Feb032010

Twitter

So, jetzt “tweete” ich also auch. Hier ist mein Twitter-Profil: http://twitter.com/alextekniikka Ich bemühe mich interessante links zusammenzustellen, die zu den Themen hier im blog passen. Also ich denke es lohnt sich mir zu “followen” ;-)

Ich habe festgestellt, dass es sich lohnt da mitzumachen, denn die Leute, denen ich folge, schreiben häufig interessante Sachen und ich finde neue, spannende websiten.

Follow alextekniikka on Twitter

Jan182010

Neues ebook: Persönlichkeitsveränderung

Der Psychologe Roland Kopp-Wichmann hat ein lesenswertes ebook herausgebracht mit dem Titel “Handbuch Persönlichkeitsveränderung – Warum es nicht einfach ist seine Persönlichkeit zu verändern. Und wie es doch geht.”

Jetzt habe ich es fertig gelesen und kann es rundum empfehlen. Mir gefällt, dass es gegen den Trend geht, dass persönliche Veränderung kinderleicht sei und schnell gehe.

Denn das stimmt auch meiner Erfahrung nach einfach nicht. Und nein, das liegt nicht daran, dass ich einen Glaubenssatz hätte, demnach das schwer sei und das dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird. Viele Dinge lassen sich natürlich relativ leicht und schnell verändern.

Aber wenn es um die Perönlichkeit bzw. wirklich wichtige Themen geht, muss man in die Tiefe gehen. (Übrigens habe ich schon des öfteren auch hinter scheinbaren Kleinigkeiten “wichtige” und grosse Themen gefunden. So viel zum Thema “schnelle Veränderung”.) Das braucht persönlichen Einsatz, Zeit, Durchhaltevermögen und oft auch Mut unangenehme Dinge wirklich anzuschauen.

Und zwar aus verschiedenen Gründen, wie z.B. schlicht deswegen, weil im Gehirn etwas umgebaut werden muss, oder dass das perönliche Umfeld nicht mitspielen will, oder aber dass das Problem schon die Lösung für ein anderes Thema anderes darstellt, das man eigentlich lieber meiden möchte, oder…

In Kopp-Wichmanns ebook werden eine Vielzahl von weiteren Gründen und Modellen angeführt, so dass man wirklich verstehen kann was los ist. Und es werden Wege aufgezeigt, wie man dann weitergehen könnte um die gewünschte Veränderung zu schaffen.

“[...] die schlechte Nachricht ist, dass es offenbar keinen schnellen, leichten Weg gibt, sich an ein neues Verhalten anzugewöhnen.
Die gute Nachricht: mit genügend Ausdauer ist es zu schaffen. Sie müssen nur dranbleiben – und vor allem: anfangen.”

An dieser Stelle möchte ich nicht nur das ebook (9,90€) empfehlen, sondern gleich auch den Persönlichkeits-blog, den ich seit einiger Zeit regelmässig und mit grossem Gewinn lese.

Jan062010

Ganzheitliche Therapie

Ich habe gerade eine vielversprechende, sich noch in der Testphase befindliche, website von Dr.Rüdiger Dahlke entdeckt.

mymedworld ist ein Beitrag zu einer, den ganzen Menschen in seiner körperlichen, seelischen und geistig-spirituellen Dimension umfassenden Medizin. Herausgegeben wird mymedworld vom international renommierten Psychosomatiker und Bestsellerautor Dr. Ruediger Dahlke.

Wen’s interessiert, hier ist der link: http://mymedworld.cc/

Dez252009

Winterimpressionen

Wie verlockend ist es doch, hier in Finnland, bei fast -20 Grad(!) vor dem Kamin zu sitzen und heisse Schokolade zu schlürfen. Wir konnten uns dann doch aufraffen uns nach draussen zu begeben. Und es hat sich gelohnt!!! Wirklich wunderschön, die Landschaft hier :-)

Hier ein paar Impressionen. Viel Spass!

Dez242009

Frohes Fest!

Hier habe ich folgende Geschichte gefunden:

Ich bin acht Jahre alt. Einige von meinen Freunden sagen, es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der “Sun” steht, ist immer wahr. Bitte, sagen Sie mir: Gibt es einen Weihnachtsmann?
Virginia O’Hanlon,
115 West Ninety-fifth Street

Die Sache war dem Chefredakteur Francis Church so wichtig, dass er selber antwortete – und zwar auf der Titelseite der “Sun”:

Virginia,
deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie wurden angesteckt vom Skeptizismus eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können.

Aller Menschengeist ist klein, Virginia, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im unserem riesigen Universum ist der menschliche Geist kaum mehr als ein winziger Ameisenverstand, verglichen mit der Unendlichkeit der Welt und gemessen an der Intelligenz, welche die ganze Wahrheit und alles Wissen begreifen könnte.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und die Großherzigkeit und die Treue. Weil es all das gibt, kann unser Leben schön und heiter sein.

Wie dunkel wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so dunkel, als gäbe es keine Virginia. Es gäbe keinen Glauben, keine Poesie, keine Liebe – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Nur ein Hauch an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das ewige Licht der Kindheit, das die Welt erfüllt, müsste verlöschen.

Nicht an den Weihnachtsmann glauben? So dürfest Du auch den Märchen nicht glauben. Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle an Heiligabend Leute ausschicken, den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen?

Kein Mensch sieht ihn einfach so. Das beweist gar nichts. Die wichtigsten Dinge bleiben meistens unsichtbar Die Elfen zum Beispiel, wenn sie auf den Wiesen im Mondschein tanzen. Trotzdem gibt es sie. All der Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen -, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.

Was Du auch siehst, Du siehst nie alles, Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal alle Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften. Dann werden die Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein.

“Ist das denn auch wahr?” kannst Du fragen. Virginia, nichts auf der ganzen Welt ist wahrer und nichts beständiger.

Der Weihnachtsmann lebt, und er wird ewig leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.

Frohe Weihnacht, Virginia.
Dein Francis P. Church

Der Briefwechsel zwischen Virginia O’Hanlon und Francis P. Church stammt aus dem Jahr 1897. Francis Church war 20 Jahre lang als Redakteur bei der Sun tätig und sein Motto war: Strebe danach, Deinen Geist frei von Scheinheiligkeit und Heuchelei zu halten.

Der Briefwechsel wurde unter dem englischen Originaltitel “Is there a Santa Claus?” bis zur Einstellung der Zeitung im Jahr 1949 alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit auf der Titelseite abgedruckt – und damit zum meistgedruckten Zeitungsartikel aller Zeiten.

Ich wünsche euch frohe Weihnachten!

Dez182009

Gewohnheiten ändern

Richard Bandler gibt ein paar nette Tipps für das allseits beliebte Spielchen “Gute Vorsätze für 2010″.

Video (englisch)

Dez152009

Das Potential der Alexander-Technik

Auf der Seite von Pete Josephs gibt es zum Thema Alexander-Technik einige interessante Ideen. Z.B. diese hier:

Die Inhalte der Alexandertechnik sind durch Worte schwer zu erklären, denn das Wissen, welches vermittelt wird, ist nur zu einem kleinem Teil theoretischer Natur. Der überwiegende Teil ist Wissen durch körperliche Erfahrung z.B. wie man gestauchte Bandscheiben entlastet, welche Bewegungen den Rücken verlängern, statt ihn zu krümmen, oder wie man verspannte Schultermuskeln losläßt.

Die Prinzipien der Alexander-Technik sind von F.M.Alexander selbst in seinen Büchern recht klar beschrieben. Ich denke, die Schwierigkeit diese Technik durch Worte zu erklären liegt darin begründet, dass sich keine Sau für die pure Theorie interessiert! Was sehrwohl interessiert ist das persönliche Erleben von Veränderung, der persönliche Prozess durch den man geht, wenn man die Technik erlernt. Und auch wenn der Prozess selbst auf den beschriebenen Prinzipien beruht, so ist der Prozess selbst doch immer persönlich und damit individuell verschieden.

Während der eine sich über ein paar entspannte Muskelchen freut, ist der andere froh, endlich Stabilität im Körper zu erfahren. Und während der eine sich noch über entspannte Schultermuskeln freut, hat der nächste bereits entdeckt, dass das bereits wieder bedeutet den Körper in einzelne Teile zu “zerlegen” und die Erfahrung der entspannten Muskeln, sei sie noch so angenehm, ihn eigentlich daran hindert das Funktionieren des Systems “Mensch” ALS GANZES zu verstehen und zu erleben. Recht hat Pete Josephs: durch Worte schwer zu erklären.

Allerdings möchte ich noch deutlich sagen, was eigentlich selbstverständlich sein sollte:

Wenn Sie die Alexander-technik lernen und anwenden wollen, MÜSSEN Sie die ihr zugrundeliegenden Prinzipien genau kennen und verstehen! Sie MÜSSEN sich intensiv sowohl theoretisch als auch praktisch mit den Prinzipien auseinandersetzen. Sonst machen Sie halt irgendwas, und es hilft Ihnen vielleicht sogar, aber ich persönlich bin davon überzeugt, dass erst das intensive theoretische und praktische Studium das volle Potential der Technik enthüllt.

Dez122009

Gibt es etwas Widersinnigeres?

Der Begründer der Alexander-Technik schrieb in seinem Buch Constructive Conscious Control of the Individual folgendes:

“Nehmen wir einmal an, jemand macht sich auf den Weg zu einem bestimmten Ort und kommt unterwegs an eine Strassenverzweigung. Da er sich nicht auskennt, wählt er den falschen Weg und verirrt sich. Er erkundigt sich nach dem richtigen Weg, worauf man ihm sagt, er müsse umkehren und wieder zurück gehen bis zu jener Strassenverzweigung und dort die andere Strasse nehmen, die ihn dann direkt an den von ihm gewünschten Ort führe. Was soll man davon halten, wen man erfährt, dass der Mann zwar an die Strassenverzweigung zurückging, dort aber wieder die alte Strasse nahm und sich erneut verirrte, weil er entschieden hatte, dass er es schliesslich besser wisse als derjenige, der ihm den Weg gewiesen hatte? Und was soll man dazu sagen, wenn man vernimmt , dass er dies nicht ein- oder zweimal, sondern immer wieder getan hat, und sich grosse Sorgen zu machen begann, weil er sich immer wieder verirrte und seinem Bestimmungsort nicht näher kam?”

Tja, so scheint es jedem zu gehen, der Gewohnheiten verändern will. “Ich weiss selbst, was gut für mich ist!” Schön und gut, aber warum geht’s dir denn dann nicht gut, wenn du das angeblich so genau weisst…?

Hin und wieder ist es notwendig, etwas zu tun, das gegen die Gewohnheit – und damit gegen das “sich-richtig-anfühlen” – geht. Das fühlt sich dann zunächst falsch an und die Versuchung lieber die gewohnten Pfade auszutreten ist doch nur zu verlockend. Wer das nicht weiss wird garantiert das Vertraute wählen. Aber selbst wenn man diesen Mechanismus kennt, ist die Wahrscheinlichkeit nahe 100% in diese Falle zu tappen.

Lustig, nicht? ;-)

Dez092009

Die Lösung der Paradoxons

So lautet eine Überschrift auf den Seiten des Weiss Institutes. Weiter steht da:

“Das Paradoxe ist, dass je mehr wir versuchen, höhere Leistungen in kürzerer Zeit zu erringen, wobei wir Überspannung und Angst ignorieren, wir umso mehr unser wahres Leistungspotential limitieren.”

Wikipedia sagt dazu folgendes:

Ein Paradoxon ist ein scheinbarer oder tatsächlich unauflösbarer, unerwarteter Widerspruch. (wikipedia)

Und zunächst scheint es für viele so zu sein, dass das ein tatsächlicher Widerspruch ist: Je mehr ich mich anstrenge, desto weniger komme ich vorwärts. Das haben viele schon mal erlebt.

Wie kann das kommen?

Die einfachste Antwort, die ich finden konnte war die, dass wir unsere Energie in die falschen Bahnen leiten. In Bahnen also, die nicht mit unserem bewusst gewählten Ziel in Einklang stehen. So gesehen sind, die ‘Probleme’ die entstehen schlicht Hinweise darauf, dass wir möglicherweise unbewusst noch ein anderes Ziel verfolgen und die Energie nicht dahin fliesst, wohin wir sie eigentlich fliessen lassen wollen. So gesehen sind diese ‘Probleme’ sehr nützlich ;-)

Es gibt kein Paradoxon!

Schon ist klar, dass da niemals ein Paradoxon gewesen ist. Wir hatten einfach nicht genügend KLARHEIT.

Die Alexander-Technik bietet einen positiven Weg, unsere physischen Gewohnheiten und Einstellungen zu verbessern.

Und da das Modell der Alexander-Technik ja als einen der zentralen Punkte die Idee von Ganzheitlichkeit hat, würde ich das Wort ‘physisch’ einfach weglassen.

Meiner Erfahrung nach zeigt sich Ganzheitlichkeit auch gerade dadurch, dass durch die Wahrnehmung des Körpers erst erfahrbar wird, welchen unbewussten geistigen Konzepte wir fröhnen. Dann haben wir die Möglichkeit und die Wahl(!) etwas zu verändern, noch bevor wir wieder mal ein ‘Paradoxon’ entdeckt zu haben glauben.

Nov192009

SMS schreiben verursacht Rückenschmerzen

SMS verursacht Rückenschmerzen

Hier wird von einer aktuellen Studie berichtet, nach der SMS schreiben Rückenschmerzen verursacht.

“A new study has discovered that the more someone texts, the more pain they had in their neck and shoulders. “

#¤&/&/(&%(/&¤#%”#¤% Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaargh!!!!! %&)#¤=?#

Geht’s noch? Als ob es nicht unglaublich viele verschieden Arten gäbe, WIE man mit sich umgehen kann, während man eine SMS schreibt (Stichwort: Selbstgebrauch). Tja und wenn ich mich wegen dem bisschen Tippen halt verspanne, kriege ich halt diverse Probleme.

“Texting — sending text messages using your mobile phone — is a popular way that young adults and teens prefer to communicate. But it comes at a price.”

Unglaublich, wie da eine direkte Verbindung zwischen SMS und Schmerzen hergestellt wird. Als wäre da nicht noch der Mensch dazwischen, inclusive der Möglichkeit zu wählen, wie er seinen Körper gebraucht, während er schreibt. Ich jedenfalls spanne meinen Nacken und meine Schultern nicht an, um auf meinem Handy rumzutippen. Und ich habe auch keine Probleme mit Nacken oder Schultern. Ich zahle keinen “Preis”.

Wenn jemand lernt, wie er die Qualität seines Selbstgebrauches positiv beeinflussen kann, dann kriegt so jemand auch keine Nackenschmerzen mehr. Ein weiterer Grund Alexander-Technik zu lernen :-)

Bild © Plambeck/ PIXELIO

Okt282009

Radikaler Konstruktivismus

Und hier ist noch ein sehr lehrreiches Video. Wie das Gehirn unsere Wirklichkeit konstruiert (4 Teile):

http://www.youtube.com/watch?v=Wl224WyYLgY weiterlesen »

Okt282009

Der Geist ist stärker als die Gene

Phantastischer Vortrag von Bruce Lipton. Unbedingt ansehen (hat insg. 16 Teile):

http://www.youtube.com/watch?v=xX0tOEz5MYA weiterlesen »

Sep272009

Bewertung

Heike Thormann hat auf in ihrem neuen blog einen Artikel mit dem Titel “Ich nehm das jetzt persönlich…” geschrieben. Darin eine Liste mit möglichen Gründen, warum jemand etwas persönlich nimmt, was doch eigentlich sachlich gemeint war. Zum letzten Punkt “Menschenbild” möchte ich hier ein paar Anmerkungen machen.

Thormann schreibt:

“Und haben Sie bedacht, dass manchmal auch Ihr Menschenbild mit bestimmt, ob Sie etwas persönlich nehmen? Das heißt, wenn Sie zum Beispiel ein eher negatives Menschenbild haben, werden Sie den anderen eher verdächtigen, Ihnen Übles zu wollen, als bei einem neutralen oder positiven Menschenbild.”

Ich litt ja viele Jahre lang unter heftigem Lampenfieber und eine entscheidende Wendung war, dass ich erkannte, dass es darum geht, dass ich bewertet werde. Damit stehe ich nicht alleine, denn bei vielen Studien wird “Angst vor Bewertung” als Hauptursache für Lampenfieber genannt.

Dann wurde mir mal die Frage gestellt: “Bewertest du eigentlich auch andere?”

Wow, das hat getroffen.

Damals ist mir klar geworden, dass ich als Zuhörer wirklich gnadenlos kritisch war. Die kleinste Unstimmigkeit und schon fand ich die ganze Aufführung so richtig schlecht. Als mir das klar geworden ist war somit auch der Weg vorgezeichnet, den ich zu gehen hätte, wollte ich meine eigene Auftrittsangst loswerden.

Denn nach meiner inneren Logik war es selbstverständlich, dass jeder einzelne meiner Zuhörer genau so kritisch sein musste wie ich. Es hat JAHRE gedauert, bis ich es geschafft habe, ein Konzert zu hören ohne zu bewerten und mich einfach mit der Musik mitgehen zu lassen. Hat es geholfen mein Lampenfieber loszuwerden? JA KLAR!

Nach meiner Beobachtung entstehen viele viele Probleme einfach aus einer groben Fehleinschätzung der Situation. Wenn ich glaube, dass da ein feindliches Publikum sitzt, wird mein Körper, wird mein ganzes Selbst darauf reagieren und entsprechende Symptome produzieren. Diesen Gedanken kann ich nutzen um in praktisch jedem Symptom eine Botschaft zu entdecken, dass da z.B. etwas mit meiner Einschätzung der Situation nicht ganz ok ist und das dann gezielt hinterfragen und so zu anderen Ergebnissen zu kommen.

Aug282009

Körper und Sprache

Ich habe einen spannenden Vortrag von Dr. Rüdiger Dahlke entdeckt mit dem Titel “Krankheit als Sprache der Seele”. In diesem zeigt Dahlke Zusammenhänge zwischen unserer Sprache und unserem Körper auf. Uns ist oft gar nicht bewusst wie “körperlich” unsere Sprache eigentlich ist. Wer denkt denn z.B. bei dem Wort hartnäckig an einen harten (verspannten) Nacken??

Fazit: sehr aufschlussreich. Unbedingt ansehen.

Hier ist schon mal Teil eins: weiterlesen »

Aug062009

Mut zum Lampenfieber

Heute möchte ich Ihnen in meiner Lampenfieber-Serie ein Buch vorstellen. Der bekannte Cellist und Pädagoge Prof. Gerhard Mantel hat ein saugutes Buch zum Thema Lampenfieber geschrieben. Das beste daran: es enthält keine dieser dämlichen Tricks, die nicht funktionieren. Es wird auch nicht versprochen, dass man nach der Lektüre des Buches nie wieder Lampenfieber haben wird.

Ganz im Gegenteil. Der Titel des Buches lautet nicht umsonst:

Mut zum Lampenfieber – Mentale Strategien für Musiker zur Bewältigung von Auftritts- und Prüfungsangst

.

Das 240 Seiten umfassende Werk ist in vier Teile gegliedert.

  1. Das Phänomen Lampenfieber
  2. Die langfristige Vorbereitung des Auftritts
  3. Vor dem Konzert
  4. Das Konzert

Das Buch ist voll von nützlichen Informationen und kommt ohne leeres Gelaber aus.

Systematisch werden von Mantel Sichtweisen in Frage gestellt. Ein Beispiel gefällig?

Eine Quelle des Lampenfiebers ist z.B. die Vorstellung, dass es eine feindliche Front zwischen Künstler und Publikum gibt, wobei dem Publikum die Rolle des (gnadenlos) “objektiven” Beurteilers zugewiesen wird. S.40

Diese Denkweise nimmt Mantel gründlich auseinander und entwirft das dienlichere (und auch realistischere) Modell eines Kommunikationsverhältnisses zwischen Künstler und Publikum. Die ganze Zeit über geht Mantel sehr einfühlsam vor, was ein weiteres Plus ist.

Mein Fazit: das beste Buch zum Thema Lampenfieber, das ich bisher gelesen habe!

Jul162009

Wollen Sie mehr gute Gefühle?

Die Therapeuten Hans-Peter Zimmermann und Peter Kleylein unterhalten sich in diesem Video über das Thema “gute Gefühle”.  Besonders spannend fand ich Kleyleins Pendel-Metapher:

Ein Pendel schlägt ja bekanntlich in zwei Richtungen aus. Nehmen wir an auf der einen Seite sind positive Gefühle und auf der anderen negative Gefühle. Wenn ich jetzt immer die negativen ausblende, dann wird auch der Auschlag auf der positiven Seite nur mickrig sein. Blöd, gell? Hier ist erst mal das Video: weiterlesen »

Jun022009

Alexander-Technik für Sänger – Interview mit Daniel Süsstrunk

daniel süsstrunkDaniel Süsstrunk ist Leiter des Alexander-Technik-Instituts in München. Er widmet sich ausserdem seit vielen Jahren intensiv der Kunst des Belcanto-Gesangs. Da ich ihn während meiner Ausbildung in Freiburg als phantastischen Alexander- und Gesangslehrer kennengelernt habe, und ich ausserdem die Kombination aus beidem sehr spannend finde, habe ich mit Ihm ein online-Interview geführt. Darin geht er auf einige Grundlagen für Sänger ein und hat ausserdem eine lange Liste mit Hörbeispielen auf youtube beigesteuert…

Bitte stellt dich meinen Lesern kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?

Ich wurde vor 50 Jahren in der Schweiz geboren und bin bei Basel aufgewachsen. Meine große Liebe gehört seit ich denken kann der klassischen Musik. So begann ich mit dem Violinstudium, in der Absicht, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen. Doch eine schwere Krankheit, die in früher Jugend auftrat, stellte sich in den Weg und lenkte mich in eine andere Richtung. Durch eine glückliche Begegnung lernte ich die Alexander-Technik kennen und meiner inneren Stimme folgend stürzte ich mich 1979 begeistert in die dreijährige Ausbildung in London. Nachdem sich mein Gesundheitszustand erheblich gebessert hatte, konnte ich das unterbrochene Musikstudium in Deutschland fortsetzen. Meinen Lebensunterhalt verdiente ich nebenbei mit dem Unterrichten der Alexander-Technik. Das war eine spannende Zeit, da die Methode in Europa praktisch unbekannt war und ich einer der ersten anerkannten Lehrer Deutschlands war.

Seit 1986 lebe und arbeite ich in München. Der Schwerpunkt meiner Arbeit lag stets in der Verbindung von AT mit dem Musizieren. Ich fing an regelmäßig Gesangsstunden zu nehmen, ohne eine bestimmte Absicht zu verfolgen. Während 14 Jahren habe ich auch eine Ausbildung für AT Lehrer geleitet.

1995 lernte ich meinen Lehrer und Freund Johannes Romuald aus Wien kennen, der mir über all die Jahre die alte Tradition des Bel Canto, wie sie in Mailand gelehrt wurde, beibrachte. Seit vier Jahren gebe ich dieses Wissen an professionelle Sänger und an Bläser weiter.

Was ist “Belcanto”-Gesang und was fasziniert dich daran?

Das ist eine sehr schwierige Frage, die ich in diesem Rahmen und überhaupt nur andeutungsweise beantworten kann.

Der Begriff Belcanto deutet auf jenen schönen Gesang hin, bei dem das Gewicht auf vollkommener Tongebung, Klangschönheit und Ausgeglichenheit der Stimme liegt. Dies sind aber nur die stimmlichen Mittel, um den stilistischen Anforderungen eines italienischen Gesangsstils gerecht zu werden. Meistens ist das frühe 19. Jahrhundert mit den Vertretern Rossini, Bellini und Donizetti damit gemeint. Die Ära des ursprünglichen Belcanto, welches der Epoche voraus ging, war die Zeit der Kastraten des 17. Und 18. Jhts. mit den Werken Vivaldis, Scarlattis und Händels. „Bei einem echten Belcantosänger geht es nicht nur um Geschmeidigkeit und Beweglichkeit, sondern es kommt ein Element von Phantasie dazu. Wenn man Fernando De Lucia hört, ist der erste Eindruck: wie poetisch. ……. Die Vorstellung des Sängers ist lebendig geworden, das sind nicht mehr nur Noten auf dem Papier.“ (John Steane)

In meiner täglichen Arbeit geht es in erster Linie um die Befreiung der Stimme und das Erlernen der grundlegenden Techniken des Belcanto Gesangs. Ich versuche sie im Folgenden zu beschreiben.

Eine ebenmäßige und freie Stimme zeichnet sich durch eine vollkommen ruhige Atemführung aus. Es sollte keine Luft (durch die Sprache) verloren gehen und der sparsame Verbrauch des Atems ermöglicht das Singen endlos langer Phrasen. Der Kehlkopf und die Stimme darf nicht unter Druck gesetzt und nach oben geschoben werden (also kein Stützen, wie es im deutschen genannt wird). Man lehnt die Stimme im Gegenteil an, d.h. lässt sie auf dem Atem schweben. Am Ende einer Phrase nimmt der Körper die verbrauchte Luft reflektorisch wieder ein, d.h. der gesamte Sing- oder Atemmechanismus bleibt bis zum Ende in derselben Spannung und beendet die Phrase durch ein Hineinschnellen der Luft.

Eine Qualität des ohne falschen Druck Singens ist die Flexibilität des Tones hörbar. Er hat einen klaren Beginn, also hat eine Art „Kopf“ und schwillt dann ab oder an (Messa di voce in der ursprünglichen Bedeutung). Er sollte schwebend klingen – was durch den gleichmäßig, sparsam ausströmenden Atem hervor gerufen wird – über ein großes Volumen (Vibration) verfügen und tragfähig sein. Das darf nicht mit Lautstärke verwechselt werden, denn diese Eigenschaft findet man auch in den leisesten Tönen. Belcanto singt man aus dem Piano heraus, aus dem feinen, dem eleganten, von dem es anschwillt ins volle und kräftige, um wieder zurück zu kehren ins zarte. Ein guter Sänger geht nur zeitweilig an seine obere Grenze, am Besten niemals ans Limit, um sich und der Stimme nicht zu schaden.

Bedingt durch den freien Atem und saubere Vokale, die von unten bis oben gleich bleiben, beginnt die Stimme am richtigen Platz zu „sitzen“. Sie entfaltet zunehmend ihre persönliche Klangfarbe und gewinnt an Geschmeidigkeit und Virtuosität. Die Fähigkeit mühelos von einer Note zur nächsten zu wechseln wird in Koloraturen, Trillern, Appoggiaturen und Verziehrungen trainiert.

Wer sich dafür interessiert, wie einige dieser Begriffe klingen, kann sich ein Gespräch mit Demonstrationen zwischen Sutherland, Pavarotti, Horn und Bonynge ansehen: How to sing Belcanto I and How to sing Belcanto II

Welche Sänger (bzw. CDs) kannst du als Hörbeispiele empfehlen um einen Eindruck davon zu bekommen?

Es gibt eine große Anzahl von Aufnahmen historischer Sänger, die auf CD wieder erhältlich sind und uns einen wenn auch eher blassen Einblick ihrer Kunst vermitteln. Dem ursprünglichen Belcanto (vor Caruso) kommen vielleicht Sänger wie Fernando De Lucia, Hermann Jadlowker und Leo Slezack am nächsten.

Die Tenöre John McCormack, Jussi Björling, George Thill, Iwan Koslowski, Léopold Simoneaux, Nicolai Gedda, und natürlich die Italiener Dino Borgioli, Tito Scipa, Giuseppe di Stefano, die Spanier Miguel Fleta und Antonio Cortis und der leider wenig bekannte Portugiese Tomaz Alcaide sind nur eine kleine Auswahl meiner Lieblingssänger.

Bei den Sopranen Selma Kurz, Toti dal Monte, Maria Galwany, Maria Ivogün, Rosa Ponselle, Claudia Muzio, Maria Caniglia, Maria Callas.
Ein deutscher Bariton, der in Mailand studierte und diese Schule in meisterlicher Weise wiedergibt ist Willi Domgraf-Fassbaender.
Bei den Sängern und Sängerinnen, die wir uns anhören und –sehen können habe ich einige gute links herausgesucht.

Rosa Ponselle
Habanera Carmen
Ernani (herrlicher sound)

Joan Sutherland
Violetta aus La Traviata 1962
Meyerbeer
Lied The Bohemian Girl

Beverly Sills
Violetta
Linda di Chamounix
Königin der Nacht
The Rose and the Nightingale

Leyla Gencer
Aida Verdi
Trovatore

Montserrat Caballé,
Casta Diva 1974
Mozart: Dove sono Hochzeit des Figaro
Bellini Il pirata 1966

Maria Callas
Vissi d’arte 1958
Casta diva Norma
Don Carlo 1959

Anna Moffo
I pagliacci – Ballatella
Juwelenarie Faust Gounod

Marilyn Horn
Carmen Bizet
Rossini

Cecilia Bartoli
Parto, parto Titus Mozart
Alleluja Mozart
La Cenerentola Rossini

Anne Sofie von Otter
Offenbach

Andreas Scholl
Rodelinda Händel
Ombra mai fu Händel
Giulio Cesare Händel

Alfredo Kraus
Herzog Rigoletto
La donna e mobile 1958
Pecheurs de perles 1970

Luciano Pavarotti
Ingemisco Requiem 1967
Ave Maria 1978
Nessun dorma NY 1980
Boheme Che gelida manina 1979 La Scala Carlos Kleiber

Rolando Villazon
Una furtiva lagrima, Wien
Lenski Eugen Onegin

Cesare Siepi
Don Carlo 1970
Don Giovanni Furtwängler

Tito Gobbi
Scarpia Tosca London
Rigoletto
Rigoletto 1949

Was ist DEINE Gesangsphilosophie?

In dem obigen Punkt habe ich versucht die technischen Belange des Singens zu beschreiben. Dies sind die Voraussetzungen um professionell zu singen. Darunter verstehe ich verlässlich über ein Instrument zu verfügen, das jederzeit und reproduzierbar alle Schwierigkeiten meistern kann und kein Produkt des Zufalls ist. Erst dadurch ist es möglich der Musik gerecht zu werden und sie plastisch und glaubhaft auszudrücken: Emotionen, Gefühle und Empfindungen der darzustellenden Charaktere durch Dynamik, Farben, Dramatik, Glanz, Lyrik, etc. Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen. In der heutigen Zeit der Tonkonserven, TV und Videos und der Masseneventveranstaltungen ist dies nötiger denn je.

Du verwendest die Alexander-Technik auch im Gesangsunterricht. Was ist das Besondere an dieser Kombination? Welchen Nutzen können Sänger aus dem Erlernen der Alexander-Technik ziehen?

Mit Sängern und Sängerinnen arbeite ich stimmlich und musikalisch. Nur in Ausnahmen wende ich AT Arbeit im Liegen an, z.B. um die Atmung zu befreien. Gelegentlich benutze ich die Hände zur Verdeutlichung, um den Schüler etwas bei sich oder an mir spüren zu lassen. Falls bei einem Schüler die körperlichen Grundlagen derart mangelhaft sind, dass ein normaler Gesangsunterricht nichts bringt, dann rate ich ihm erst einmal dieses Defizit mit Hilfe der Alexander Methode oder einer anderen Arbeit anzugehen und zu verbessern. Es versteht sich von selbst, dass – auch wenn ich keine oder nur sparsam die Berührung der Hände einsetze – ich dennoch über dies Wissen verfüge und es ständig anwende.

Welches Unterrichtsangebot hast Du? Was würdest du interessierten Sängern empfehlen?

Ich unterrichte selbständig, also an keiner Institution. Dies hat den Vorteil, dass ich frei von äußeren Zwängen arbeiten kann. Die Betreuung eines Sängers erfordert ein enormes Maß an Engagement und das einbringen meiner ganzen Persönlichkeit. Dazu bin ich gerne bereit, fordere aber im Gegenzug dasselbe von dem Studenten. Es ist viel Fleiß, Arbeit und Zeit nötig, um das Singen der Belcanto Tradition gründlich zu studieren und erfolgreich anwenden zu können. Doch der Einsatz wird belohnt durch die Freude, die einem die Kunst mit sich und der Stimme umzugehen schenkt.

Vielen Dank für das Interview

Ich werde sicher einige Wochen brauchen, bis ich mir die vielen Stücke in youtube angehört habe. Einen Einblick habe ich jetzt schon bekommen…

Ich mag den Ansatz, dass es darum geht “die Stimme zu befreien”, also nicht darum, etwas künstlich von aussen “drüberzustülpen”. Und ich findes es enorm wichtig, dass bei allem nötigen Fleiss und Genauigkeit, was Gesangstechnik usw. angeht, folgendes Ziel immer  präsent zu halten, das Daniel Süsstrunk sehr schön formuliert hat: “Ich möchte von dem Gesang der Sänger und Sängerinnen berührt werden und als ein veränderter Mensch die Oper oder den Konzertsaal verlassen.

Nochmals vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Das ist viiiiiiiiiiiiiiiiel mehr, als ich mir erhofft hatte :-)

Hier ist nochmals der Link zu Daniel Süsstrunks homepage.

Mai292009

Michael Gelb: live-Interview

Ich hatte hier schon mal für das neue Direction Journal etwas Werbung gemacht.

Nächsten Montag gibt es ein absolutes Highlight. Paul Cook, der Herausgeber der Zeitschrift, hat es tatsächlich geschafft Michael J. Gelb für ein Telefoninterview zu gewinnen. Das Interview selbst dauert ca.40min und danach  ist gelegenheit Fragen an Gelb zu stellen.

Ich habe mich natürlich sofort angemeldet, denn wann bietet sich denn schon mal die Chance, einem DER Top-Trainer weltweit persönlich Fragen stellen zu können???

Hier können Sie sich einen der 25 Plätze sichern. Die werden sicher schnell weg sein…

Hier ist noch eine Buchauswahl von Michael Gelb:

Mai252009

Das Heben von Lasten

Vor ein paar Wochen habe ich mir eine neue Kamera mit Videofunktion gekauft. Heute möchte ich einen kurzen Clip vorstellen, den ich letzte Woche auf der kleinen Insel Sulosaari in Savonlinna gedreht habe.

Dort habe ich nämlich einen ganz besonderen Baum entdeckt. Ich war echt hin und weg, als ich das gesehen habe. Wollen Sie wissen was das besondere an dem Baum ist? Dann schauen Sie sich dieses kurze (14s) Video an:

Ist das nicht phantastisch? Nomalerweise suchen sich Bäume einen Weg um solche Hindernisse herum, aber der hat sich wohl gedacht: “Was soll’s? Ich nehm ihn einfach mit” :-)

Dieser Baum bietet sich natürlich vorzüglich für eine ganze Reihe von Metaphern an. Was mir spontan dazu als erstes eingefallen ist, war ein Vergleich mit der Aktivität “Gegenstand hochheben”. Man kann diese Aktivität auf zwei Arten sehen:

  • Ufffff. Jetzt muss ich die blöde Kiste hochheben ;-)
  • Ich integriere (genau wie der Baum es tut) das Gewicht der Kiste in mein Gesamtsystem und bewege mich dann wohin auch immer ich will (genauso wie z.B. das Gewicht der Kleidung auch integriert ist, da denkt schliesslich auch keiner “Oh weh! Jetzt muss ich die 2kg mit mir rumschleppen”)

Das klingt vielleicht etwas abgefahren. Aber probieren Sie’s mal aus. Für mich war das ein gewaltiger Unterschied!

Mai222009

Wie Werte unser Leben bestimmen

Werte-KompassWerte sind Vorstellungen über Eigenschaften (Qualitäten), die Dingen, Ideen, Beziehungen u. a. m. von Einzelnen (sozialen Akteuren) oder von sozialen Gruppen von Menschen oder von einer Gesellschaft beigelegt werden, und die den Wertenden wichtig und wünschenswert sind.
(Quelle: wikipedia.de)

Werte sind wertvoll – aber welchen Werten dienen Sie? An welchen Werten richten Sie Ihr Leben aus?

Werte werden als Orientierungs- und Entscheidungshilfen immer wichtiger. Es gibt heute keine für alle verbindlichen Werte mehr. Das kann man gut oder schlecht finden. Aber das will ich hier nicht diskutieren.

Jeder orientiert sich an Werten, bewussten und unbewussten. Da ist es doch eine gute Idee einmal genau hinzuschauen, welche Werte mir persönlich wichtig und wert-voll sind.

Welche Werte sind Ihnen wirklich wichtig?

Norbert Glaab bietet auf seiner website eine nützliche Wertesammlung und einen Wertechecker an, mit dem Sie ganz einfach ihre wichtigsten Werte ermitteln können. Einfach mal anschauen und ausprobieren, ist sehr interessant…

…aus meiner Sicht aber nicht vollständig, wenn man sich auf “positive” Werte beschränkt. Michael Fortwängler beschreibt auf “art-of-changing”, die spannende Idee, den (positiven) Werten “Schatten-Werte” gegenüber zu stellen:

“Der Schatten ist der nicht in Besitz genommene Teil unseres Selbst, den wir nicht ansehen wollen, weil wir vor ihm Angst haben, oder weil wir nicht wissen, wie wir mit ihm umgehen sollen, oder weil er unseren eigentlichen Werten zutiefst zuwider läuft.”

Ja klar. Jeder rühmt sich gerne der “heroischen” Werte wie Akzeptanz, Großherzigkeit, Verbindlichkeit, usw. denen er angeblich dient. Ich selbst konnte in einer Serie von Coaching-Sitzungen mit Fortwängler die fundamentale Bedeutung erkennen, die Werte, ABER AUCH Schattenwerte auf mein Leben hatten/haben. Er schreibt hierzu weiter:

“Allen menschlichen Wesen sind solche Tendenzen wie Gier, Neid, Rachsucht, Eifersucht, Zügellosigkeit, Faulheit usw. bekannt, um nur einige der „Klassiker“ zu benennen. Da diese Schatten-Werte unser Leben ebenso regieren können wie unsere wahren Werte – vor allem dann, wenn sie weitgehend unbewußt bleiben oder verleugnet werden – ist es wichtig, Bewusstsein für deren Existenz zu schaffen. Wenn wir diese dunklen Tendenzen ans Licht holen, können wir mit ihnen arbeiten und umgehen. Sie verlieren dadurch ihre Macht über uns.”

Dazu fällt mir noch folgender Satz von David Gorman ein, der seit einigen Wochen soetwas wie ein Leitfaden für mich geworden ist:

* Freedom is to know and be yourself

Freiheit ist dich selbst zu kennen und du selbst zu sein

Mir wird gerade klar, dass hier wohl auch die Reihenfolge der Worte anscheinend nicht zufällig ist:

  • dich selbst kennen
  • du selbst sein

Auch wenn das eng verwoben ist, so scheint es mir momentan doch so zu sein, dass das “Ich selbst sein.” auf das “Mich selbst kennen” folgt.

Und ein wichtiger Teil des “Erkenne dich selbst” sind die Schattenwerte. Gehen Sie doch einfach nochmal zum Wertechecker und ermitteln Sie dann Ihre Schattenwerte. Ich bin mir sicher, dass da einige lohnenswerte Entdeckungen auf Sie warten.

Copyright Bild ganz oben: ©Norbert Lorenz / PIXELIO

Mai192009

Stress kostet…

Gerade lese ich in den yahoo!-Nachrichten, dass das Phänomen “Stress” ziemlich verbreitet ist. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse empfinden 80% der Deutschen ihr Leben als stressig, 30% haben Dauerstress und 20% haben deshalb ernsthaft gesundheitliche Probleme.

Zur Lösung des Problems sehe ich zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze:

1. Symptombekämpfung, also Entspannungstechniken, Ausdauersport, Wellness, Meditation, Urlaub nehmen, Medikamente, usw. Das heisst ich reagiere permanent mit Stress und schaue dann wie ich das Symptom “Stress” (das mir sagt dass etwas nicht) stimmt loswerden oder mildern kann. Das heisst, ich handle so, als sei der Stress das Problem. Ich persönlich habe keine Ahnung was das bringen soll. Vielleicht kann mir das ja jemand beantworten?

2. Sich mit der Frage auseinandersetzen: “Wie konnte es dazu kommen, dass ich auf eine Situation mit Stress reagiere?” und dann entsprechend zu handeln. Falls ich zu dem Schluss kommen würde, dass die Ursachen im Aussen liegen (Job, Lärm, …) kann ich versuchen da etwas zu verändern und dann überprüfen ob’s geholfen hat. Oder ich komme zu dem Schluss, dass es an meiner Reaktion auf die “stressige” Situation liegt. Dann würde ich mich weiter Fragen, was genau den Stress auslöst, warum ich so darauf reagiere, wie ich die Situation interpretiere und ob es nicht dienlichere Interpretationen gibt, warum der Kollege, der den gleichen Job macht immer so relaxed ist , was der anders macht als ich usw

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Diese grundsätzliche Entscheidung, in welche der beiden Richtungen man gehen will, muss jeder selbst für sich treffen. Ich persönlich glaube nicht, dass beide gleichzeitig funktionieren. Wie seht ihr das?

Mai192009

Was bedeutet “ich selbst sein”?

Und wieder mal habe ich bei Frank Obels ein interessantes Video gefunden:

Masquerade from Aziz K. on Vimeo.

In Wikipedia steht folgendes:

Die Persona bezeichnete ursprünglich eine im griechischen Theater von den Schauspielern verwendete Maske, die die Rolle typisierte und als Schallverstärker benutzt wurde. Der Name ist abgeleitet aus dem Lateinischen (personare = hindurchtönen), und daraus wiederum abgeleitet ist der Begriff Person.

Ist es nicht so, dass wir IMMER Rollen spielen? Das ist doch auch sinnvoll, oder? Es ist allerdings wichtig, sich bewusst zu sein welche Rolle man gerade spielt und was noch wichtiger ist: man muss jederzeit damit auch wieder aufhören können.

Angenommen ich habe mich über irgend etwas geärgert. Genau in dem Moment kommt einer meiner Schüler zu seiner Stunde. Soll ich etwa “ich selbst” sein und meine Laune mit in den Unterricht tragen oder gar an ihm auslassen? “So bin ich halt. Im Moment bin ich sauer.”

Blödsinn, oder? Da überwiegt eindeutig mein Wunsch meinem Schüler so gut wie möglich zu dienen. Meine Strategie ist es, in die Lehrerrolle zu gehen (die ich mir sehr genau überlegt habe, was da dazu gehört und was nicht, und die sich ständig weiterentwickelt).

Das heisst nicht, dass der Ärger weg wäre. Er ist allerdings für den gewählten Zeitraum weeeeeeeeeit im Hintergrund, weil mir jetzt andere Dinge wichtiger sind.

Das heisst auch nicht, dass das unecht wäre. Und an der Stelle freue ich mich, dass der Wortursprung das auch illustriert: per-sonare = hindurch-schallen, d.h. mein “echtes Selbst” schallt immernoch hindurch!

DANN ist es aber wichtig den Ärger möglichst zeitnah anzuschauen, damit da kein böses Verdrängen passiert ;-)

So gesehen sind nicht die Masken das Problem, sondern der mehr oder weniger intelligente Umgang damit.

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Bleibt die Frage offen, ob das “ich selbst sein” nicht auch eine Maske sein könnte…

Mai182009

Die Anatomie der Ganzheit

gormanAm Wochenende war David Gorman bei mir in Savonlinna (Finnland) zu Gast und hat den dreitägigen Workshop The Anatomy Of Wholeness™ gegeben.

Vor einiger Zeit bin ich auf seine website gestossen und habe dort tonnenweise spannende Artikel gefunden und mir ebooks runtergeladen und geradezu verschlungen. Einen dieser Artikel habe ich dann sogar übersetzt.

Daraufhin wollte ich Gormans “LearningMethods” gerne live kennenlernen. Es wäre mir allerdings zu aufwendig gewesen dafür um die halbe Welt zu reisen und so habe ich ihn halt einfach hierher eingeladen.

Es war der Hammer!

Ich habe selten einen so guten Workshop erlebt. :-)

Ich habe unglaublich viel gelernt und was noch viel wichtiger ist: Ich habe massenhaft spannende Fragen, die ich erforschen will, Fragen, die mich wirklich brennend interessieren!!! :-)

Der ganze Workshop drehte sich im Grunde um folgende Frage:

Sind wir Lebewesen, deren Natur es ist ganz zu sein und als Ganzheit zu funktionieren? Sind wir perfekt konstruiert und können demnach auch perfekt funktionieren?

ODER

Sind wir nicht ganz, nicht ganzheitlich? Sind wir nicht perfekt konstruiert (was quasi zwangsläufig zu Problemen führen muss)?

Spannend, nicht wahr? Das ist eine sehr grundlegende Frage, die man nicht einfach mal so beantworten sollte, sondern sich wirklich sehr intensiv damit ausseinandersetzen, weil die Antwort sehr weitreichende Konsequenzen hat.

Sie bestimmt beispielsweise, wie wir bei Problemen jeglicher Art vorgehen:

Wenn wir annehmen, dass die erste Alternativen wahr ist, dann würde das z.B. bedeuten, dass, wenn Probleme auftreten, dieses perfekte, natürliche System in irgend einer Weise gestört wird. Möglicherweise sind wir selbst es, die das System stören und uns somit selbst im Wege stehen. Die Vorgehensweise würde dann wahrscheinlich sein, herauszufinden, WARUM und WIE wir uns stören und diese Ursache schliesslich beheben. Problem gelöst.

Wenn die zweite Alternative wahr ist, also dass unsere Struktur und unser Funktionieren nicht gut genug für die heutige zivilisierte Welt geeignet ist, dann hätte das z.B. bei Rückenproblemen andere Konsequenzen bei der Vorgehensweise. Dann müssten wir dem System in irgend einer Weise von aussen oder innen helfen, in jedem Fall dem nicht-perfekten System etwas hinzufügen, korrigieren, koordinieren o.ä.

Wie stehe ich dazu?

Ich habe in den letzen Jahren und auch letztes Wochenende viele Erfahrungen gemacht, die mich dahin gebracht haben die erste Alternative für wahr zu halten.

So dachte ich zumindest.

Denn wenn ich ehrlich bin, dann fällt mir auf, dass ich an vielen Stellen etwas nachhelfe, indem ich z.B. hier und da ein paar Muskeln loslasse, wenn ich merke dass ich da etwas angespannt bin.

Wenn ich WIRKLICH und vollständig überzeugt wäre, dass ich ganz bin, und die menschliche Konstruktion perfekt ist, dann würde ich meiner “Koordination” nicht helfen wollen, sondern darauf vertrauen, dass die angeborenen Koordinationsmechanismen in jedem Moment die bestmögliche Koordination hervorbringen.

Dann würde ich in micht etwa Folgendes fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass die verspannt sind? Wie konnte es dazu kommen, dass ich die Schulter überhaupt als isolierten Teil von mir wahrnehme, also nicht ganz bin? Was habe ich getan, gedacht, was war meine Intention, dass mein Körper mit übermässiger Spannung reagiert?

Das habe ich jetzt vor

Ich werde eine Reihe von Experimenten durchführen die mir nachvollziehbare Beweise bringen, ob Alternative 1 oder 2 wahr ist. Dazu habe ich mir folgendes überlegt: ich habe in meinem Alltag eine Reihe von Sitationen, in denen ich mich meistens unwohl fühle und etwas angespannt bin. Meistens tue ich etwas dagegen. Feinste Ausrichtung des Körpers dazu missbraucht, ein Symptom mit “gutem Gebrauch” zu überdecken ;-)

Das werde ich bleiben lassen und stattdessen erforschen,

  • welche Symptome genau ich wahrnehme
  • wie genau ich diese Situationen sehe, was meine Intentionen sind usw.

Dann werde ich die Sichtweisen hinterfragen um herauszufinden, ob darin irgend etwas ist, was meinen Körper veranlassen könnte aus dem Zustand von Gleichgewicht und Ganzheit herauszukommen und somit diese Symptome zu produzieren. Diese Punkte werde ich dann mit bestimmten Selbstcoachingtechniken verändern und dann…

…dann werde ich gar nichts tun! Und nach ein paar Tagen oder Wochen nachschauen, ob die Symptome weg sind oder weniger sind oder ob eigentlich alles beim alten geblieben ist.

Falls die Symptome weniger sind wäre das für mich ein hinreichender Beweis, dass mein System sich von selbst in diesen Situationen spitzenmässig koordinieren kann, wenn ich meine Einstellung verändere.

Falls die Symptome nicht weniger sind, gibt es drei Möglichkeiten:

  • ich habe nicht die Ursache gefunden die das Problem verursacht, sondern habe an irgendwelchen Nebensächlichkeiten gearbeitet
  • ich habe zwar die Ursache gefunden, sie aber nicht wirklich beseitigt
  • Alternative zwei ist wahr und der menschliche Organismus braucht noch ein paar hunderttausend Jahre Evolution ;-)

::

So jetzt werde ich mich noch ein Stündchen in die traumhafte Natur hier um die Ecke begeben und über die vielen Fragen nachdenken, die der Workshop aufgeworfen hat.

Mai142009

Alexander-Technik beim “Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin”

Dirk Hausen (Lehrer für Alexander-Technik in Freiburg) hat mir folgenden kleinen Bericht vom „Internationalen Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ zukommen lassen:

Vom 26.- 28. März dieses Jahres fand an der Hochschule für Musik Freiburg i. Br. ein „Internationaler Kongress für Musikphysiologie und Musikermedizin“ statt. Auf Einladung der Leitung des Freiburger Instituts für Musikermedizin hatte ich hierbei Gelegenheit, die G.L.A.T. (Gesellschaft der Lehrer/innen der F.M. Alexander-Technik) durch den Workshop „Alexander-Technik für Bläser“ zu vertreten.

Ein neunzigminütiger Workshop bedeutet auch bei anderen Veranstaltungen eine Herausforderung. Im Rahmen eines internationalen Kongresses, bei dem besonders qualifizierte Teilnehmer auch mit besonders großen Erwartungen aus der ganzen Welt anreisen, kann sich eine solche Herausforderung jedoch als durchaus steigerbar erweisen: Zum Beispiel stellte sich bereits in der Vorbereitung die grundlegende Frage, ob der Workshop auf Deutsch oder Englisch abzuhalten ist, oder mit wie vielen Teilnehmern welcher Berufsgruppe bzw. welchen Hintergrunds zu rechnen ist. Vor Ort ergab sich dann „spontan“, dass die 25 Teilnehmer meines Workshops zum einen alle deutschsprachig waren und dass vom Logopäden bis zu einem Prof. Dr. med. einer deutschen Universitätsklinik also auch die verschiedensten Berufsgruppen (vorwiegend jedoch aus dem medizinischen Bereich) vertreten waren.

Mein Plan sah vor, zunächst einen kurzen, einführenden Vortrag über die Technik zu halten. In einem zweiten Schritt sollte dann die „klassische“ Alexander-Arbeit an Tisch und Stuhl präsentiert werden. Ganz dem Ablauf einer regulären Unterrichtsstunde folgend, hätte sich hieran die thematisch vorgegebene Arbeit am Instrument angeschlossen. Es stellte sich jedoch gleich zu Beginn des Workshops heraus, dass keiner der Teilnehmer, trotz des expliziten Hinweises in der Kursbeschreibung, an das Mitbringen eines Instruments gedacht hatte. Ohne leugnen zu wollen, dass diese Feststellung mein Konzept um spontane Improvisation zu bereichern drohte, begann ich einfach.

Es stellte ich heraus, dass alle Teilnehmer vor allem eines waren: interessiert. Sie waren zutiefst interessiert daran, ihren Klienten bzw. Patienten eine umfassende und damit bestmögliche Behandlung zukommen lassen zu können. Der in der Alexander-Welt (auch durch Alexanders eigene Beschreibung seines Leidensweges) häufig formulierte Gedanke, dass Mediziner nur am Symptom orientiert seien, erwies sich daher, zumindest im Rahmen dieses Workshops, als korrekturbedürftig.

Nachdem ich die Teilnehmer zu Beginn darauf hingewiesen hatte, dass Fragen jederzeit gestellt werden könnten, wurde hiervon auch rege Gebrauch gemacht. Neben sehr spezifischen Fragen zu meiner Arbeit mit Musikern, vor allem zu meinen Erfahrungen mit Orchestern wie der Jungen Deutschen Philharmonie, ging es auch darum, wie genau eine Stunde abläuft, was konkret ein Alexander-Lehrer mit seinen Händen tut, wie man die Technik selbst anwenden lernt bzw. wie viele Stunden dazu notwendig sind usw.

Das Ergebnis war ein anregender Workshop bei dem viel gelacht wurde (der Anblick von 25 gleichzeitig aufstehenden bzw. sich hinsetzenden Leuten oder das gemeinsame Praktizieren des „whispered Ah“ bot für alle Anwesenden genug Grund dazu), bei dem sich jedoch auch die grundlegenden Ideen und Zusammenhänge der Alexander-Technik verdeutlichen ließen. Die Alexander-Technik als Teil eines ungemein vielfältigen Angebots an hochinteressanten Vorträgen und Workshops im Rahmen dieses Kongresses vertreten zu dürfen, erlaubt mir den persönlichen Schluss, dass der potentielle Beitrag der Alexander-Technik in der Musikphysiologie und Musikermedizin herzlich willkommen ist.

Vielen Dank an Dirk Hausen, der mir diesen Bericht hat zukommen lassen.

Ich arbeite regelmässig mit Musikern und kann sagen, dass der (nicht nur potentielle) Beitrag den die Alexander-Technik leistet, wirklich einen Bedarf deckt. So haben schon 8 oder 10-jährige Kinder häufig Rückenschmerzen (nicht nur, aber auch beim Spielen ihres Instrumentes). Jugendliche und Erwachsene haben häufig chronische Schmerzen und Probleme entwickelt…

Wenn es mir im Unterricht gelingt, falsche Vorstellungen von “guter Haltung” oder davon wie die Spielbewegungen zustande kommen zu korrigieren, werden die Bewegungsabläufe fliessender und damit verschwinden oft als “Nebenwirkung” auch die Rückenprobleme.

Auch wenn es derzeit “in” ist auf der “sturen Schulmedizin” herumzuhacken, kann ich für meinen Teil sagen, dass die Ärzte und Physiotherapeuten mit denen ich bisher gesprochen habe, ALLE sehr interessiert an Methoden wie der Alexander-Technik waren. Das liegt vermutlich auch mit daran, dass ich meine Arbeit zu 100% als pädagogisch verstehe, also weit davon entfernt bin therapeutisch tätig zu sein.

Wie auch immer. Ich finde es jedenfalls schön, dass sich gegenseitiges Interesse auch auf so einem Kongress widerspiegelt.

Mai082009

Essenz des Zielstrebens

ziel-erreichenSo, jetzt habe ich es endlich geschafft David Gormans Artikel “The rounder we go, the stucker we get” ins Deutsche zu übersetzen. War ein gutes Stück Arbeit…

Vielen Dank an dieser Stelle noch an die Alexander-Technik Lehrerin Joanna-Maria Otto aus Freiburg, die die Übersetzung Korrektur gelesen hat.

Gormans hochinteressante LearningMethods-Seite ist zumindest in Alexander-Kreisen schon längst kein Geheimtip mehr. Auf der Seite finden Sie sehr viele, sehr gute Artikel und ebooks (im weitesten Sinne zum Thema Alexander-Technik / persönliches Wachstum) zum lesen oder downloaden. Und einen dieser Artikel, der mir besonders gut gefallen hat, habe ich jetzt halt mal übersetzt (man gönnt sich ja sonst nichts ;-) ) und Gorman bietet ihn ab sofort auf seiner website zum lesen an.

Und darum geht’s:

Gorman beschreibt als erstes, wie sich Gewohnheiten bilden und wie daraus in der Regel ein regelrechter Teufelskreis wird. Ist es erst einmal so weit, nützen weder Symptombekämpfung (wann nützt das schon?), noch Ursachenbekämpfung mehr. Und warum?

Weil diese Gewohnheiten sehr rafiniert konstruiert sind. Sie verleiten nämlich permanent zum sogenannten Zielsteben. Was das bedeutet? Ganz einfach. Ich akzeptiere den jetzigen Zustand nicht und schliesse daraus reflexartig, dass

  • an meinen Zustand (oder gar an mir?) etwas falsch ist
  • ich etwas ‘tun’ muss, um das alles in Ordnung zu bringen
  • ich dieses Ziel offensichtlich nicht jetzt, sondern nur in der Zukunft erreichen kann
  • ein bestimmter Teil von mir weiss, was richtig oder falsch ist und somit einen oder mehrere andere Teile reparieren kann oder muss
  • ich überhaupt aus mehreren Teilen bestehe(!), und dass diese Teile einer Koordination bedürfen (Gegenteil von Ganzheit/Einheit)

Tja, wenn ich also etwas ‘verbessern’ will, werde ich automatisch von den eben genannten Prämissen ausgehen. Wohin das führt wissen wir ja… Ein ewiger Kreislauf. Mal ist dies verkehrt, mal jenes, mal tut der Rücken weh, mal bin ich ‘im Stress’ usw.

(kleine Anmerkung: ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir von Krankheiten (Plural) und Gesundheit (Singular) sprechen, niemals aber von Gesundheiten (Plural)? Ich finde das sehr spannend, denn das untersteicht ja wieder den Gedanken von Einheit/Ganzheit. Könnten wir also sagen Ganz = Gesund? Falls ein Etymologe unter den Lesern ist, die Geschichte des Wortes “gesund” würde mich doch sehr interessieren…)

Raus aus dem Teufelskreis!

Wie also kann ich aus dem Teufelskreis aussteigen? Tja, akzeptiere halt einfach alles so wie es jetzt eben ist, und du erreichst dein Ziel durch nicht-tun. Ganz toll! Das kennen wir ja schon spätestens seit Eckhard Tolles “JETZT!-Buch”. Und schon bekommt das, was so harmlos anfing, eine spirituelle Dimension :-) Bedingungslos im Jetzt leben… Aber wie erreichen wir das?

Und genau an der Stelle bin ich jetzt einen grossen Schritt weiter gekommen. -HA! Und genau da haben wir es doch schon wieder. Haben Sie es auch bemerkt? Ich glaube also auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Verstehen Sie? Das ist doch schon wieder genau das Konzept, nachdem ich nur in der Zukunft etwas erreichen kann (s.o.). Tja, reingefallen. Ich werde also auf diesem blog hin und wieder berichten, was ich Neues dazu gelernt habe – hoppla, schon wieder reingefallen ;-) … Spass beiseite, wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie unten auf den link und lesen Sie Gormans Artikel.

Das habe ich von dem Artikel gelernt:

Wenn man sich mit dem Konzept des Zielstrebens auseinandersetzt, so ist man leicht verleitet, das Ziel im Aussen zu suchen. Ich will ja schliesslich dies oder jenes erreichen, beispielsweise diesen Artikel schreiben usw. Innehalten würde in dem Fall bedeuten nicht blind auf mein Ziel loszustürmen, sondern auch die Mittel zu bedenken, mit denen ich mein Ziel zu erreichen gedenke.

Durch die Lektüre von Gormans Artikel bin ich jetzt so weit behaupten zu wollen, dass jedes Zielstreben in seiner Essenz bedeutet, dass ich den jetzigen Moment (noch) nicht akzeptiere und mein Glück in einem zukünftigen Moment erhoffe. Dabei ist es völlig wurscht, welches äussere Ziel ich verfolge. Ich bin unzufrieden mit dem was jetzt ist, will also davon weg und gleichzeitig hin zu dem, was in der Zukunft auf mich wartet.

Im NLP gibt es das Modell der Hin-zu oder Weg-von Motivation. Also ich will entweder von einem Zustand weg, den ich nicht akzepitere (weg-von), oder ich freue mich auf einen besseren Zustand in der Zukunft (hin-zu). Das ist definitiv ein Modell von Motivation, das meinem Erleben von Motivation sehr sehr nahe kommt. Ich denke, dass Fortschitt oder persönliches Wachstum immer entweder auf einer gewissen Unzufriedenheit oder auf einer Vision, oder auf beidem gründen. Das Problem mit dem Zielstreben ist jedoch, dass wir aus der Unzufriedenheit oder Vision ein “muss” machen. “Ich muss hier weg um glücklich zu sein” oder “Ich muss da hin, damit ich glücklich bin.”

So, und jetzt lehne ich mich noch etwas aus dem Fenster und sage folgendes: worum es F.M. Alexander bei seinem “Mittel-wodurch”-Konzept in der Essenz ging, ist schlicht die vollständige Akzeptanz dessen was jetzt ist, um auf dieser Grundlage wählen zu können (Wahlfreiheit) wohin die Reise gehen soll und wie (Mittel-wodurch) wir Reisen wollen.

Fazit: unbedingt lesen!

Hier ist der direkte link zum Artikel

P.S. David Gorman ist übrigens vom 15.-17.Mai 2009 bei mir hier in Savonlinna und hält den Workshop “The Anatomy of Wholeness™ — Making sense of our amazing human system“. Falls Sie an dem Wochenende noch nichts vorhaben, können Sie ja einen Kurztripp nach Finnland machen ;-) Das lohnt sich übrigens nicht nur wegen des Workshops, sondern auch wegen der traumhaft schönen Natur:

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Copyright Bild ganz oben: ©El-Fausto / PIXELIO

Mai022009

Wie gut sitzen Sie?

364236_r_k_b_by_barbara-eckholdt_pixeliodeCopyright © Barbara Eckholdt /PIXELIO

Wir nehmen die Welt bekanntlich nicht direkt wahr, sondern es liegen verschiedene Filter zwischen uns als Beobachter und der Wirklichkeit:

filter

Es gibt bio-logische Filter wie Auge oder Ohr. Mit dem Auge beispielsweise nehmen wir einen bestimmten Teil des Lichtspektrums wahr und der Rest (z.B. ultraviolettes Licht) existiert in unserer Wahrnehmung nicht. Diese biologischen Filter sind für jeden mehr oder weniger gleich.

Dann gibt es die psycho-logischen Filter und da wird es schon spannender. Einer dieser Filter ist die Sprache und hier insbesondere Metaphern.

Wie bitte? Metaphern? Sind das nicht diese netten, “dekorativen” Garnierungen von Gedichten? Damit habe ich doch nichts am Hut… oder etwa doch?

::

Neil Postman schreibt in seinem Buch “The End of Education“:

“Ja, Dichter setzen Metaphern ein, um uns beim Sehen und Fühlen zu helfen. Aber Biologen, Physiker, Historiker, Linguisten tun das auch, jeder, der etwas über die Welt auszusagen versucht, tut das. Eine Metapher ist kein Ornament. Sie ist ein Wahrnehmungsorgan. Durch Metaphern sehen wir die Welt.” (S.206)

Was also sind Metaphern?

Metaphern (wie u.a. auch Definitionen und Fragen) sind Werkzeuge, mit deren Hilfe die menschliche Sprache eine Weltsicht konstruiert. Metaphern kontrollieren sozusagen Ihr Denken.

Ein Beispiel? Welche Metaphern kennen Sie zum Gehirn?

  • Ist das Gehirn wie ein Muskel, der trainiert werden muss?
  • Ist das Gehirn wie ein Gefäss, das gefüllt werden muss?
  • Ist das Gehirn wie eine Pflanze, die gepflegt werden muss?
  • Ist das Gehirn wie ein Computer, der Daten verrechnet?
  • Ist das Gehirn wie ein Netz, dass Wissensfäden spinnt?
  • Ist das Gehirn wie eine dunkle Höhle, die Erleuchtung braucht?
  • Ist das Gehirn … ?

Jede einzelne Metapher betont einige Aspekte und vernachlässigt andere. Mehr noch: wir müssen immer bestimmte Aspekte vernachlässigen, weil wir immer etwas betonen. Es geht gar nicht anders!

Das heisst aber auch: je mehr Metaphern wir zu einem bestimmten Thema schon kennen, lernen oder selbst entwickeln usw.,

  • desto mehr Aspekte dieses Themas verstehen wir,
  • desto flexibler sind wir
  • desto tiefer verstehen wir das Thema, usw.

Oft hinterfragen wir Metaphern aber nicht, sondern übernehmen sie unbewusst. Ich vermute, dass die meisten von uns noch von der Schule her so geprägt sind, dass es richtige und falsche Antworten gibt. “Die Definition von x ist so und so.” Das ist in den allermeisten Fällen allerdings ziemlich hinderlich. Die Fragen, die wir uns stellen müssten, damit wir unser Wissen erWEITern können, sollten viel eher folgende sein:

  • Wer hat diese Metapher erfunden?
  • Zu welchem Zweck?
  • Wann?
  • Wo?
  • In welchem Kontext?
  • Welche Alternativen gibt es?

Oder wir basteln uns zu einem Thema eigene Metaphern. Z.B.:

Life is like a bicycle – to keep your balance you must keep on moving.(Albert Einstein)

Mal schauen, was mir da so spontan noch alles dazu einfällt. Also:

Das Leben ist wie ein Fahrrad, weil…

  • …man schnell vorankommt und flexibel ist
  • …man ziemlich viel strampeln muss, um seine Ziele zu erreichen.
  • …ich es regelmässig warten muss, sonst geht’s kaputt.
  • …man darauf aufpassen muss, sonst wird’s einem geklaut.
  • …man manchmal halt doch schieben muss.

Haben Sie noch weitere Ideen? Dann schreiben Sie sie doch als Kommentar.

Metaphern zum Thema “Sitzen”

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Copyright Bild oben: © Stephanie Hofschlaeger /PIXELIO

Sie sitzen vermutlich jetzt vor dem Computer und lesen diesen Artikel. Ist Ihnen bewusst, welche Metaphern oder Glaubenssätze Sie zum Thema “sitzen” haben? Ich nenne mal einige:

  • eine gute Haltung ist wichtig, z.B. um Rückenproblemen vorzubeugen
  • wer aufrecht sitzt, sieht aus, als hätte er nen Besenstiel verschluckt
  • eine schlechte Haltung muss man korrigieren
  • der Rücken soll gerade sein
  • die Schultern sollen locker sein
  • Verspannungen hat jeder

So, und zu diesen Punkten möchte ich zum Schluss dieses Artikels ein paar Fragen stellen. Ich lasse das ganz bewusst offen, gebe also keine Antworten (oder besser Vorschläge für Antworten), denn einige der Fragen kann man nicht mit absoluter Sicherheit beantworten. Ich will damit erreichen, dass Sie für das Thema sensibilisiert werden. Wir reden nämlich von vielen Aspekten oft so, als wären sie selbstverständlich. Weit gefehlt, kann ich da nur sagen…

  • Was genau ist eigentlich eine “gute Haltung”?
  • Wer definiert was gute- und was schlechte Haltung ist?
  • Kann man eine gute Haltung “haben”, oder muss man die “machen”, oder kommt die von selbst, wenn man irgend was nicht mehr macht, oder muss man sich gar dazu zwingen, oder wie jetzt?
  • Ist eine gute Haltung von heute, auch morgen noch genau so gut?
  • Oder geht es nicht vielmehr darum, dass die Haltung der Situation angemessen ist?
  • Aber über welchen Zeitraum stimmt das? Also wie lange ist so eine “Situation”?
  • Brauche ich für jede Situation dann etwa wieder eine neue gute Haltung? Würde das so nicht unglaublich kompliziert?
  • Wieso wird “aufrecht” oft mit “steiff”, “fest” oder “anstrengend” in Verbindung gebracht?
  • Ist es nicht vielmehr so, dass schon das Konzept von “Haltung” von vorn herein statisch ist und damit das Gegenteil von dynamisch, flexibel, lebendig?
  • Bringt möglicherweise schon das Wort “Haltung” Assoziationen mit (fest-)halten, HALT usw hervor?
  • Was bedeutet “korrigieren”? Welche Methoden werden dafür verwendet?
  • Bedeutet korrigieren, dass jeder Teil am richtigen Platz ist bzw. dahin zurückgebracht wird?
  • Bedeutet also gute Haltung, dass jeder Teil am richtigen Platz ist?
  • Was ist der Rücken? (das klingt vielleicht erst mal etwas bescheuert, aber: können SIE etwa genau definieren, was alles Rücken ist und was nicht??? Sie glauben Sie könnten das? Dann habe ich noch ein paar weitere Fragen: Wo genau endet der Rücken und wo beginnt der Nacken? Was ist noch Rücken, was schon Hintern? ;-) )
  • Jeder der schon mal ein Skelett gesehen hat weiss, dass die Wirbelsäule gebogen ist. Wieso wird dann immer wieder gesagt, der Rücken solle “gerade” sein? Ist das etwa auch Blödsinn?
  • Kann man überhaupt Verspannungen “haben” oder “macht” man Verspannungen, oder ist es noch mal ganz anders?
  • Sind Verspannungen überhaupt ein “Ding”, wie z.B. ein Knochen oder ein Tisch?

Wie immer freue ich mich über Kommentare ;-)

Apr272009

Die beste Bewegungsschulung?

Na da habe ich doch mal eine nette Beschreibung gefunden:

“Die Alexander Technik ist nur eine von verschiedenen Bewegungsschulen. Ob sie die Beste ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Vieles spricht allerdings dafür. Gute Gesundheitsmethoden zeigen sich dadurch aus, daß sie sich mit der Schulmedizin wenigstens einigermaßen vertragen und ohne ideologischen Unterbau auskommen. Das ist hier gegeben.”

(methode.de)

Ich frage mich allerdings, wieso der Autor die Alexander-Technik auf eine “Bewegungsschulung” reduziert, verweist er doch später selbst darauf, dass

[...] der Hauptgrund, aus dem man sich mit der Alexander Technik auseinandersetzen sollte, [...] die Bewußtseinsbildung [ist].

Hans-Peter Zimmermann hat das in seinem “ABC der Naturheilkunde” schon treffender dargestellt:

Die Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode, die die kausale Beziehung zwischen Denken und Bewegung untersucht. Ziel ist es, gewohnheitsmäßige Denkmuster so zu verändern, dass die natürliche Funktionsweise des Organismus nicht länger gestört wird.

Wer ihm diese Beschreibung wohl geschickt hat? ;-)

Apr192009

Prävention

In Michael Schürks “Alexander-Technik-Blog” habe ich folgenden Vortrag von Dr. Spitzbart mit dem Titel “Präventive Medizin” entdeckt:

Ich hatte Thema “Spüren” schon mal kurz angedeutet. Dr. Spitzbart verdeutlicht das Thema sehr anschaulich, indem er sagt, dass man 70% Organfunktion verlieren kann und man selbst spürt nichts davon. Prävention wäre demnach, seinen Verstand einzuschalten, der einem möglicherweise sagt, dass Rauchen tötet, so dass ein etwaiger Abwärtstrend gestoppt oder zumindest gebremst werden kann:

prävention

Ist das nicht verrückt? Muss man sich etwa auf seinen Verstand verlassen um erkennen zu können, was einem gut tut und was nicht? Wie kommt es, dass Dinge, die einem ganz offensichtlich schaden, sich subjektiv gut anfühlen? Wie kann man es schaffen, dass das Gefühl wieder zuverlässig wird?

Ich denke, es ist genau diese Trennung von “ich denke so und so darüber” und “das fühlt sich so und so an”. Wieso diese Trennung? Ich spüre etwas und ich denke und beides zusammen (und noch einiges mehr) ergibt ein Gesamtbild. Wenn ich mich aber nur auf mein Gefühl verlasse, oder nur auf meinen Verstand, dann klammere ich womöglich wichtige Informationen einfach aus und erhöhe damit die Wahrscheinlichkeit von Fehleinschätzungen.

Vernünftig wäre es also, alle verfügbaren Informationsquellen zu nutzen und dann eine bewusste Entscheidung(!) zu treffen.

Ich freue mich auf Kommentare :-)

Apr142009

Schnelle Veränderungen vs. Wachstum

362285_r_k_b_by_gerd-altmann-geralt-_pixeliodeEs gibt zwei Arten von Veränderungen:

evolutionäre und revolutionäre

Revolutionäre Veränderungen sind radikale, plötzliche Veränderungen. Es bedeutet, dass hinterher etwas vollständig Neues ist, etwas Unbekanntes, etwas Unvorhersehbares.

Evolutionäre Veränderungen könnte man auch als ‘Entwicklung’ bezeichnen: dahinter steckt das Wort ent-wickeln, etwas auswickeln, was schon vorhanden ist oder vorbereitet wurde.

Vielleicht kennen auch Sie Bücher, CDs, DVDs oder Seminare, die versprechen, dass sich das Leben grundsätzlich (revolutionär) verändern wird, sobald man auf ‘bestellen’ geklickt hat? Man schwebe danach in einem Zustand unendlich lange anhaltenden Glückes, des Sonnenscheines, blablabla. Das funktioniert allerdings nur in den seltensten Fällen. Und hier sind die Gründe warum das so ist:

Warum revolutionäre Veränderungen nicht funktionieren

  • revolutionäre Veränderungen machen Angst
  • deswegen ist das zunächst mal gar nicht soooo ‘toll’
  • man befindet sich dann in einem (positiven oder negativen) Schockzustand
  • sie sind nicht gehirn-gerecht
  • sie lassen sich nicht erzwingen, sondern ‘geschehen’  wenn die Zeit (und die Person) reif dafür ist

Steben Sie evolutionäre Veränderungen an

Ich möchte noch kurz auf den Punkt “gehirn-gerecht” zu sprechen kommen. Kennen Sie das Wort ‘Neuroplastizität’? Nein? Dann erkläre ich es kurz. Im Gehirn gibt es je nach Autor ca. 100 Milliarden Gehirnzellen, die miteinander vernetzt sind. Diese Vernetzung geschieht mithilfe von Nervenbahnen. Manche Nervenbahnen sind dicker und leitfähiger als andere. Wenn wir etwas (um-)lernen, wird diese Nervenbahnstärke angepasst oder es werden neue Bahnen gebaut.

Und das braucht Zeit!

Setzen Sie sich ein Ziel und unterteilen Sie es in kleinere Teilziele. Durch diese ‘Politik der kleinen Schritte’ erreichen sie nach und nach die gewünschte Veränderung. Das kann auf zwei Arten geschehen:

  • Rückblickend sagen Sie dann beispielsweise: “Das hätte ich mir damals nie vorstellen können, was sich da alles getan hat. Wenn ich meinen heutigen Zustand mit dem vor einem Jahr vergleiche…”
  • Es sammelt sich eine kritische Masse an kleinen Veränderungen an und wenn die Zeit reif ist -bummm – geschieht eine (vorbereitete) revolutionäre Veränderung:

evolutionar

Und hier noch Buchtipp u.a. zum Thema Neuroplastizität:

Spitzer, Manfred: Geist im Netz: Modelle für Lernen, Denken und Handeln

Copyright Bild oben: © Gerd Altmann (geralt) /PIXELIO

Apr052009

Was ist Originalität?

Auf dieser Seite habe ich dieses spannende Zitat gefunden:

“So viele Menschen verwechseln grobe Fehlkoordination mit Originalität.”
Patrick Macdonald (in: “The Alexander Technique as I See It)

Dazu sag ich Amen :-)

MusikerVon Musikern höre ich hin und wieder das Argument, dass man offen und spontan sein müsse, man müsse im Fluss oder “Flow” sein,  ja sogar, dass man die Angst überwinden müsse und ins Unbekannte springen, damit etwas Neues, etwas Einzigartiges entstehen könne.

Und das sehe ich ganz genau so!

Und dann muss ich mir ansehen Und dann zeigen sie mir, was sie damit meinen. Und was glauben Sie sehe ich da? Die selben Menschen, die von Offenheit, Spontanität, Fluss und von ‘ins Unbekannte springen’ sprechen, gehen gar nicht mal sooo gut mit sich selbst um, während sie selbst glauben ‘ganz offen und spontan’ zu sein.

Wow und das haut mich zum Teil echt um! Da wird sich verbogen und verspannt, dass Gesicht verzerrt, weil man dadurch das richtige ‘feeling’ kriegt, usw. Auf deutsch: die machen alles das, was Offenheit verhindert!!! Und das Beste daran ist, dass sich das subjektiv spontan und offen anfühlt. (Da frage ich mich doch gleich mal wieder, an welchen Stellen ich selbst denn so völlig daneben liegen könnte…) Ist das spannend?

Was lernen wir daraus?

Ich persönlich finde daran spannend, dass es momentan ja “in” ist von der Macht des Unterbewussten zu sprechen, die Rolle des Verstandes zu degradieren, stattdessen seinem “Gefühl” zu vertrauen und sich davon leiten zu lassen. Und diese Idee wäre auch gar nicht so verkehrt, wenn man seinem Gefühl denn trauen könnte ;-) Wie wir an obigem Beispiel (übrigens beliebig oft reproduzierbar) sehen können, liegt das “Gefühl” aber bei den meisten Menschen leider daneben.

Der Grund, warum Gewohnheiten oft so schwer zu verändern sind, ist ja der, dass

  • das Bekannte (die Gewohnheit) sich richtig anfühlt
  • das Unbekannte sich dann logischerweise falsch anfühlt

Und niemand, der etwas gut oder richtig machen will, wird jemals auf die Idee kommen etwas zu tun, was sich falsch anfühlt. Also wird er immer im alten, bekannten, sich richtig anfühlenden Tun steckenbleiben.

Ja und da scheint es mir doch so zu sein, dass wir letzten Endes halt doch unseren Verstand bemühen müssen. Das heisst wir müssen unser Denken trainieren, damit wir

  • das alles überhaupt erkennen können
  • und schliesslich die “falsche” Art etwas zu tun, unterbinden können.

Dann, und nur dann, kann wirklich etwas Neues entstehen! Das nenne ich Originalität!

An der Stelle sei mal wieder ein Zitat von F.M. Alexander erlaubt:

“Jeder will es richtig machen, aber keiner hält an und überlegt, ob seine Vorstellung von “richtig” die richtige ist.”

Das ist der erste Schritt einer jeden echten Veränderung.

Bild ©RainerSturm / PIXELIO

Apr032009

Der Pinguin in der Wüste

Ich habe mir gerade auf Frank Obels “feel-better-blog” ein super Video von Dr. Eckart von Hirschhausen angeschaut. Darin findet sich eine geniale Metapher! Es geht um (Vor-)Urteile, Veränderung, unsere Stärken und darum, was unsere sogenannten Schwächen vielleicht mit unserer Umgebung  zu tun haben könnten.

Schauen Sie sich hier erst mal das Video an:

Es war insbesondere diese Stelle, die mich so begeistert hat:

“…und wenn ich Pinguin bin und in der Wüste mich aufhalte, dann liegt’s nicht an mir wenn’s nicht flutscht. Ich muss nur kleine Schritte machen zu meinem Wasser und dann muss ich springen und dann weiss ich, wie sich das anfühlt, in meinem Element zu sein.”

Das ist doch sowas von genial, oder? Ich kann es noch gar nicht fassen :-)

Ich hatte über das Thema schon öfters nachgedacht und stelle immer wieder fest, wie wichtig es ist, in meine Betrachtungen immer auch den Kontext bzw. das System mit einzubeziehen. (Für die “Gebrauch des Selbst“-Leser: “to analyse the CONDITIONS of use present”)

Sonst finde ich massenhaft “Fehler” bei mir, die ich dann schlauerweise auch noch zu beheben versuche ;-)

In Zukunft werde ich an solchen Stellen wahrscheinlich laut lachen und denken: “PINGUIN” :-)

Mrz292009

Unterricht als Dienstleistung?

Auf dem Persönlichkeits-Blog von Roland Kopp-Wichmann fand ich folgenden Text von dem dänischen Philosophen Søren Aabye Kierkegaard:

“Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen, wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.

Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.

Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.

Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.”

(Søren Aabye Kierkegaard: Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst; 1859)

In diesem Text hat mir der Gedanke, dass die Leistung des Lehrer vor allem darin besteht, dem Schüler zu dienen, besonders gut gefallen. In diesem Sinne ist Unterricht wirklich eine Dienst-leistung. :-) Das passt perfekt zu meinem Verständnis von (Alexander-)Unterricht. Und anders ist es meiner Erfahrung nach auch gar nicht möglich, dass ein Schüler sich und sein Verhalten in der gewünschten Weise verändert, denn echte Veränderung kann NIE von aussen kommen, sondern muss in einem selbst entstehen. Unterricht soll den Rahmen bieten, in dem die gewünschte Veränderung möglichst leicht geschehen kann. Ich möchte die im zitierten Text genannten “Stationen” nochmals für eine Unterrichtsstunde zusammenfassen:

  • die Welt des Schülers verstehen
  • von dort aus einen Weg zu neuen Ufern aufzeigen
  • den Raum offenhalten, damit die gewünschte Veränderung geschehen kann

In diesem Sinne möchte ich hier auch die Vorgehensweise, wie Sie F.M.Alexander in The Use Of The Self beschrieben hat, interpretieren:

  • to analyse the conditions of use present;
  • to select (reason out) the means whereby a more satisfactory use could be brought about;
  • to project consciously the directions required for putting these means into effect.

Diese drei Punkte sind natürlich nicht nur für Lehrer und Therapeuten genial, sondern für jeden, der selbstständig irgend etwas in seinem Leben, in seinem Denken und Handeln verändern will.

Mrz222009

Alexander-Technik im Liegen

Sind Sie manchmal verspannt oder erschöpft? Oder wollen Sie wissen, was Sie tun können um die natürliche Spannung in Ihrem Körper besser zu verteilen? Dann sollten Sie gleich weiterlesen.

10 oder 15 Minuten pro Tag auf dem Boden zu liegen, ist eine der nützlichsten Dinge, die Sie für Ihren Körper tun können. Hier habe ich für Sie die Vorteile aufgelistet:

  • Sie können Sich komplett entspannen
  • die Bandscheiben regenerieren sich
  • Sie können Ihre maximale Ausdehnung erfahren
  • Sie lernen, Ihre Muskelspannung durch Ihre Gedanken zu steuern
  • Sie lernen Ihren Körper besser kennen
  • Sie nehmen sich Zeit FÜR SICH
  • Sie können Ihre Selbstwahrnehmung im Alltag erhöhen

Wie geht das?

Legen Sie sich auf den Rücken auf eine Matte.

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Legen Sie den Kopf auf ein paar Bücher

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und zwar so,
dass der Kopf nicht nach hinten kippt

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oder der Nacken überstreckt ist.

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Winkeln Sie die Beine an, denn damit können Sie Ihre Hüfte so hinlegen, dass auch der untere Rücken entspannen kann. Wenn Sie wollen, können Sie Antirutschsocken anziehen, oder einen Teppichstopp unter die Füße legen. Das ist dann die „Luxusversion“ ;-)

Legen Sie Ihre Hände auf Ihren Bauch. Das ist die bequemste Position, weil dann auch die Schultern besser loslassen können.

Und dann?

  • Erlauben Sie Ihrem ganzen Körper sich auf den Boden auszubreiten
  • Wenn Sie ein gutes Körperbild haben, dann stellen Sie sich Ihren Körper als Ganzes vor
  • Machen Sie sich klar, wo die Gelenke sind und dass alle frei beweglich sind
  • Stellen Sie sich vor, wie es wohl wäre, wenn Sie hier und da noch ein bischen loslassen würden
  • Sie sollen nichts “tun“. Stellen Sie es sich nur vor(!) und vertrauen Sie darauf, dass das alles ist, was Sie tun müssen. Also nicht überprüfen oder spüren, sondern nur „denken“.
  • Wenn Sie also mal geglaubt haben, dass Sie etwas ‘tun’ müssten, um sich zu entspannen, dann ist Ihnen jetzt womöglich klar geworden, dass das nicht funktionieren kann, weil etwas zu ‘tun’ das Gegenteil von ‘loslassen’ ist…

Diese Übung können Sie z.B.  alleine zu Hause oder wo auch immer durchführen um Ihre persönliche “Reset-Taste” zu drücken oder um Energie zu tanken oder auch einfach nur deswegen, weil Sie sich etwas Gutes gönnen wollen.

Tischarbeit

Im Alexander-Technik Unterricht  gibt es diese Übung auch und da heisst sie “Tischarbeit” (weil Sie da auf einem Tisch liegen).

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Hier leitet Sie der Alexander-Technik-Lehrer an und demonstriert Ihnen mit seinen Händen einen guten Selbstgebrauch.

Dadurch wird die Übung sehr effektiv und Sie profitieren später immer wieder davon, auch wenn Sie die Übung allein durchführen, weil Sie durch den Unterricht einen neuen Referenzpunkt zu Selbsteinschätzung bekommen haben werden.

Mrz152009

Spannendes Lesefutter!

Direction Journal1985 wurde das (englischsprachige) Direction Journal gegründet – eine unabhängige Zeitschrift für Alexander-Technik. Nach finanziellen Problemen wurde das Projekt bisweilen eingestellt. Jetzt gibt es das Direction Journal wieder. Zunächst nur im Internet unter http://www.directionjournal.com/.

Sie können sich ein Bild vom Direction Journal machen, indem Sie hier ein gratis Exemlar bestellen. Einfach Name und email-adresse eingeben und sie bekommen einen link zum herunterladen in Ihr Postfach. Das Dokument enthält folgende Artikel:

  • Living in the Present
    by Hella Linkmeyer
  • Butterfly Soup
    by Vivien Mackie
  • Of One Mind
    by Suzanne Faulkner
  • What Role Can the Alexander Technique Have in Business?
    by David Horsman (Interview mit Michael Gelb)
  • A Spiritual Path
    by Wade Alexander
  • Mr Macdonald
    by Shoshana Kaminitz

Momentan gibt es eine Mitgliedschaft noch zwei Monate fast gratis zum Preis von 1$. Für diesen Preis können Sie neun(!) Direction Journals aus dem Archiv als pdf herunterladen. Daneben gibt es noch ein Audio Archive mit diversen Live Interviews, sowie diverse Congress Papers.

Ich habe in den Direction Journals, die ich “in echt” besitze viele intersessante Artikel gefunden und werde bestimmt auch in den jetzt heruntergeladenen Dokumenten den einen oder anderen Artikel finden, der mich interressiert. Natürlich könnte ich jetzt, nachdem ich alles heruntergeladen habe gleich wieder kündigen. Ich werde allerdings auch nach Ablauf der 1$-Aktion Mitglied bleiben, weil ich das Projekt unterstützenswert finde und mir den einen oder anderen Denkanstoss aus den kommenden neuen Heften erwarte.

Nachtrag 20.3.09
Ich habe inzwischen mehrere emails mit dem Herausgeber des Direction Journals, Paul Cook, gewechselt. Jetzt kann ich sagen: Sehr spannend, was da für die nächsten Ausgaben geplant ist. Ist das jetzt Werbung? Ja klar ;-)

Bild: © Hans-Peter Häge / PIXELIO

Mrz142009

Selbstgebrauch

311526_r_k_b_by_stephanie-hofschlaeger_pixeliodeIch hatte hier schon mal ein wenig über das Thema “Gebrauch des Selbst” geschrieben. Jetzt habe ich auf  Maggy Breuers website eine genial einfache und sehr griffige Beschreibung dafür gefunden:

Es ist jedem selbstverständlich, dass das Funktionieren einer Maschine mit davon abhängt, ob sie ihrer Bestimmung gemäss eingesetz wird oder nicht. Dass auch die Arbeitsweise der eigenen Person mit diesem Faktor in Zusammenhang steht, liegt dagegen oft ausserhalb unseres Bewusstseins.

Genial, oder? Daraus ergeben sich natürlich sofort einige weitere spannende Fragen, z.B.:

  • Warum ist uns unser Gebrauch nicht bewusst?
  • Wie können wir ihn uns bewusst machen?
  • Wie können wir ihn verändern? oder: Sollten wir ihn überhaupt verändern?
  • Gibt es einen ‘optimalen’ Gebrauch?
  • Kann ich meinen Gebrauch wirklich bewusst steuern?
  • Wieso wird dieser eigentlich offensichtliche Zusammenhang von ‘Gebrauch und Funktion’ von nur so Wenigen erkannt?

In einem der kommenden posts werde ich versuchen einige dieser Fragen zu beantworten. Oder haben Sie etwa schon eine Idee für eine oder mehrere Antwort(en)? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!

::

Durch Maggy Breuer, bei der ich zur Zeit meines Musikstudiums viele viele erlebnis-, entdeckungs- und lehrreiche und nicht zuletzt vergnügliche Alexander-Stunden geniessen durfte :-) , habe ich übrigens auch die spannende WeightCommitment-Arbeit von Michael Protzl kennengelernt. Hierzu schreibt Breuer:

Wir verlieren schon in frühester Jugend jede Vorstellung davon, was müheloses Aufrechtsein bedeutet.

Und genau das verspricht die WeightCommitment-Methode uns wieder beibringen zu können. Ich selbst hatte einige Einzelstunden bei Protzl und war dann bei einem Wochenendworkshop. Ich kann sagen, dass das, was Protzl da entdeckt zu haben behauptet, wirklich sehr wirksam ist, so dass der Unterricht bzw. Workshop viele positive Veränderungen nach sich gezogen hat.

Einen kurzen Einblick in die Methode finden Sie beispielsweise in diesem pdf-Dokument oder besuchen Sie Michael Protzls website (etwas Geduld beim Laden der Seite…)

Bild: © Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO

Mrz112009

Blogverzeichnis

Robert Rickover hat letzte Woche ein Verzeichnis für Alexander-Technik-Blogs gegründet:

Sie finden es hier oder hier:

www.alexandertechniqueblogs.com

Mein deutscher blog “Leichtigkeit lernen” und mein finnischer “Alexander-tekniikan blogi” sind auch vertreten :-)

Mrz092009

Weniger ist mehr

314144_r_k_b_by_slicer_pixeliodePeter Ruhrberg hat eine exzellente Einführung in die Alexander-Technik mit dem Titel “Weniger ist mehr” geschrieben. Auf seiner website bietet er das 26-seitige Dokument gratis als pdf-download an. Es ist nach meinem Empfinden von bestechender Logik und in einem klar verständlichen Schreibstil verfasst. Es ist eine der besten Einführungen in die Alexander-Technik, die ich im Internet bisher gefunden habe.

Hier zunächst ein Überblick über die Inhalte, damit Sie wissen, ob der Artikel für Sie überhaupt interessant ist:

Was ist Alexander-Technik?
Der Ansatz
Anwendungsbereiche
Geschichte und Methodik
Definition “Alexander-Technik”
Ein Gedanke zum Auftakt
Zwei Entdeckungen Alexanders
Weitere Erkenntnisse in Alexanders Arbeit
Grundannahmen der Alexander-Technik
Die Aufgabenstellung
Alexanders Weg der Selbstschulung
Der Alexander-Unterricht
Quellen

Wer das Buch “What You Think Is What You Get” von Donald L. Weed kennt wird deutliche Paralellen erkennen können. Wenn Sie es es also mit dem Englischen nicht so haben sollten, können Sie ruhig erstmal Ruhrbergs kostenlose Einführung lesen, bevor Sie Weeds  Buch lesen. Dann sind Sie schon mitten drin im Thema. ;-)

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die vielen nützlichen (In-)Fragestellungen, die einen erfrischend neuen Zugang zum Verständnis der Alexander-Technik eröffnen können.

Auch wenn es den Lesefluss nach meinem Empfinden etwas stört, so kann ich es inzwischen doch sehr wertschätzen, dass Ruhrberg für (fast) jede einzelne Aussage eine oder meist sogar mehrere Quellenangaben macht. Diese Quellenangaben konnte ich jedoch nutzen, um mir einige Aussagen aus Alexanders Büchern auf eine neue Art und Weise zu erschliessen, sie zu hinterfragen und somit Neues zu lernen. Ich habe davon sehr profitiert.

Hier geht’s zum Artikel:

Peter Ruhrberg: Weniger ist mehr – Eine Einführung in die F.M.Alexander-Technik

.:.

Neben weiteren interessanten Artikeln, findet sich auf der website ausserdem noch ein Plädoyer für das wiederholte, genaue Lesen von F.M.Alexanders Büchern, das sich im Besonderen (aber nicht nur) an Lehrer der Alexander-Technik zu richten scheint. Ruhrberg schreibt:

“Als Kinder hatten meine Spielgefährten und ich großen Spaß bei einem Spiel, das noch heute unter dem Namen „Stille Post“ bekannt und verbreitet ist. Inzwischen gibt es eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen über die Unzuverlässigkeit und die Verfälschungen, die mit einem solchen lediglich mündlichen Prozess der Weitergabe von Informationen, Kenntnissen und Fähigkeiten einhergehen. Ich wäre nicht sehr glücklich darüber, wenn die Präzision und Glaubwürdigkeit dessen, was Alexander über seine Ideen und seine Lehre mit größter Sorgfalt schriftlich zu formulieren versuchte, über längere Zeit hauptsächlich von einer solchen Art und Weise der Weitergabe abhängig bliebe – vor allem, wenn es nicht wirklich nötig ist.

Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Ich denke ausserdem, dass sich das Lesen des “Orginals” und Gedanken, die man in Sekundärliteratur und/oder Unterrichtsstunden kennengelernt hat, sich gegenseitig zu bereichen vermögen. Aber eben erst dann, wenn man die Primärliteratur wirklich auch gründlich studiert hat! (in dem Fall wäre weniger dann ausnahmsweise mal nicht mehr ;-) )

Wieso sollte es überhaupt am Studieren der Primärliteratur scheitern? Hierzu bemerkt Ruhrberg:

So gibt es nach wie vor Alexander-Lehrer und -Schüler, die Alexanders Schreibstil zu kritisieren oder zu verteidigen versuchen, und dabei kommen oft Argumente ins Spiel wie: „unverstehbare Sprache“, „viktorianischrationalistisches Denken“, „gewundene Ausdrucksweise“, „zu formaler, hochtrabender, geschwollener Stil“, „veraltete Ideen“, „gefährliche Irrtümer“ und immer wieder „Alexanders Sätze finden einfach kein Ende“.

Ich selbst finde es immer wieder spannend in Alexanders Büchern zu lesen. Im Lichte neuer Erfahrungen, die ich (seit dem letzen Lesen) gemacht habe, kann ich immer wieder Neues entdecken, dass da “vorher noch nicht stand”. Zumindest habe ich es nicht, oder nicht in dieser Weise wahrgenommen.

Das ist, was Tor Noerretranders in seinem genialen (und leider seit Jahren vergriffenen) Buch Spüre die Welt als Ex-formation (im Ggs. zur In-formation) bezeichnet hat: je durchdachter und damit “gehaltvoller” ein Text ist, desto mehr Information wurde aussortiert und desto reichhaltiger wird ein Text empfunden, weil der Leser die aussortierte Information selbst ergänzen muss (=denken), und den Text somit automatisch mit Leben füllt. Und genau darum geht es doch letzten Endes: den Text mit Leben zu erfüllen.

Ruhrberg bietet z.Z. auf seiner website übrigens einen “Lesekurs zum Verständnis der Schriften von F.M. Alexander” an. Wenn ich nicht knapp 2000km entfernt wohnen würde, würde ich bestimmt hingehen. Vielleicht gibt’s das ja irgendwann mal als Online-Kurs? Wäre bestimmt sehr spannend…

Bild: © slicer/ PIXELIO

Mrz012009

Alexander-Technik und Lampenfieber

LampenfieberNachdem ich letzte Woche bereits einen Artikel zum Thema Lampenfieber vorgestellt hatte, folgt auch sogleich ein weiterer.

Die Leiterin der Schule für Alexander-Technik Freiburg, Aranka Fortwängler, hat mir letze Woche als Kommentar geschrieben, dass sie auf der website der Schule einen Artikel mit dem Titel “Die Alexander-Technik und Lampenfieber” anbietet. Ich habe den Artikel schon vor einigen Jahren gelesen und finde ihn sehr interessant und lehrreich.

Und er hat mir die Augen für einen bestimmten Aspekt von Lampenfieber geöffnet, dessen Verständnis mir seeeehr viel gebracht hat. Darüber möchte ich heute schreiben:

Was soll das eigentlich alles?

Lampenfieber ist die Wahrnehmung von den Folgen eines Ansteigens des Adrenalinpegels.

Adrenalin ist Energie!

Jetzt hätte ich da mal ne Frage an Sie: Brauchen Sie für einen Auftritt, eine Präsentation usw. mehr, weniger oder gleich viel Energie wie z.B. beim morgentlichen Zähneputzen? Na also! :-) So gesehen scheint das doch eine sinnvolle Sache zu sein dieses “Lampenfieber”, das normalerweise einen verdammt schlechten Ruf hat, finden Sie nicht auch?

“Dies alles ist an und für sich normal und den besonderen Anforderungen der Situation angemessen – wir brauchen mehr Energie, um so eine Aufgabe erfolgreich meistern zu können. Problematisch wird es erst, wenn wir diese Reaktionen als unangenehm oder gar bedrohlich empfinden.”

Und das gilt unabhängig davon, ob Sie Redner, Lehrer, Schauspieler, Musiker sind, ob Sie eine Präsentation geben, in einem Meeting oder in einer Prüfung sind, sich irgendwo bewerben oder der Frau ihrer Träume ihre Liebe gestehen :-) Lampenfieber hat einen bestimmten (positiven) Sinn und Sie als ganze Person reagieren darauf – in einer günstigeren oder ungünstigeren Art und Weise. Punkt. So einfach!

Darum helfen übrigens auch die meisten gutgemeinten Tips und Tricks gegen Lampenfieber in der Regel nicht. Warum? Weil sie eben genau dieses Kernthema(?) nicht berücksichtigen. Worum also geht es?

Lampenfieber loswerden?

Es geht um die innere Einstellung. Wie interpretieren wir das Lampenfieber? Wie bewerten wir das Lampenfieber? Wie reagieren wir auf das Lampenfieber?

Sollten wir das Lampenfieber nämlich loswerden wollen, so ergibt sich ein innerer Konflikt:

  • ein Teil will Energie liefern, damit wir uns ausdehnen und ausdrücken können
  • ein anderer Teil will die Kontrolle behalten und diese ganze Aufregung unterdrücken, versucht also auf die Bremse zu treten

Wir haben also folgende Situation:
Energiebremse (Kontrollieren) gegen Energielieferung (Lampenfieber)

Wenn Sie also ihr Lampenfieber besiegen oder loswerden wollen, so heisst das, dass Sie Energie aufwenden um weniger Energie zu haben…

Also ich muss sagen, Sie haben da ein echt interessantes Konzept ;-) Die Folgen sind leider eine gigantische Energieverschwendung bis hin zur Handlungsunfähigkeit.

Ausserdem schwirrt in Esoterikkreisen (der ’seriösen’ Art) immer mal wieder der Satz “Was du bekämpfst das machst du stärker” durch die Luft. Wenn dieser Satz zuträfe (und ich bin überzeugt, er trifft zu), dann würde das ja bedeuten, dass alle Maßnahmen die sich gegen das Lampenfieber richten, letzten Endes alles nur noch schlimmer machen würden… Was also tun?

Lernen Sie das Lampenfieber zu nutzen!

In genannten Artikel skizziert Fortwängler, was die Alexander-Technik ist und wie Sie sie mit ihrer Hilfe lernen könnten, dieses Lampenfieber, diese zusätzliche Energie, die sooooo unsteuerbar scheint, FÜR SICH und Ihre Intentionen ZU NUTZEN. Wie das gehen soll erfahren Sie im Artikel. Indem Sie ihren Umgang mit sich selbst verändern, verändern Sie indirekt auch ihren Umgang mit Lampenfieber.

“Und was hat sich am Ende an unserer Aufregung verändert? Wahrscheinlich gar nichts – wir sind weiterhin aufgeregt — aber wir können jetzt die Aufregung unter Umständen sogar genießen. Wir können sie und uns als einen Teil des Geschehens annehmen, als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen.”

Lampenfieber als eine Form von Dasein und Lebendigkeit auffassen? Die Aufregung genießen? Finden Sie das etwa erstrebenswert?

Dann ist der link zum Artikel:
Die Alexander-Technik und Lampenfieber

.

P.S. Haben Sie auch etwas zum Thema Lampenfieber zu sagen? Dann schreiben Sie mir doch einen kurzen Kommentar! Gerne auch mit link-Tips ;-)

Bild: ©Kurt Michel/ PIXELIO

Feb262009

Somato-psychische Lernprozesse

Das Buch Gesundheit – Lernen – Kreativität, erscheint im März in seiner zweiten Auflage. Der Verlag schreibt darüber, es sei

Ein Versuch von Vertretern der drei wichtigsten «neuen Körpertherapien», Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erforschen: von den methodenübergreifenden Grundlagen bis zu Anwendungen in Therapie, Pädagogik und Kunst.

Ich selbst habe es in meinem Bücherregal stehen und kann es wärmstens empfehlen. Darin werden die drei folgenden Methoden besprochen:

  • Alexander-Technik
  • Eutonie Gerda Alexander
  • Feldenkrais

Michael Fortwängler bietet auf der, übrigens auch sonst sehr informativen website “Ausbildung für Alexander-Technik -Düsseldorf” einen knapp 30-seitigen Auszug aus genanntem Buch an, in dem die Alexander-Technik beschrieben wird.

Hier ein grober Überblick:

  • Einleitung
  • Die ersten Unterrichtsstunden
  • Eineinhalb Jahre Alexander-Unterricht – Erfahrungsbericht der 25-jährigen Musikerin Sibylle B.
  • Die Entwicklung der Alexander-Technik
  • Grundannahmen der Alexander-Technik
  • Grundbegriffe der Alexander-Technik
  • Die Gestaltung der Lernprozesse
  • Die Arbeitsweise im Unterricht
  • Die Anwendungsmöglichkeiten der Alexander-Technik
  • Das Berufsbild des Lehrers, der Lehrerin der Alexander-Technik
  • Literaturliste zu diesem Beitrag

Besonders gut gefallen haben mir die konkreten Beispiele. Es werden einige “reale” Fälle beschrieben, was einen sehr guten Einblick vermitteln kann. Dem nachgestellt sind theoretische Erklärungen der Grundprinzipien der Alexander-Technik. Wie ich aus Rückmeldungen weiss, können besonderes Einsteiger, mit den “realen” Erlebnissen im Hinterkopf,  die Prinzipien sehr praxisnah verstehen, auch wenn sie selbst noch keine eigenen, praktischen Erfahrungen haben.

Fazit: sehr lesenswert

.:.

Hier geht’s zum Artikel:
Die Alexander-Technik als Methode zur Gestaltung somato-psychischer Lernprozesse

Und hier geht’s zum Buch:

Feb232009

Lampenfieber auflösen?

LampenfieberIch bereite gerade einen Workshop zum Thema Lampenfieber vor. Drum lese ich mal wieder diverse Bücher und stöbere im Netz nach nützlichen Artikeln zum Thema.

Mal wieder? Ich habe in meiner Musikerlaufbahn sehr mit dem Phänomen Lampenfieber zu kämpfen gehabt, was so weit ging, dass gar nichts mehr ging ;-) Sprich ich stand auf der Bühne und hatte so heftiges Lampenfieber, dass aus meiner Trompete nur noch – ich will es mal als “Geräusche” bezeichnen -  kamen, also weit entfernt also von Tönen, Klängen, geschweige denn Musik…

Ich weiss also aus eigener Erfahrung um was es geht und ich habe in einem langen Prozess gelernt, dass ich das Lampenfieber gebraucht habe, um bestimmte Dinge über mich lernen zu können. Somit bin ich heute sogar dankbar für mein Lampenfieber damals! Im Nachhinein lässt’s sich zwar leicht reden, aber in sogenannten Problemen steckt immer die Chance zu wachsen (Drum heissen die ja PRO-bleme und nicht CONTRA-bleme).

Inzwischen fühle ich bei Auftritten eine ganz andere Nervosität, eher zu beschreiben als Aufregung oder aufregende Vorfreude, was dazu führt, dass ich dann saugut spiele :-) .

Das Wort Lampenfieber leitet sich übrigens von dem Wort “Kanonen-fieber” her, das Goethe anässlich der Kanonade von Valmy 1792 beschrieb: das Pfeifen der herannahenden Kanonenkugeln versetzte die Soldaten in einen gar merkwürdigen Rausch. 1858 tauchte dann der Begriff “Lampenfieber” erstmals in der Theaterwelt auf. (Quelle: Irmtraud Tarr: Vom Lampenfieber zur Vorfreude)

In werde in unregelmässigen Abständden hier einige lesenswerte Artikel, Bücher und Methoden zum Thema Lampenfieber vorstellen. Los geht’s mit dem hier:

Was man gegen Lampenfieber tun kann

Die Alexander-Technik-Lehrerin und Begründerin der sogenannten Bodymapping-Methode – Barbara Conable – hat einen lesenswerten Artikel verfasst, der sich mit dem Thema “Lampenfieber bei Musikern” auseinandersetzt. Sie geht von vier verschiedenen Arten des Lampenfiebers aus:

  1. Schmetterlinge
  2. Gehemmtheit
  3. Empfindungen im Zusammenhang mit ungenügender Vorbereitung
  4. Schwächende Angst, Schrecken, Grauen, Panik

Nr.1 beschreibt positives Lampenfieber, auch gelegentlich als Eu-Stress bezeichnet. Darüber kann man sich riesig freuen, weil das die Leistungsfähigkeit erhöht.

Für alle weiteren Punkte (negatives Lampenfieber) gibt Conable hilfreiche Tipps und Strategien, wie man entweder präventiv daran arbeiten kann, oder wie man das Problem Lampenfieber ein für alle Mal lösen können soll.

Besonders interessant fand ich einen Absatz in dem Conable über den kulturellen Zusammenhang, in dem Lampenfieber entsteht, schreibt. Hier einige Beispiele:

Es ist auf der Welt ziemlich ungewöhnlich, daß ein Publikum in Reihen sitzend einer Bühne zugewandt ist und nichts weiter zu denken hat.

Tja, alle Augen und Ohren starren auf den Musiker und registrieren und verurteilen beurteilen jede kleinste Unstimmigkeit. Warum können die das überhaupt beurteilen? Conable liefert die Antwort:

Heutzutage besitzen viele Leute CDs von der Musik, die zur Aufführung gebracht werden soll. Noten, die der Komponist nicht geschrieben hat, sind auf der CD korrigiert worden und deshalb sind die Ohren des Publikums auf ein technisches Niveau ausgerichtet, das völlig unrealistisch ist.

Hmmm, da wird also ein Student oder ein Musiklehrer mit den weltbesten Musikern verglichen und mit youtube ist das heutzutage ja noch einfacher. Da kann man ja eigentlich nur verlieren…

Man kann den Status, den Musiker in unserer Kultur haben mit einem Wort beschreiben: niedrig.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Mit diesen und weiteren Beispielen verdeutlicht Conable, dass Lampenfieber bei Musikern viele Ursachen haben kann. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Denkweise allein schon eine enorme Erleichterung darstellen kann, ist man doch nicht mehr (nur) selbst “Schuld” an seiner Angst und dann kann man, vielleicht schneller als man denkt, erkennen, dass das mit Schuld rein gar nichts zu tun hat…

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Den Artikel “Was man gegen Lampenfieber tun kann”  hat die Alexander-Technik-Lehrerin Sibylle Wenzel übersetzt und stellt die deutsche Übersetzung auf Ihrer website gratis zum download zur Verfügung.

Hier ist der link zum englischen Original.

Bild: ©RainerSturm / PIXELIO

Feb182009

Alexander-Technik (1/8)

Normalerweise wird Vererbung als der Faktor genannt, der unsere Möglichkeiten bestimmt und Umwelt als der Faktor, der das Ausmaß bestimmt, in dem wir sie verwirklichen. Im Modell der Alexander-Technik gibt es noch einen dritten Faktor, und die Alexander-Technik hilft ihnen diesen Faktor für Sie statt gegen Sie arbeiten zu lassen. Wollen Sie diesen Faktor kennen- und nutzen lernen? Wollen Sie ihr Potenzial voll ausschöpfen?

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Was ist Alexander-Technik?

Die Alexander-Technik untersucht die Beziehung zwischen Denken und Handeln. Sie geht der Frage nach, wie wir unser Denken disziplinieren können, damit sich die Vorteile der natürlichen Gegebenheiten unseres Organismus’ mit Hilfe bestimmter Prinzipien voll entfalten können.

Alexander-Technik wird unterrichtet und bedingt somit die aktive Teilnahme seitens des Schülers. Sie ist also keine Therapie, sondern eine Lernmethode. Die Vorgehensweise ist in ihren Grundzügen genau wie die wissenschaftlichen Methode:

  • Aktivität ausführen
  • Beobachten / Informationen sammeln
  • einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
  • eine Wahl treffen
  • Aktivität auf neue Weise ausführen

Diese in der Theorie einfache Vorgehensweise ist der Schlüssel zu einer spannenden Entdeckungsreise tief in ihr Innerstes. Sie werden auf dieser Reise mit ihren tiefsten und hartnäckigsten Gewohnheiten und Glaubenssätzen konfrontiert werden, diese verändern können und werden so mehr und mehr zu dem Menschen, der Sie wirklich sind.

::

Ich möchte Ihnen zunächst erzählen, nach welchen Prinzipien wir in der Alexander-Technik vorgehen, um das Ziel, die Entfaltung ihres Potentials, zu erreichen.

Was bedeutet das eigentlich, “ihr Potential entfalten”? Zur Verdeutlichung möchte ich ihnen kurz ein Modell vorstellen, dass ich bei Vera F. Birkenbihl gefunden habe:

birkenbihl2

Wir alle sind mit einem Potential “P” auf die Welt gekommen und hätten eigentlich zu einem “homo sapiens” werden können, wäre da nicht etwas dazwischen gekommen, was wir “Erziehung” nennen. Diese Erziehung hat uns “normal”=durchschnittlich gemacht. Das ist aus gutem Grund geschehen, denn ohne gesellschaftliche Spielregeln, kann das Zusammenleben nicht gut funktionieren.

Mit Hilfe der Alexander-Technik können Sie daran arbeiten, sich wieder zu entfalten um schließlich zu dem Menschen werden, der Sie sein könnten…

.

Hier geht’s weiter…

Feb182009

Alexander-Technik (2/8)

Prinzip 1: Ganzheitlichkeit

Ist Lesen ein rein geistiger Vorgang?

  • Ja
  • Nein

Um diese Frage zu beantworten, möchte ich mit ein paar leicht nachvollziehbaren Gedanken aus den Bereichen Physik, Philosophie und Spiritualität beginnen. Sind sie einverstanden?

F.M.Alexander, der Begründer der Alexander-Technik hat behauptet, dass der Mensch ein Organismus ist, in dem alle geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse untrennbar miteinander verbunden sind. Wir sind ganzheitlich! Jede noch so kleine Veränderung eines Teils verändert das Gesamtsystem. Diese Behauptung wird durch aktuelle neurobiologische Forschungsergebnisse bestätigt

Warum wird dann überhaupt zwischen Körper und Geist unterschieden? Nun, wir haben gelernt die Welt so wahrzunehmen. Dazu ein Zitat von Carlos Castaneda:

“Jeder, der mit einem Kind in Kontakt kommt…, erklärt die Welt unaufhörlich, bis zu jenem Augenblick, da das Kind die Welt so wahrnehmen kann, wie sie ihm erklärt wurde… Von [nun] an ist das Kind ein Mitglied. Es kennt die Beschreibung der Welt und es erreicht… die volle Mitgliedschaft, wenn es in der Lage ist, all seine Wahrnehmungen so zu deuten, dass sie mit diesen Beschreibungen übereinstimmen und sie dadurch bestätigen.”

Körper und Geist zu trennen ist zum Zweck der Analyse sehr hilfreich. Um die Welt beschreiben zu können, müssen wir vereinfachte Modelle von ihr entwickeln. Finden Sie es auch so spannend wie ich, dass die Trennung von Körper und Geist in unserer Sprache so fest verankert ist, dass ich keine andere Möglichkeit habe als zu sagen: “Es gibt Körper und Geist (=Trennung) und die gehören übrigens zusammen.” Spannend, nicht wahr?

Zurück zur Eingangsfrage: “Lesen” ist also weder ein “rein geistiger” noch ein “rein körperlicher” Vorgang, genausowenig wie Sprechen, Tanzen, Klavier spielen, Emails schreiben, Fernseh schauen usw. Es ist IMMER der ganze Organismus, der als Einheit arbeitet.

  • Wenn Sie dem widersprechen wollen, dann schreiben Sie einen Kommentar! Ich freue mich immer über fruchtbare Diskussionen.
  • Wenn sie es nicht nur theoretisch verstehen wollen, sondern lernen wollen, wie sie die Alexander-Technik im täglichen Leben nutzen können, dann vereinbaren Sie eine Einzelstunde bei einem gutem Alexander-Technik-Lehrer!

Hier geht’s weiter

Feb182009

Alexander-Technik (3/8)

Prinzip 2: Gebrauch – Funktion

In der Alexander-Technik unterscheiden wir zwischen Gebrauch und Funktion.

Ich habe einen kleinen Schraubenzieher, mit dem ich hin und wieder die Schrauben meiner Brille festziehe. Stellen Sie sich vor, ich würde ihn verwenden um ein Regal zusammenzubauen. Das kennt man ja, oder? Die Dinger passen nie so richtig zusammen und alles klemmt irgendwie. Mit meinem kleinen Schraubenzieher wäre das nicht nur unglaublich ineffektiv bzw. unmöglich, sondern wahrscheinlich würde ich den Schraubenzieher – und das Regal – auch noch kaputt machen.

Andererseits habe ich viele Möglichkeiten, wie ich die Schrauben meiner Brille festziehen kann. Ich kann das mit einem Kraftakt wie beim Bodybuilding tun, oder ich kann ganz fein arbeiten.

Daraus folgt, dass es sinnvoll ist

  • den Verwendungszweck zu beachten und
  • die Art der Verwendung passend zu wählen, wenn das Werkzeug optimal und auch langfristig funktionieren soll.

Genau diesen Zusammenhang zwischen Gebrauch und Funktion beachtet die Alexander-Technik.

Also wenn ich es für das Falsche gebrauche funktioniert es nicht gut und
wenn ich es falsch gebrauche funktioniert es auch nicht gut. Alles klar? ;-)

Ein klassisches Beispiel hierfür, in Bezug auf den Körpergebrauch, ist das Aufheben eines Gegenstandes vom Boden:

Es gibt viele verschiedene Arten, einen Gegenstand aufzuheben. Die Art die der Körperkonstruktion entspricht geht so: Hüft-, Knie- und Fußgelenke beugen um so nach unten und wieder zurück zu kommen. Das war’s. Diese Art die Beine zu gebrauchen ist die effektivste Art und deswegen funktioniert sie am besten. Wenn ich unten bin kann ich die kräftigen Beinmuskeln verwenden um etwas schweres aufzuheben, anstatt die verhältnismäßig feinen Rückenstrecker zu bemühen und einen Bandscheibenvorfall vorzuprogrammieren.

Diesen Teil der Aktivität „Gegenstand aufheben“ nenne ich den spezifischen Gebrauch in einer Tätigkeit.

Dem voran geht der allgemeine Gebrauch des Selbst. Was das ist?
Das ist das Spezialgebiet der Alexander-Technik.

Die Fragestellung lautet:
Wie ist meine allgemeine Koordination, und wie kann ich die bestmögliche finden?

Die Vorgehensweise in der Alexander-Technik ist es, die optimale Relation zwischen Kopf und Körper zu initiieren, damit das ganze System sich optimal koordinieren kann – genannt primary control. Das beinhaltet also Denken und Bewegung, ist also ganzheitlich. Eine so optimierte allgemeine Koordination hat einen positiven Einfluss auf alle anderen spezifischen Tätigkeiten.

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Feb182009

Alexander-Technik (4/8)

Prinzip 3: Primary Control

Die Alexander-Technik liefert uns ein geniales Modell zur Steuerung unseres Gebrauchs:

die sog. „primary control“ – zu deutsch “primäre Steuerung”

Das Modell behauptet folgendes:

Die Balance des Kopfes im beweglichen Verhältnis zum Körper,
ist der Schlüssel zu Freiheit und Leichtigkeit jeder Bewegung.

“Interessant” finden Sie? Wollen Sie wissen, wozu das Modell nützlich sein soll? “Wieso gerade DIESES Modell? Lesen Sie weiter….

Wie schwer ist ihr Kopf? Was schätzen Sie?

  • 2-5 kg
  • 5-7 kg
  • 7-10 kg

Wir können unseren Kopf, die oberste Masse so balancieren, dass
ENTWEDER die Gesamt-Koordination verbessert wird
ODER die Gesamt-Koordination schlechter wird.

Ihr Kopf wiegt fünf bis sieben Kilo!!! Nehmen sie mal einen fünf Kilo schweren Stein in die Hand und spüren Sie sein Gewicht. Können Sie spüren, welche enormen Kräfte da wirken, wenn sie fünf Kilo längere Zeit “halten” müssen?

Wenn Sie aufhören zu Halten indem Sie ihre großen Halsmuskeln loslassen, damit die automatischen Balancemechanismen des Kopfes ungestört arbeiten können, kann sich der ganze Restliche Körper untendrunter ebenfalls gut balancieren, weil das Fallen der obersten Masse “Kopf” durch die Knochen in den Boden geleitet werden kann. Notlösungen wie verspannte Muskeln, krummer Rücken, Hohlkreuz etc. sind dann schlicht nicht mehr nötig.

Wir wollen also (wieder) lernen die Balance unseres Kopfes in einer Weise zuzulassen, die die beste Koordination des gesamten Körpers hervorbringt.

Wir benutzen DIESES Modell, weil es biomechanisch logisch ist, weil es genial einfach ist und weil wir damit jederzeit unseren Gesamtzustand zuverlässig einschätzen lernen können.

Die praktische Umsetzung braucht allerdings etwas Zeit und professionelle Anleitung.

Wenn Sie möchten, können Sie gleich jetzt ausprobieren, wie es ihnen geht, wenn sie beim lesen dieses Textes ihren Hals so fest wie möglich anspannen, um dann wieder ganz loszulassen. Vergleichen Sie beide Zustände. Welcher ist angenehmer?

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Feb182009

Alexander-Technik (5/8)

Prinzip 4: Indirektes Vorgehen – Prinzip 5: Ziele-Mittel

Frank Pierce Jones gibt in seinem Buch Freedom to Change: Development and Science of the Alexander Technique das folgende Beispiel der Affenfalle:

In einer Flasche ist eine Nuss, die der Affe haben will. Er greift hinein, nimmt die Nuss und … steckt fest. Er will (und kann) die Nuss nicht wieder loslassen und ist somit gefangen, weil seine Hand zusammen mit der Nuss nicht mehr durch den Flaschenhals passt.

Aufgabe: Welche anderen Möglichkeiten hätte der Affe gehabt? Bitte machen Sie eine Liste (jetzt).

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Haben Sie eine oder mehrere Lösungen gefunden? War ja nicht wirklich schwer, oder?

Was aber ist der Unterschied zwischen Ihrer Vorgehensweise und der Vorgehensweise des Affen? Sie haben, im Gegensatz zum Affen, ein indirektes Vorgehen gewählt. Das bedeutet, dass Sie die Situation analysiert haben, ihr Ziel definiert und dann ihre Intelligenz und Kreativität benutzt haben, um die bestmöglichen Mittel zufinden, wodurch Sie ihr Ziel erreichen können.

Eine indirekte Vorgehensweise hat gegenüber der direkten folgende Vorteile:

  • Sie können aufgrund der Simulation in ihrem Kopf die Wirkungen ihres Handelns abschätzen.
  • Ihnen ist bewusst was Sie warum, wie tun. Deshalb werden Sie erfolgreich sein.
  • Die Klarheit in Ihrem Denken wird in eine klare, zielgerichtete Handlung münden.
  • Sie können ihr Vorhaben deshalb wirkungsvoll in die Tat umsetzen.
  • Sie haben eine größere Kontrolle, da Sie sich der Mittel bewusst sind.
  • Sie haben – im Gegensatz zum automatischen, direkten Vorgehen – eine Wahlmöglichkeit.
  • Die indirekte Vorgehensweise zeitsparender und effektiver.

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Feb182009

Alexander-Technik (6/8)

Prinzip 6: Wahlfreiheit – Prinzip 7: Reiz-Reaktion

Eine wichtige Grundlage in der Alexander-Technik ist das sogenannte pro-aktive Denken.

re-aktiv: Reiz → Reaktion (automatisch)
pro-aktiv: Reiz → bewusste Wahl → Reaktion (bewusst gewählt)

Im Unterricht trainieren Sie die Fähigkeit jederzeit innezuhalten um bewusst zu wählen; um Entscheidungen zu treffen. Genau diese Fähigkeit ist das Fundament, auf dem Sie ein bewusst geführtes Leben aufbauen können. Und ich bin mir sicher, das ist genau das, was auch Sie wollen, sonst hätten Sie nicht bis hier gelesen. Na, habe ich recht?

Indem wir indirekt vorgehen, d.h. uns mit den Mitteln beschäftigen die uns zum Ziel führen, werden wir uns der Vielzahl der Möglichkeiten bewusst und können wählen:

  1. Eine Möglichkeit bedeutet gar keine Wahl;
  2. zwei Möglichkeiten nennt man ein Dilemma;
  3. erst ab drei Möglichkeiten haben wir eine echte Wahl.

Es gilt die Regel:
Die Flexibilität steigt proportional zur Anzahl der Möglichkeiten.

Haben Sie das kapiert? Wenn Sie kein Bewusstsein darüber haben, dass Sie immer wählen können UND auch tatsächlich immer wählen, dann sind Sie geistig und körperlich unflexibel. Sie sind festgelegt, zielfixiert! Auf körperlicher Ebene bedeutet das “Muskeln anspannen”.

Wenn Sie sich also mit dem Thema “Wahlfreiheit” beschäftigen, werden sie irgendwann spüren können, dass ein automatisches Vorgehen ein Zusammenziehen des Körpers bewirkt. D.h. Sie können einen guten Körpergebrauch nur dann haben, wenn Sie geistig offen sind und umgekehrt können Sie auch an Ihrem Körpergebrauch erkennen, ob Sie geistig offen sind für die Möglichkeiten, die Ihnen das Leben bietet. Ist das nicht praktisch?

Jetzt wo Sie von diesen Zusammenhang vielleicht zum ersten Mal gehört haben, können Sie diese Erkenntnis sofort nutzen und zwischen den Ebenen hin und herspringen, bis sie merken, dass es keinen Unterschied gibt. Ab diesem Punkt wird “Ganzheitlichkeit” nicht mehr nur Theorie mehr sein, sondern Ihre persönliche Wahrheit.

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Feb182009

Alexander-Technik (7/8)

Prinzip 8: Sinneswahrnehmung

Ich behaupte, dass schlechte Gewohnheiten vor allem deswegen so schwer zu verändern sind, weil sie sich gut anfühlen, obwohl sie uns eigentlich im Weg stehen oder sogar Schaden.

Stimmen Sie dem zu?

  • Ja
  • Nein

Normalerweise gehen Menschen gewohnheitsmäßig auf eine bestimmte Art mit sich und ihrem Körper um. Gehören Sie auch dazu? Das würde mich nicht überraschen, denn ich kennen nicht viele Menschen, die in ihrem Alltag bei sich bleiben und bewusst Einfluss nehmen können. Die meisten sind zerstreut und mit ihrer Aufmerksamkeit bei ihrer Arbeit, einem Gespräch oder sonstwo – aber nicht bei sich selbst.

Wenn diese Art mit sich umzugehen, was ich in Prinzip 2 als “Gebrauch” bezeichnet habe, gut ist, dann entstehen keine Probleme. Wenn man jedoch ein bischen in Krankheits-Statistiken liest, stellt man fest, dass über 90% der Menschen häufig Rückenschmerzen haben. Daraus schliesse ich, dass sie auch einen schlechten Gebrauch haben, und die Rückenschmerzen ein Symptom davon sind (ausser in den paar Prozent, in denen irgendwelchen anatomischen Probleme vorliegen)

Kurz gesagt: Wenn Sie mit sich schlecht umgehen, tut ihnen früher oder später der Rücken weh.

Was aber machen alle? Übungen. Stimmt doch, oder? Da werden Rückenmuskeln in Kraft und Ausdauer trainiert, es wird Beweglichkeit trainiert, Muskeln gedehnt usw.

Jetzt habe ich dazu eine Frage: Wenn es stimmt, dass der gewohnheitsmäßig schlechte Gebrauch, die Ursache für Rückenschmerzen ist, wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet dann, wenn Sie ihre Übungen machen, sie einen guten Gebrauch haben? Glauben Sie, dass Sie plötzlich besser mit sich umgehen, nur weil ihre Muskeln gut trainiert sind? Ich glaube das nicht.

Jeder versucht es richtig zu machen,
aber niemand hält inne, um zu überdenken,
ob die Vorstellung von “richtig” auch richtig ist.

(F.M.Alexander)

Auch Sie wollen ihre Übungen “richtig” machen. Wenn Sie aber etwas NEUES machen, dann kennen Sie das dazugehörige Gefühl nicht. Es fühlt sich wahrscheinlich irgendwie fremd oder sogar unangenehm und falsch an. Aber NIEMAND tut etwas, dass sich falsch anfühlt, wenn er etwas richtig machen will! Das leuchtet doch ein, oder?

You can’t do something you don’t know,
if you keep on doing what you do know.

(F.M.Alexander)

Alles klar? Ein guter Gebrauch bedeutet für Sie etwas NEUES. Sie bewerten ihren Gebrauch aber mit ihrem alten Gefühl. Dieses Gefühl aber hat sie bereits betrogen, sonst hätten Sie ja einen guten Gebrauch (und von den Menschen, die ich auf der Straße sehe, haben vielleich 0,1% einen guten Gebrauch). Sie brauchen einen neuen Maßstab, eine neue Referenz.

Darum geht es. Im Alexanderunterricht lernen Sie, ihren Verstand zu benutzen. Gefühl ist eine unglaublich wertvolle Sache, dann, und nur dann, wenn sie sich auch darauf verlassen können. Bis es soweit ist möchte ich ihnen noch den folgenden Satz zumuten, den F.M.Alexander mal einem seiner Schüler an den Kopf geknallt haben soll:

Du triffst keine Entscheidungen,
sondern du tust das, was sich für dich richtig anfühlt.

Nochmal: Sie können keine wirklichen Veränderungen erreichen, solange Sie sich allein auf ihr Gefühl verlassen!

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Feb182009

Alexander-Technik (8/8)

Prinzip 9: Innehalten

Eines der wichtigsten Prinzipien nach denen wir im AT-Unterricht vorgehen heisst “Inhibition”. Wollen Sie wissen, was sich dahinter verbirgt? Also:

F.M.Alexander beschrieb es in seinem dritten Buch “The Use of the self” so:

“I had to make the experience of receiving a stimulus and refusing to do anything immediately in response.”

Was bedeutet das? Schauen wir uns zunächst folgendes Modell von Veränderung an:

  1. Denken
  2. Bewegung
  3. Veränderung
  4. Eindrücke/Einsichten

Also: das Gehirn sendet Signale an die Muskulatur und diese werden in Bewegung umgesetzt. Denken kommt also zeitlich VOR Bewegung. Bewegung bedeutet immer Veränderung. Daraus ergeben sich dann Feedback (Sinneseindrücke, Gefühle, usw) und Einsichten, Erkenntnisse.

Sie werden mir sicher zustimmen, dass es sinnvoll ist am ersten Glied der Kette anzusetzen um Veränderungen zu bewirken: dem Denken.

Erinnern Sie sich noch an die Vorgehensweise der Alexander-Technik? Damit Sie nicht zum Anfang scrollen müssen schreibe ich Sie nochmal hin:

  • Aktivität ausführen
  • Beobachten / Informationen sammeln
  • einen neuen, besseren Plan für diese Aktivität ausdenken
  • eine Wahl treffen
  • Aktivität auf neue Weise ausführen

Nun dieser Plan ist in der Theorie ganz logisch. Wenn Sie versuchen ihn in die Praxis umzusetzen, werden Sie in den meisten Fällen scheitern, weil die Gewohnheit stärker ist. Um dem Herr zu werden müssen Sie die Art ihres “Denkens” verändern. Hier hilft die mentale Disziplin um die es in diesem Abschnitt geht: Inhibition.

In dem Moment, wo Sie sich entschieden haben die Aktivität auf die neue Weise auszuführen, bauen Sie eine Unterbrechung ein. (vgl. pro-aktives Denken: Reiz → bewusste Wahl → Reaktion)

Die Entscheidung etwas zu tun (egal was es ist) bringt nämlich garantiert ihre gewohnte Art der Selbststeuerung hervor. Deswegen müssen Sie an dieser Stelle die Erfahrung machen einen Stimulus zu erhalten und sich weigern unmittelbar darauf zu reagieren. Um diese Erfahrung zu machen gibt es nichts was sie dafür tun können, im Gegenteil, das ist das berühmte “nicht tun”…

Mit diesem Unterbrecher läuft der Trigger, der normalerweise die gewohnte Art der Selbststeuerung hervorbringen würde, ins Leere und es entsteht Raum für eine neue Erfahrung. Wenn ihnen das gelingt, dann entsteht Spontanität, weil sie etwas wirklich NEUES tun können. Sie sind aus ihrer Gewohnheit ausgebrochen. Sie sind frei.

Es läuft alles darauf hinaus, eine besondere Reaktion auf einen gegebenen Reiz zu verhindern. [...] Es geht darum, dass der Schüler entscheidet, welchem tun er zustimmen, oder nicht zustimmen will.
(F.M.Alexander)

Zum Abschluss dieser Einführung in die Alexander-Technik möchte ich Sie noch darauf hinweisen, dass die Anwendung in der Praxis etwas ganz anderes ist, als nur darüber zu lesen. Der geniale Mathematiker Alfred Korzypsky hat gesagt: The map is not the territory. Klar, denn das lesen der Speisekarte ist schon was anderes, als das Essen dann später… Das ist wie mit dem verliebt sein, dass kann man nicht erklären, dass muss man selbst erleben. Oder versuchen Sie mal jemandem zu erklären, wie Fahrradfahren funktioniert. Der muss selbst fahren(!), um wirklich zu verstehen, um was es geht.

Feb082009

Herzlich Willkommen!

So, jetzt habe ich also auch ein deutsches blog gestartet.

“Leichtigkeit lernen” ist der Titel. Es soll gehen um Leichtigkeit in Denken und Bewegung, Leichtigkeit im Leben und auch darum (mit) Leichtigkeit (zu) lernen.

In diesem Blog werde ich u.a. über Alexander-technik schreiben. Sie wissen nicht, was das ist? Warten sie es nur ab, in ein paar Tagen gibt’s hier mehr zu lesen z.B. ‘Alexander-Technik? Was ist denn das?’, Erfahrungsberichte, Experimente, Spannendes, Schönes…

Das zweite Thema, dass mich hier beschäftigen wird ist das weite Feld mit dem tollen Namen “Persönliches Wachstum”. Geplant sind hierzu Tagebücher zu bestimmten Themen die mich beschäftigen sowie Buchbesprechungen.

Ich freue mich auf viele spannende Posts und tolle Kommentare. :-)