lernen wir daraus?
Ich persönlich finde daran spannend, dass es momentan ja “in” ist von der Macht des Unterbewussten zu sprechen, die Rolle des Verstandes zu degradieren, stattdessen seinem “Gefühl” zu vertrauen und sich davon leiten zu lassen. Und diese Idee wäre auch gar nicht so verkehrt, wenn man seinem Gefühl denn trauen könnte
Wie wir an obigem Beispiel (übrigens beliebig oft reproduzierbar) sehen können, liegt das “Gefühl” aber bei den meisten Menschen leider daneben.
Der Grund, warum Gewohnheiten oft so schwer zu verändern sind, ist ja der, dass
- das Bekannte (die Gewohnheit) sich richtig anfühlt
- das Unbekannte sich dann logischerweise falsch anfühlt
Und niemand, der etwas gut oder richtig machen will, wird jemals auf die Idee kommen etwas zu tun, was sich falsch anfühlt. Also wird er immer im alten, bekannten, sich richtig anfühlenden Tun steckenbleiben.
Ja und da scheint es mir doch so zu sein, dass wir letzten Endes halt doch unseren Verstand bemühen müssen. Das heisst wir müssen unser Denken trainieren, damit wir
- das alles überhaupt erkennen können
- und schliesslich die “falsche” Art etwas zu tun, unterbinden können.
Dann, und nur dann, kann wirklich etwas Neues entstehen! Das nenne ich Originalität!
An der Stelle sei mal wieder ein Zitat von F.M. Alexander erlaubt:
“Jeder will es richtig machen, aber keiner hält an und überlegt, ob seine Vorstellung von “richtig” die richtige ist.”
Das ist der erste Schritt einer jeden echten Veränderung.
Bild ©RainerSturm / PIXELIO
